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Bild (1/1): Chevrolet Corvair Monza Convertible (1962) - bis zu sechs Personen konnten in der Limousine mitfahren (© Bruno von Rotz, 2015)
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    Chevrolet Corvair Monza - innovative Technik mit Nebentönen

    18. September 2015
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
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    Er hat einen luftgekühlten Sechszylinder-Boxer im Heck, vier Einzelradaufhängungen und wurde besonders leicht gebaut, aber er ist kein Porsche sondern ein Chevrolet. Der Corvair verkörperte um 1960 die geballte Innovationskraft der Amerikaner, sollte aber trotzdem nicht zur Erfolgsgeschichte werden.

    Chevrolet Corvair Monza Convertible (1962) - das Dach kann fast komplett versenkt werden
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Gegenattacke

    Mit zunehmendem Interesse der amerikanischen Autokäufer an kompakteren (und europäischen) Autos, konnten auch die grossen drei Fahrzeughersteller der USA, also Ford, Chrysler und General Motors, nicht mehr abseits stehen. In kurzer Folge präsentierte Chrysler den Valiant, Ford den Falcon und General Motors den Chevrolet Corvair. Richtig kompakt waren sie alle nicht, ihre Abmessungen hatten in Europa Oberklassen-Niveau. Während Ford und Chrysler einfach kleiner bauten, entwickelte General Motors ein komplett neues Autokonzept.

    Innovationsreich

    Der neue kompakte Wagen sollte leicht und geräumig sein. Um dies zu erreichen, baute man den Motor im Heck ein und wurde so den Kardantunnel los. Dank selbsttragender Bauweise konnte man einen grossen Innenraum bereitstellen, so dass der Corvair sechs Personen problemlos Platz bot, wenn auch für die Knie etwas weniger Zentimeter zur Verfügung standen.

    Chevrolet Corvair (1960) - Duchsichtszeichnung
    © Archiv Automobil Revue

    Mit Luft- statt Wasserkühlung sparte man genauso Gewicht wie durch Verwendung von Leichtmetall für das Kurbelgehäuse und die Zylinderköpfe. Der Boxermotor mit sechs Zylindern und zentraler Nockenwelle wurde als Kurzhuber ausgelegt und längs hinter der Hinterachse eingebaut. Geschaltet wurde mit Wandlerautomatik oder Dreiganggetriebe.

    Vorne wurden die Räder an Dreiecksquerlenkern, hinten an einer Pendelachse geführt. Gebremst wurde mit grosszügig dimensionierten Trommeln.
    1,5 Millionen Entwicklungsstunden investierte man in den Corvair, drei Millionen Testkilometer wurden abgefahren, um von Anfang an ein reifes Produkt zu den Händlern bringen zu können. Man überliess also nichts dem Zufall.

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    Designmuster

    Sportlich kam der nur 1065 kg leichte Corvair daher, seine Dimensionen von 4,57 Meter Länge, 1,70 Meter Breite und 1,30 Meter Höhe erlaubten eine elegante Karosserieform, die durchaus mit neuartigen Akzenten aufwartete. Die Front verzichtete auf jede Andeutung eines Kühlergrills, vorne und hinten markierten doppelte Lampenkörper Dynamik.

    Chevrolet Corvair Monza Spider (1963) - auch für den Geschäftsmann
    © Zwischengas Archiv

    Breit kopiert wurde der umlaufende Falz unter der Gürtellinie, den man u.a. auch bei NSU und BMW wieder sehen konnte. Die grosszügige Verglasung sorgte für einen hellen Innenraum.

    Variantenreich

    Auf die viertürige Limousine folgte 1960 das Coupé, das man “Monza” nannte. Es folgte ein Kombi namens “Lakewood”, der Van “Greenbrier”, die Nutzfahrzeugvarianten “Rampside” und “Loadside” und für das Jahr 1962 schliesslich der Spyder auf Monza Coupé Basis.

    Chevrolet Corvair (1961) - zeitgenössische Prospektabbildung von 1961
    © Zwischengas Archiv

    Gerade diese Variantenvielfalt sicherte dem Corvair einen Achtungserfolg, während beim klassischen Viertürer Ford und Chysler eher ein glücklicheres Händchen hatten.

    Positiver Empfang

    Die Presse zeigte sich vom Corvair begeistert. Paul Frère verglich die drei “Compacts” aus den USA im Jahr 1960 für die Zeitschrift “Auto Motor und Sport” in einem Test und zeigte sich vom Corvair sehr angetan. Er habe die beste Lenkung, zeigte die spritzigsten Fahrleistungen und auch mit dem Fahrverhalten kam Frère gut zurecht, wenn er auch notierte, dass die Tendenz zum Übersteuern doch etwas gar stark ausgeprägt sei, “etwa wie bei einem Porsche von 1956”. Der Viertürer mit 80 SAE-PS beschleunigte in 16.1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und kam auf 139.5 km/h Höchstgeschwindigkeit.

    Chevrolet Corvair Monza Coupé (1962) - als Rekordfahrzeug
    © Zwischengas Archiv

    Die Automobil Revue konnte ebenfalls im Winter 1959/1960 erste Erfahrungen mit dem Corvair sammeln und resümierte: “Der Corvair ist weder ein heftiger Übersteurer noch eine laute Maschine ... Zaubern können die Chevrolet-Ingenieure nicht, aber dass sie ausserordentlich tüchtig sind, das beweist schon die erste Bekanntschaft mit dem Corvair.

    Allerdings wurden bereits bei den ersten Testfahrten die Wichtigkeit des korrekten Reifendrucks (vorne 1.05 atü, hinten 1,8 atü) kommentiert. Tatsächlich konnte sich das Fahrverhalten bei falschem Druck drastisch verändern.

    Billig war der Corvair nicht, für den Gegenwert des günstigsten Viertürers erhielt man auch  einen Citroën DS, einen Mercedes-Benz 190 oder 2,5 VW Käfer.

    Über-Corvair

    Mit den ursprünglichen 80 SAE-PS gab man sich beim Chevrolet nicht zufrieden. Man erhöhte die Verdichtung und steigerte die Leistung mit herkömmlichen Mitteln bis auf 110 PS.

    Chevrolet Corvair Monza Spider Turbo (1962) - Blick in den Motorraum der Turbo-Variante
    © Archiv Automobil Revue

    1962 setzte man erstmals in der Serienproduktion mit dem Anbau eines Turboladers noch eins drauf, 150 PS waren nun im offenen Monza verfügbar, später wurden sogar 180 PS daraus! Nur, günstiger wurde der Wagen damit natürlich nicht.

    Rufmord

    Der Preis war aber nicht das grösste Problem des Chevrolet Corvairs. Ralph Nader, der es sich auf die Fahnen geschrieben hatte, die amerikanischen Konsumenten zu schützen, schickte den Wagen ins Off. In seinem Buch “Unsafe at any speed” (unsicher bei jeder Geschwindigkeit) geisselte er das Fahrverhalten des Heckmotor-Corvairs und versuchte zu beweisen, das die Chevrolet-Ingenieure entgegen besseren Wissens bei der Aufhängungskonstruktion gespart und damit zu viele Unfällen Vorschob geleistet hätten.

    Obschon spätere Untersuchungen bewiesen, dass der Corvair nicht gefährlicher gewesen war als andere damalige Autos, war der Ruf des Autos ruiniert, die Produktionszahlen sanken.

    Verbesserungen

    Chevrolet packte den Stier an den Hörnern und liess dem Corvair für das Baujahr 1965 eine komplette Modellpflege angedeihen. Dabei wurde nicht nur die Aussenhülle geglättet, sondern auch die Pendelachse durch eine an die Corvette angeglichene Einzelrad-Aufhängungskonstruktion mit Längslenkern und Doppelgelenkwellen angeglichen.

    Die sportlichen Varianten hiessen nun “Corsa”.

    Chevrolet Corvair Corsa Sport Coupe (1965) - mit vollständig überarbeitetem Styling
    © Zwischengas Archiv

    Obschon deutlich verbessert verkaufte sich die Corvair wegen Nader und den folgenden der negativen Propaganda ab 1965 nur noch schleppend. Dass sogar noch gefordert wurde, alle 600’000 in den USA verkehrenden Autos zurückzuziehen, halt sicher auch nicht im Markt. Und so zog Chevrolet 1969 nach 1’786’243 produzierten Exemplaren den Stecker.

    Porsche im Limousinenkleid?

    1962 aber, als der türkisfarbene offene Corvair Monza in Biel in der Schweiz - immerhin 13 Fabriken weltweit bauten den Corvair oder setzten ihn aus vorgefertigten Komponenten zusammen - montiert wurde, war die Welt des GM-Kompaktautos noch in Ordnung. Und der Besitzer freute sich sicher an seinem geräumigen Fünfplätzer-Cabriolet.

    Chevrolet Corvair Monza Convertible (1962) - nur rund 1,1 Tonnen schwer
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Über 50 Jahre später stellt der Corvair keinen Fahrer vor unlösbare Probleme. Der Zündschlüssel wird rechts vom Lenkrad gedreht und sofort erklingt vom Heck her ein Motorengeräusch, das durchaus grosse Ähnlichkeiten mit dem eines Porsche 911 aufweist, allerdings als gedämpfter und weniger kreischend empfunden wird.

    Auch die Schaltung mit den langen Übertragungswegen erinnert an Autos aus Wolfsburg oder Zuffenhausen. Nur die Sitzposition, die orientiert sich eindeutig an damaligen Limousinen und auch das Armaturenbrett und das Lenkrad mit dünnem Kranz sind typisch amerikanisch und wirken wenig sportlich.

    Chevrolet Corvair Monza Convertible (1962) - ein Bandtacho im frühen Corvair
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Lenkung geht auch ohne Servounterstützung leichtgängig, wirkt aber sehr indirekt, was ebenfalls besser zur einer Limousine als einem Sportwagen passt.

    Oder der Luxus-Käfer, den es nie gab?

    Man hat viel Platz im Corvair Monza, selbst hinten kann man recht kommod sitzen. Der Kofferraum fasst rund dreimal soviel Gepäck wie der eines zeitgenössischen Käfers. Der Corvair heizt mit Benzinzusatzheizung drehzahl- und lastunabhängig und offeriert gute Komforteigenschaften. Ja, vielleicht hätte ein Passat-Vorgänger damals aus VW-Sicht genauso aussehen müssen.

    Chevrolet Corvair Monza Convertible (1962) - auch hinten zwei doppelte Leuchten
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit zur Probefahrt im Chevrolet Corvair Monza Convertible von 1962.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    bs******:
    01.10.2015 (13:44)
    Das war jeweils eine richtige Mechanikerarbeit, den Motor dicht zu bekommen für die Prüfung auf dem Strassenverkehrsamt. Ich erinnere micht immer noch gerne an die Zeiten als unser Corvair Toni strahlte, wenn er einen Corvair reparieren durfte.
    br******:
    29.09.2015 (10:46)
    Ich kann mich sehr gut an die Corvair erinnern, denn in den 60er Jahren arbeitete ich in der General Motors Biel. Im Winter auf Schnee war es das Beste Fahrzeug der GM, denn im vorderen Kofferraum, genau hinter dem Frontblech mit den Scheinwerfern befindet sich eine kleine Vertiefung im Bodenblech. (Mulde)
    Von dieser Mulde machten wir eine Form und füllten diese mit Blei, gegossen aus alten Auswuchtgewichten. Sie wog 60kg. Mit dem Blei im Kofferraum und den Motor im Heck war das eine wahre Freude im Schnee zu fahren. GM hatte
    zu dieser Zeit noch keine 4x4 im Programm. An die Farbe Türkis wie abgebildet kann ich mich nicht erinnern.
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