Angebot eines Partners

Chenard & Walcker T3 - fahren wie vor 90 Jahren in Le Mans

Erstellt am 24. Oktober 2015
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
43
Michael Alschner 
1
Archiv 
4

Am 26. Mai 1923 starteten erstmals 33 Automobile zu den 24 Stunden von Le Mans, einem neu geschaffenen Langstreckenpokal für serienmässige Tourenwagen. Sieger wurde eine französische Marke, die heute fast nur noch Historikern bekannt ist: Chenard-Walcker. Dabei war diese Firma in den Zwanzigerjahren der viertgrösste Autohersteller Frankreichs!

Chenard & Walcker T3 (1924) - einen Dämpfer hatten die Autos 1923/1924 wohl noch nicht
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Sieg an den ersten 24 Stunden von Le Mans

Ausschliesslich Serienfahrzeuge waren bei den ersten 24 Stunden von Le Mans zugelassen, also solche, die den Beschreibungen im Verkaufskatalog des Herstellers entsprachen. Verschiedene Hubraumklassen mit entsprechenden Mindest-Distanzwerten waren vorgesehen. Pro Sitzplatz mussten 60 kg zugeladen werden, nur Autos mit weniger als 1100 cm3 Hubraum wurden zweisitzig zugelassen. Vorgeschrieben waren Tourenwagenaufbauten und Zubehör, wie es für den normalen Strassenverkehr auch vorgesehen war, also Kotflügel, Hupe, Lichtanlage, Windschutzscheibe, Rückspiegel und Faltdach, etc.

Chenard & Walcker setzte drei Dreiliter-Sportwagen mit rund 90 PS und obenliegender Nockenwelle ein. Gefahren wurden sie von André Lagache, René Léonard, Raoul Bachmann, Christian d’Auvergne sowie Fernand Bachmann und Raymond Glaszmann. Die Konkurrenz liess sich aber auch nicht lumpen und der Sieger hätte am Ende der 24 Stunden auch Bentley oder Bignan heissen können, doch diese Teams hatten Pech oder erlitten kleine Pannen.

Chenard & Walcker Le Mans Team 1923

So beendeten Lagache/Léonard die 24 Stunden als Sieger, gefolgt vom zweiten Chenard & Walcker mit Bachmann/d’Auvergne. Überraschend die Zuverlässigkeit der Autos, denn von 33 gestarteten Autos erreichten 30 das Ziel und dies trotz schlechten Wetterverhältnissen. Das Publikumsinteresse hielt sich in Grenzen, denn eine Langstreckenfahrt versprach zu wenig Spannung und so blieben viele an Hochgeschwindigkeitsrennen gewöhnte Zuschauer der Veranstaltung fern.

Das Triple

Eigentlich wollten die Organisatoren der 24 Stunden aber einen auf drei Jahre ausgerichteten Wettkampf, genannt “Rudge-Whitworth Triennial Cup” veranstalten, der von dem Team gewonnen wurde, das in drei aufeinanderfolgenden Durchführungen am besten abschnitt. Und dies waren dann wiederum die Chenard-Fahrer Rober Sénéchal/Aléric Loqueheux. Allerdings bestritten sie das Rennen von 1925 bereits im Chenard & Walcker Tank, einem kleinhubraumigen und hochgradig effizienten Wagen, der im selben Jahr auch die “Index of Performance” Wertung für sich entschied.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Bentley 4 1/4 M-Series James Young Brougham de Ville Einz...
Porsche 911 T Targa (1972)
Rolls Royce 20 HP H.J. Mulliner Weymann Sports Saloon in ...
Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 (1971)
+49 6737 31698 50
Undenheim, Deutschland

Erfolgreiche Marke

Just im Jahre 1900 gründeten Ernest Chenard und Henri Walcker in Asnières, nordwestlich von Paris, ihre Autofirma. Bereits 1901 konnten sie ihr erstes eigenes Automobil präsentieren. Von Anfang an zählten technische Raffinesse und Zuverlässigkeit zu den Markenattributen.

Chenard & Walcker T3 (1923) - mit Lagache Glaszmann Karosserie
Zwischengas Archiv

Die Wagen der Zwanzigerjahre

In den Zwanzigerjahren wurden die Autos von Chenard & Walcker zunehmend sportlicher, die Vierzylindermotoren mit obenliegender Nockenwelle und schräghängenden Ventilen galten als sehr drehfreudig und zuverlässig. Eine Besonderheit war der Königswellenantrieb der Nockenwelle.

Chenard & Walcker T3 (1924) - der Vierzylinder-Reihenmotor mit Königswellenantrieb für die obenliegende Nockenwelle
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Aufhängungstechnisch vertraute man wie die meisten anderen Autobauer in jener Zeit auf Starrachsen mit Blattfedern vorne und hinten, die an einem massiven Chassis befestigt waren.

Verschiedene Aufbauten erlaubten die Anpassung der Fahrzeug an die Anforderungen der Käufer. Zu diesem Zweck gab es auch zwei Radstände mit 283 und 306 cm. Der Zweiliter-Motor wies exakt 1974 cm3 mit 69.5mm Bohrung und 130 mm Hub auf.

Angebot eines Partners

Die Climax in Form des Typ X

Die Le-Mans-Erfolge zahlten sich für Chenard & Walcker auch im Verkauf aus und so entstand die Ambition, einen Supersportwagen zu bauen. Mit dem Typ X, vorgestellt auf dem Pariser Autosalon von 1923, präsentierte der französische Hersteller einen Achtzylinder-Sportwagen mit vier Litern Hubraum. Wiederum wurde die obenliegende Nockenwelle über eine Königswelle angetrieben.

In Le Mans aber scheiterte der neue Wagen mit Raoul und Ferdinand Bachmann am Steuer im Jahr 1924. Er fuhr zwar die schnellste Rennrunde mit einem Schnitt von 111,17 km/h, aber das Rennen war nach bereits 26 Runden wegen Überhitzung zu Ende. Der Sieg ging an den Bentley von Duff/Clement, die im Vorjahr Pech gehabt hatten.

Beste Platzierung war der vierte Rang für den bewährten Zweiliter-Chenard mit den Fahrern André Pisart und Joseph Chavée, die damit auch den Klassensieg holten.

Chenard & Walcker Tourisme (1923) - Die schnellere Variante vom Tourisme, nämlich der Sport, gewann die 24 Stunden von Le Mans im Jahr 1923 (im Bild die Nummer 11, Platz 7)
Zwischengas Archiv

Ein T3 von 1924

Jener Fernand Bachmann, der 1923 in Le Mans zusammen mit Raymond Glaszmann auf den siebten Gesamtrang fuhr im Chenard & Walcker mit der Startnummer 11 hatte einen Grossneffen, der viele Jahrzehnte später seinem Vorfahren nacheifern wollte und es sich als Ziel setzte, die Le Mans Classic wiederum mit einem Chenard & Walcker zu bestreiten.

Chenard & Walcker T3 (1924) - gefunden als Scheunenfund
Zwischengas Archiv

Er stiess auf einen Scheunenfund eines Zweiliter-T3 aus dem Jahr 1924 und liess diesen durch eine renommierte Restaurierungsfirma komplett neu aufbauen. Ausgerüstet mit einer eleganten und sportlichen Lagache Glaszmann Karosserie und der Nummer 11 auf der Motorhaube und dem Chenard-typischen ovalen Kühler nahm er tatsächlich 2010 an der Le Mans Classic teil.

Chenard & Walcker T3 (1924) - keine Türen für die hinteren Sitze
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Später gelangte der Wagen in die Schweiz, wurde in vielen Punkten perfektioniert und akribisch gewartet. Der Königswellen-Motor wurde aufwändig revidiert, wobei viele Teile neu hergestellt, also quasi rekonstruiert werden mussten.

Offener Tourer

Wie aber fährt sich ein enger Verwandter eines fast neunzigjährigen Le-Mans-Siegers? Zuerst steigt man auf den Fahrersitz hoch und geniesst die gute Übersicht. Gestartet wird per Knopfdruck und wenn die Unterdruckpumpe genug Treibstoff liefert, legt der Vierzylinder mit deutlichem Gerassel los. Das Vierganggetriebe verlangt nach Angewöhnung, denn die Gänge 1 und 2 sind rechts, während der 3. und 4. Gang in der linken Ebene zu finden sind. Zwischenkuppeln und Zwischengas sind für geräuscharme Gangwechsel zwingend nötig, aber abgesehen davon und den natürlich ordentlichen Bedienungskräften fährt sich der Chenard & Walcker ganz kommod.

Chenard & Walcker T3 (1924) - die Startnummer 11 ist auf dem Wagen geblieben
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das Gewicht reisst allerdings an den Armen und die dünnen Reifen sind nicht auf hohe Kurvengeschwindigkeiten ausgelegt. Die Trommelbremsen werden über Gestänge bedient und stoppen den schweren Wagen zuverlässig, Abstand zum (modernen) Vordermann ist aber unbedingt erforderlich, denn die Anhaltewege sind beträchtlich.

Chenard & Walcker T3 (1924) - der Arbeitsplatz für Le-Mans-Sieger
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wer es nicht schon vorher getan hat, bewundert nach einer Fahrt im Chenard & Walcker die Rennfahrer, die in 24 Stunden 2210 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 92 km/h zurücklegten und dies nicht auf gepflegtem Asphalt sondern auf Schotter, von damals umso mehr.

Und für PSA-Fahrer (also Peugeot oder Citroën) sei gesagt, dass vielleicht auch in ihrem Auto noch Gene von Chenard & Walcker zu finden sind, denn Peugeot kaufte Ende der Vierzigerjahre die Überbleibsel von Chenard & Walcker.

Der für diesen Artikel portraitierte Chenard & Walcker T3 von 1924 wurde uns von der Oldtimer Galerie Toffen für einen Bericht vermittelt. 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von giuse
06.04.2021 (15:36)
Antworten
Ich liebe Artikel über sportliche Autos der 20er Jahre, herzlichen Dank!
Kleine Frage: Fehlt dem Auto nicht das Verdeck? Wenn ich mich nicht irre, mussten in Le Mans damals sogar einige Runden mit dem montierten Verdeck gefahren werden.
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Angebote unserer Partner

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Angebot eines Partners
Angebot eines Partners

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 2,5 Millionen Seitenaufrufen pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...
Oha! Kostenlos Texte und Fotos sehen?
Einfach hier anmelden:
Neu hier?
1x kostenlos registrieren und dauerhaft Inhalte freischalten!