Bristol 401 Beutler - Schweizer Ponton-Cabriolet auf englischer Basis

Erstellt am 29. Mai 2015
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
40
Beat Leu (Oldtimer Galerie) 
3
Archiv 
26

Nach dem zweiten Weltkrieg kam die Autoproduktion nur zögerlich in Gang. Vielerorts wurde nach Vorkriegsrezepten aufgebaut, echte Neuerscheinungen waren die Ausnahme. Zu diesen gehören die Wagen der Marke Bristol. Sie gehörten der Spitzenklasse an, doch man konnte es noch exklusiver haben, indem man sich zum Beispiel eine individuelle Karosserie für ein Bristol-Fahrgestell anfertigen liess. Ein Beispiel dafür ist das Beutler Cabriolet auf Bristol 401 Basis aus dem Jahr 1951.


Bristol 401 Beutler Cabriolet (1951) - Frühlingsausfahrt im Beutler Cabriolet
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Made in Thun

1946 gründeten die Brüder Ernst und Fritz Beutler einen Karosseriebetrieb in Thun. Sie etablierten sich erfolgreich im Markt und bauten unter anderem auch einige der ersten Serien-Porsche 356. 1949 stellten sie eines dieser frühen 356 Cabriolets in Genf aus.

Im Jahr 1950 importierten sie ein Bristol-401-Fahrgestell und setzten eine Cabriolet-Karosserie aus Aluminium darauf. Dieses Auto zeigten die Brüder stolz auf dem Bristol-Stand am Genfer Automobilsalon des Jahres 1951.


Bristol 401 Beutler Cabriolet (1951) - dunkelblau metallic, auf dem Bristol-Stand am Genfer Autosalon 1951 noch vor der Eröffnung aufgenommen
Archiv Automobil Revue

Die Automobil Revue schrieb in ihrer Berichterstattung unter dem Titel “Die Pontonkarosserie auf dem Höhepunkt künstlerischer Entwicklung” im März 1951:
“Die Thuner Karosseriefirma Beutler zeigt auf dem Bristol-Stand ein dunkelblau metallisierend gehaltenes, reich geschmücktes Cabriolet.
Durch eine geschweifte Zierlinie, die vom Vorderkotflügel bis über den Hinterkotflügel verläuft, wird eine ausserordentlich elegante Linie erreicht. Das Kühlergesicht wurde, ebenfalls durch Ergänzung des BMW-Motivs durch horizontale Chromverzierungen gewonnen. Auf der Oberseite der Motorhaube befinden sich Lufteintrittsöffnungen für den Motor, während seitliche Chromornamente Einlassöffnungen für die Fahrzeugventilation verbergen.”


Bristol 401 Beutler Cabriolet (1951) - auf dem Bristol-Stand am Genfer Autosalon 1951 - 1203 kg schwer, 5,05 Meter lang, 1,70 Meter breit
Archiv Automobil Revue

Künstlerische Meisterleistung?

Man muss sich fragen, ob das Bristol Cabriolet wirklich ein glücklicher Wurf war. Allerdings machte es unter den anderen damals ausgestellten Sonderkarosserien, die ebenfalls der Pontonlinie verpflichtet waren, sicherlich keine schlechte Figur. Und einige der Grundmasse waren wohl auch durch das Bristol-401-Fahrgestell vorgegeben, welchem das Beutler-Cabriolet auch wesentliche Teile seines Interieurs verdankt.

Allerdings wurde schon damals die Coupé-Variante des Bristol 401 von Ghia-Aigle, ausgestellt auf dem Genfer Autosalon von 1953, von vielen Beobachtern als eleganter eingeschätzt.


Bristol 401 Ghia Aigle (1953) - sehr elegantes Coupé von Ghia-Aigle - am Automobilsalon in Genf 1953
Archiv Automobil Revue

Beutler baute im übrigen auch eine Hardtop-Coupévariante des Bristol 401, die von einem farblich abgesetzten Dach profitierte.


Bristol 401 Beutler (1952) - mit einer Coupé-Karosserie der Firma Beutler
Archiv Automobil Revue
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Durchdachte Basis

1949 hatte die englische Firma Bristol das Modell 401 mit Leichtmetallaufbau vorgestellt. Es war eine für die Zeit sehr fortschrittliche Konstruktion. Die Karosserie war nach der Superleggera-Bauart gefertigt, darunter verbarg sich ein Plattformrahmen mit Kastenträgern. Die Vorderräder wurden von oberen Dreieckslenkern und unteren Querblattfedern geführt, hinten tat eine Starrachse ihren Dienst. Als Coupé war der 401 4,83 Meter lang, 1,7 Meter breit und 1225 kg schwer.

Grösser und doch leichter?

Das Cabriolet von Beutler wies etwas grössere Überhänge auf und war damit bei identischer Breite rund 20 Zentimeter länger. Trotzdem deklarierten die Beutler-Brüder am Autosalon ein Gewicht von 1203 kg, also 20 kg Mindergewicht gegenüber dem kürzeren Werks-Coupé.


Bristol 401 Beutler Cabriolet (1951) - die geschwungene Linie läuft diametral zum Kotflügel
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Als Motor wurde der serienmässige Reihensechszylinder genutzt. Er schöpfte aus 1971 cm3 85 PS bei 4500 Umdrehungen. Das höchste Drehmoment betrug 148 Nm bei 3500 Umdrehungen. Das Grundesign des Motors stammte von BMW (u.a. 328) und kam sozusagen als Kriegsbeute nach England. Bei Bristol wurde der Motor mit drei Fallstromvergasern der Marke Solex mit Luft-Benzin-Gemisch versorgt.

Pfiffige Detaillösungen

Das Beutler-Cabriolet überzeugte einerseits durch die gesunde technische Basis von Bristol, andererseits durch intelligente Detaillösungen. Schon die Automobil Revue hob in der damaligen Berichterstattung unter anderem die innovative (und aufwändige) Sitzverstellung mittels gekerbtem Rad, Zahnstangenübertragung und Zahnstange hervor.


Bristol 401 Beutler Cabriolet (1951) - einfallsreicher Sitzmechanismus
Copyright / Fotograf: Beat Leu (Oldtimer Galerie)

Und wenn man sich diese Konstruktion im Detail anschaut, staunt man auch heute noch. Gleiches gilt für die ausgetüftelte Halterung der Motorhaube.

Gradlinige Geschichte

Nach seiner Präsentation in Genf wurde das Cabriolet an einen Fabrikanten in Wetzikon (ZH) verkauft und noch im selben Jahr erstmals für die Strasse zugelassen. Der Erstbesitzer verkaufte dann das Einzelstück an den Sammler Walter Grell, der es in den Siebzigerjahren weiterverkaufte. In den Achtzigerjahren wurde die Aluminium-Karosserie durch die Karosseriefirma Beutler aufwändig und teuer restauriert. Vermutlich war dies das letzte grosse Restaurierungsprojekt der Beutlers, denn hinterher musste die Firma aus finanziellen Gründen die Tore schliessen.

Einige Jahre später wechselte das Cabriolet erneut den Besitzer, 2009 wurde der Wagen vom letzten Besitzer an einer Versteigerung der Oldtimer Galerie gekauft. Seither begleitete der Wagen den Eigner auf unzähligen schönen Ausflügen.

Eher Tourer als Sportwagen

Man fühlt sich wohl im viersitzigen Cabriolet, auch wenn das Lenkrad herstellertypisch auf der rechten Seite sitzt. Aus hoher Warte sitzt man im etwas massig wirkenden Wagen, der seine inzwischen doch über 60 Jahre Konstruktion nicht verleugnen kann. Man sollte es also nicht zu schnell angehen.


Bristol 401 Beutler Cabriolet (1951) - vier Vorwärtsgänge wollen durchgeschaltet werden
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Fahrleistungen, die der schön klingende Sechszylinder ermöglicht, sind aber für ein Auto der Zeit vorzüglich und auch die Bremsen geben zu keinen Klagen Anlass. Vorne hat man viel Platz, hinten können ebenfalls zwei Personen einigermassen kommod sitzen.


Bristol 401 Beutler Cabriolet (1951) - 5,05 Meter lang und 1,7 Meter breit
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit zur Probefahrt im Bristol 401 Beutler von 1951.

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