Bitter Diplomat CD - Luxus-Reisecoupé aus den Siebzigerjahren für Anspruchsvolle

Erstellt am 8. Juni 2011
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv 
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Ein “Promischlitten” mit Maserati-Styling, so wurde er wohl in den Siebzigerjahren des öftern genannt. Aber damit tat man dem schönen Deutschen unrecht, denn Erich Bitter hatte mit dem Bitter Diplomat CD ein hochqualitatives “High End”-Reisecoupé auf die Beine gestellt.

Luxusfahrzeug für Reiche und Prominente

Bernhard Russi, der Skiabfahrts-Olympiasieger von Sapporo, fuhr einen, René Berthod auch, genauso wie Rosi Mittermaier. Aber nicht nur Skirennfahrer griffen zum luxuriösen Coupé von Erich Bitter, sondern auch Fussballer wie Paul Breitner und Udo Lattek, oder viele andere Prominente. Bernhard Russis Wagen war bordeaux-rot und sein beliebtestes Transportmittel vor seinen Subaru-Jahren. Gemäss einem AR-Bericht von März 1977 soll er sogar ein zweites Coupé bestellt haben. Und zum Auto konnten die wohlsituierten Fahrzeugbesitzer damals schon gepflegte Accessoires wie Herrenschmuckuhren, Tennisrackets, Rossignol-Skis oder Bally-Schuhe mit dem “B”-Signet kaufen.

Lange Entstehungsgeschichte

Der Bitter Diplomat CD hat seine Wurzeln im Prototyp Opel CD, gezeichnet durch Charles M. Jordan und präsentiert auf der Frankfurter IAA des Jahres 1969. Das Fahrzeug war aber weit futuristischer, als man es den damaligen Käufern zumuten konnte und Pietro Frua erhielt den Auftrag, auf der Opel-Diplomat-Mechanik ein markttaugliches Coupé zu entwickeln. Zwei Fahrzeuge wurden in kurzer Zeit gebaut in Italien. Das Opel-Werk entschied sich aber, eventuell gar unter Druck von der GM-Zentrale in Detroit, gegen eine Weiterführung des Projektes.

Die Ideen konnten aber vom deutschen Unternehmer Erich Bitter übernommen werden, der nach Versuchen, den Intermeccanica als Indra mit Opel-Mechanik auszurüsten und seinen Qualitätsmassstäben anzupassen, eine vollständig deutsche Produktion anstrebte und mit der Karosseriefirma Baur einig wurde, das Auto in deren Hallen bauen zu lassen.

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Grosserienkomponenten statt Exotik unter dem Blech

Ähnlich wie es Iso oder de Tomaso schon vor ihm getan hatten, war Erich Bitter überzeugt, mit robusten Grossserienkomponenten und einer eleganten Karosserie den besseren Mix anbieten zu können, als es die Exoten wie Maserati oder Ferrari schafften.

Der Motor - ein V8 mit 5,4 Liter  Hubraum -, Automatik-Gebriebe und Hinterachse des Opel Diplomat konnten als technische Grundlage von den wohlwollenden Rüsselsheimern übernommen werden, der Radstand wurde gegenüber der Limousine um 16 cm gekürzt.

Als Namensvorschläge wurden originelle Ideen wie “Tourissimo” eingebracht, schlussendlich entschied man sich aber für den Namens des Firmengründers, der Markenname Bitter war geboren. Von der Typenbezeichnung “Diplomat CD” wurde im Jahre 1978 das “Diplomat” weggelassen.

Ein richtiger Gran Turismo

Wer einen Sportwagen mit überschäumenden Fahrleistungen suchte, war beim Bitter Diplomat CD an der falschen Adresse. Die 10,3 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h und die Höchstgeschwindigkeit von 209,3 km/h, die von Auto Motor und Sport 1974 gemessen wurden, waren in der Preisklasse unterdurchschnittlich. Daran schuld war das hohe Fahrzeuggewicht von 1’750 kg und die beträchtlichen Dimensionen von 4.855 m Länge und 1,845 m Breite.

Immerhin empfand Klaus Westrup die Fahreigenschaften als sicher und den Fahrkomfort als gut. Die reichhaltige Ausstattung wurde gelobt. Qualitätsgefühl und Optik wurden als die grössten Vorzüge des Bitters beschrieben.

Ein Fahrzeug zum “cruisen” und für lange Strecken also, das sah auch die Automobil Revue so, die ihren Test mit folgenden Worten abschloss: “Wir haben den Bitter Diplomat CD als sehr angenehm zu handhabendes und sicheres Luxusgefährt kennengelernt. Es bildet eine gültige Alternative zu einer Reihe anderer, teils teurer und meist noch leistungsfähigerer Coupés. Dank seiner V-8-Motor/Automatikgetriebe-Antriebseinheit amerikanischer Bauart eignet es sich mechanisch durchaus für den täglichen Allround-Einsatz, wenn es seiner höchst gepflegten Aufmachung wegen hierzu auch zu schade ist.“

Luxus war nie billig

58’400 DM verlangte Erich Bitter für den Diplomat CD im Jahre 1974 in Deutschland, 69’300 Franken kostete das gute Stück in der Schweiz. Damit lag man zwar noch unter Edel-Exoten wie dem Maserati Indy, dem Monteverdi High Speed 375 L oder dem Lamborghini Jarama GT, aber gleichzeitig auch deutlich über einem Jensen Interceptor, einem Maserati Merak, einem Lamborghini Urraco, einem Porsche Carrera oder einem Mercedes-Benz 450 SLC. Extras wie Lederinterieur (3’400 Franken), Klimaanlage (3’000 Franken),  Metalliclack (1’030 Franken) oder Radioanlage Clarion mit 8-Spur-Stereo-Kassettengerät (1’000 Franken) konnten den Preis locker um weitere 10-20% nach oben drücken, der Testwagen der Automobil Revue jedenfalls kostete 77’730 Franken.
Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt war der Bitter beliebt und die Autos wurden nie billig gehandelt. Und auch den Übergang in die Klassikerphase schaffte der Diplomat CD problemlos.

Unterbewertete Rarität?

Nur 395 Fahrzeuge - die Energiekrise kam genau zum falschen Zeitpunkt - wurden von 1973 bis 1979 bei Baur gebaut, gut die Hälfte dürfte überlebt haben und wird von Sammlern und Liebhabern gepflegt und gehegt. Billig waren die Autos nie zu haben, gute Exemplare werden im Bereich von 20’000 bis 35’000 Franken (€ 20’000 bis 30’000) gehandelt. Im Vergleich zu anderen Klassikern aus der Zeit ist dies vergleichsweise günstig.

Mechanische Teile sind dank der Nähe zum Opel-Massenprodukt meist gut verfügbar und nicht allzu teuer, Karosserieteile und Glas allerdings können in der Beschaffung heikel sein.

Weitere Informationen

  • AR-Zeitung Nr. 1 / 1975 vom 02.Jan.1975 - ab Seite 13 - Test Bitter CD (ZQ)
  • Auto Motor und Sport, Heft 21, 1974: Edel Bitter - Test Bitter Diplomat CD
  • Motor Klassik Heft 2/2001, ab Seite 58: CD-Spieler
  • Oldtimer Markt, Heft 1/1996, ab Seite 8: Bitter Sport - Ami-Power und Italo-Look
  • Bitter-Club-Deutschland

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von kl******
18.01.2018 (14:05)
Antworten
Sehr schöner Artikel. Herr Frua hieß aber Pietro und nicht Piero ;-)
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
19.01.2018 (14:17)
unbedingt! Danke. Schon korrigiert.
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