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Bild (1/1): Belcar (1956) - wirkt ein wenig wie ein Boot in seiner zweifarbigen Lackierung (© Bruno von Rotz, 2016)
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    Belcar - der Kleinstwagen aus der Schweiz

    11. Dezember 2016
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
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    Mitte der Fünfzigerjahre war vor allem in Deutschland der Boom der Kleinstwagen im vollen Gange. Die kleinen Wägelchen, die ein Automobil zu (fast) den Kosten eines Motorrads versprachen, dabei Wetterschutz und Stauraum offerierten, erfreuten sich grosser Nachfrage und stillten die Bedürfnisse nach Mobilität im Nachkriegsjahrzehnt.

    Die Schweizer standen zwar dieser Miniaturwagenwelle weniger euphorisch gegenüber, doch auch hierzulande gab es viele Leute, die eine Alternative zum Zweirad suchten.  Bereits in den Vierzigerjahren hatte Josef Ganz mit Rapid einen Kleinstwagen lanciert, der es allerdings nicht über vier Dutzend Exemplare brachte, als die Produktion 1947 eingestellt wurde.

    Belcar (1956) - Motorhaube geöffnet
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Autobau am Zürichsee

    Im November 1955 berichtete die Automobil Revue über ein Kleinstwagenprojekt aus Wollerau am Ufer des Zürichsees. Bei der Firma A. Grünhut & Co sollte ein offenes Kunststoffauto namens Belcar entstehen. Sogar eine kurze Probefahrt konnte damals durchgeführt werden:

    “Unser erster Fahreindruck vom Belcar war der eines für ein so kleines Fahrzeug überdurchschnittlichen Federungskomforts. Dafür sind zweifellos die mit einer Dimension von 4.5-12 recht gross gewählten Räder und die progressive Wirkung sowie die Eigendämpfung der Rosta-Federung verantwortlich … Die durchgehende, mit Schaumgummi gepolsterte Sitzbank misst in der Breite 141 cm und lässt sich somit dadurch mit derjenigen manch grösserer Fahrzeuge vergleichen. Sie bietet zwei bis drei Personen Platz. Zweifellos ist bis zur Serienreife noch viel Kleinarbeit notwendig, doch dürfte der Belcar heute schon als solide Grundlage für die Weiterentwicklung angesehen werden.”

    Als mutmasslichen Preis wurde damals 3600 Franken genannt, die Serienversion für den Genfer Autosalon 1956 angekündigt.

    Präsentation am Genfer Salon 1956

    Auf einem übersichtlichen Stand wurde der sportliche Kleinstwagen nur wenige Monate später denn auch präsentiert.

    Belcar (1956) - gut gewählter Name für den aus zwei Kunststoffschalten zusammengebauten Wagen - Genfer Autosalon 1956
    © Archiv Automobil Revue

    Die Automobil Revue berichtete anlässlich des Genfer Autosalons im März 1956 darüber:

    “Bei diesem in Wollerau hergestellten Dreirad handelt es sich um eine unsern Lesern ebenfalls schon bekannte Konstruktion, welche im vergangenen Spätherbst ihre ersten Versuchsfahrten absolvierte. Inzwischen ist nun in Wollerau die Produktion angelaufen. Der Wagen hat noch verschiedene Änderungen erfahren. Die Sitzbank wurde auf das für drei Personen erforderliche Mass verbreitert, die Gummifederung ist momentan, bis neue Versuchsergebnisse vorliegen, durch Schraubenfedern mit Stossdämpfern ersetzt.

    Der Belcar-Konstrukteur hat für sein Fahrzeug die leichteste und am billigsten zu fabrizierende Karosserieform des offenen dreiplätzigen Roadsters mit Klappverdeck gewählt. Der

    Aufbau besteht aus zwei Schalenhälften aus Kunststoff, denen eine Rohrkonstruktion als Gerippe dient. Die Vorderräder sind an Längslenkern geführt und hinten ist eine Triebsatz-Schwinge vorhanden, die als Ganzes, samt dem 250-cm3-Zweitaktmotor und dem elektrisch geschalteten Ziehkeil-Getriebe von den Viktoria-Werken bezogen wird.

    Der Belcar überrascht durch sein sportliches Aussehen und die recht sorgfältige Fertigung der lebenswichtigen Teile.”

    Die Konkurrenten hiessen damals in der Schweiz Fuldamobil S4 (200 ccm, 10,5 PS, 3950 Franken), Heinkel (175 ccm, 9,5 PS, 3700 Franken), Messerschmitt KR 200 (200 ccm, 10 PS, 3185 Franken), BMW Isetta 250 (245 ccm, 12 PS, 3550 Franken), Goggomobil (293 ccm, 17 PS, 3800 Franken) oder Kleinschnittger 250C (245 ccm, 15 PS, 3900 Franken). Ein “richtiges” Auto wie der Renault 4 CV mit 21 PS kostete damals 4950 Franken, einen Fiat 600 gab es mit 21,5 PS für 4950 Franken, den Citroën 2 CV mit 12 PS konnte man sich für 4690 Franken erstehen. 

    Für 3580 Franken pries Grünhut schliesslich den sportlichen Belcar an, doch bis zur Serienreife waren viele konstruktive Eingriffe nötig, obschon man eigentlich in Wollerau ein komplettes Fahrzeug von Egon Brütsch lizenzieren wollte.

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    Egon Brütsch - der Prototypenbauer

    “Brütsch hat schon vieles gebaut - wenig davon ging in Serie. Man ist daher vorerst einmal skeptisch. Mit Fug und Recht.” So schrieb die Zeitschrift Auto-Markt in den Fünfzigerjahren über Egon Brütsch, den ewigen Protoypenbauer.

    Tatsächlich war Brütsch ein Besessener, hatte viele Ideen und setzte auch einige davon um, wenn er wieder einmal Kapital zur Verfügung hatte.
    Geboren wurde Egon im Jahr 1904 als Sohn eines Industriellen, bei Motorrad- und später Autorennen trat er mit teilweise selbst gebauten Fahrzeugen an.

    In den frühen Fünfzigerjahren erkannte er die Möglichkeiten im neuen Material GFK und begann Kleinstwagen damit zu entwickeln. Seine Entwürfe überzeugten und immer wieder fanden sich Lizenznehmer, die bereit waren für die Übernahme der Ideen Geld zu zahlen. Doch nicht immer zeigten sich die Prototypen ausgereift.

    Brütsch 200 (1955) - die Vorlage, noch ohne separates Stahl-Chassis
    © Copyright / Fotograf: Archiv Oliver Meier

    Während die ersten Brütsch 200 Fahrzeuge noch über einen massive Rahmen verfügten, wollte Brütsch bei den Produktionsfahrzeugen darauf verzichten und die Technik direkt in die selbstragende Kunststoffkarosserie einlaminieren. Prompt wurde ihm die Zulassung für diese Konstruktion in Deutschland verweigert.

    Neben dem Brütsch 200 entwickelte Egon unter anderem auch den Zwerg, einen offenen dreirädrigen Zweisitzer und die Mopetta, einen einsitzigen Dreirad mit 50-cm3-Moor, später kamen Rollera, Pfeil und V2 und andere dazu. Insgesamt dürften in den Fünfzigerjahren kaum 100 Fahrzeuge entstanden sein. Brütsch sattelte schliesslich auf Fertighäuser um und starb 1988.

    Die Entwicklung zum strassenfähigen Automobil

    Die Herren Gelles und Grünhut, die beiden Compagnons bei A. Grünhut & Co erkannten früh, dass der Brütsch 200, dessen tragende Struktur im Prinzip der Kunststoff-Unterbau war, einiges an Nacharbeit bedurfte. Dazu kam, dass Egon Brütsch den Prototyp für die Schweiz nicht liefern konnte oder wollte, was eine Bedingung für die erste Anzahlung von 12’000 DM auf die Lizenzgesamtsumme von DM 25’000 gewesen wäre.

    Also suchten sich Unternehmer neue Partner, entwickelten mit Hilfe von BASF und den angeheuerten Technikern eine neue Karosserie, die dem Brütsch 200 bis auf die Platzierung der Scheinwerfer stark ähnelte und setzten einen Gitterrohrrahmen darunter. Für das Fahrwerk wählten sie die Rusta-Gummifederung, die Räder waren alle einzeln aufgehängt. Die Zahnstangen-Lenkung kam von ZF, gebremst hydraulisch.
    Waren die ersten Belcar-Prototypen noch 146 Zentimeter breit, wuchs die Karosserie in der Folge auf 156 Zentimeter Breite, um mehr Platz für drei Passagiere nebeneinander zu erhalten. Mit einer Länge von 3,4 Meter war der Belcar zwar kompakt, aber nicht wirklich klein.

    Belcar (1956) - der Sachs-Einzylindermotor
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Angedacht war der Einbau des Victoria-250-cm3-Motors mit elektromagnetischer Schaltung, doch die ersten Exemplare wurden alle mit dem Fichtel & Sachs Motor ausgerüstet, wie er auch im Messerschmitt KR 200 zu finden war. Dies bedeutete 191 cm3 und 10,2 PS. Wie beim Brütsch 200 war der Motor vor der Hinterachse eingebaut und trieb das einzelne Hinterrad an.

    Rund 350 kg wog ein Belcar, als Gesamtgewicht waren 600 kg erlaubt. Der kleine Wagen war mit einem Wendekreis von 8,7 Meter überaus wendig und mit einem Verbrauch von ungefähr 4,5 Litern pro 100 km relativ sparsam. Als Höchstgeschwindigkeit wurden im Verkaufsprospekt 85 km/h genannt.

    Bonhams

    Der Anfang vom Ende

    Der Firma Belcar, Grünhut und Co, so wurde die Firma inzwischen genannt, gelang es mit dem mehrfach modifizierten Roadster, erfolgreich die Schweizer Typenprüfung zu bestehen, die Genehmigung datiert vom 31. Oktober 1956. Es wurden Material und Teile für 50 Fahrzeuge bestellt. Hergestellt sollten die Wagen im Untergeschoss des Verenahofs in Wollerau werden. Der Plan vom Fichtel & Sachs Motor auf den Victoria-Antrieb zu wechseln, mussten die Unternehmer aber trotz erfolgreichen Testfahrten aufgeben, denn inzwischen waren die Victora-Werke ja mit dem Spatz, einem weiteren Brütsch-200-Derivat in direkte Konkurrenz zum Belcar getreten.

    Zusätzliche Schwierigkeiten entstanden, weil die Banken nicht mehr bereit waren, weiteres Geld vorzuschiessen. In der Not versuchte Grünhut, in Los Angeles Investoren und Vertriebspartner zu finden. Dazu liess er einen Belcar mit der Swissair - als erstes Auto überhaupt - in die USA fliegen. Trotz viel Begeisterung und Vorschusslorbeeren wurden aber nichts aus diesem Plan B und so gaben die Belcar-Gründer schliesslich auf.

    Einer von sieben

    Gebaut wurden nach aktuellen Informationen vermutlich sieben Belcar-Modelle, die sich alle im Detail unterschieden. Sie wurden teilweise sogar verkauft und ein Exemplar (Chassis 1006) fuhr wohl eine Zeit lang mit Genfer Nummernschildern durch die Gegend, während ein anderer Roadster in die Deutschschweiz eingelöst wurde. Hier handelt es sich um Chassis 1003.

    Belcar (1956) - im Jahr 1964 mit Genfer Zulassung
    © Copyright / Fotograf: Archiv Oliver Meier

    1959 übernahm eine Dame aus Winterthur den weiss-roten Roadster. Sie nutzte ihn beruflich und fuhr um die 100’000 Kilometer damit. Den Motor revidierte sie selber und als eine Reparatur der vorderen Aufhängen anstand, griff sie als Novizin sogar selber zum Schweissbrenner.

    Belcar (1956) - am Lenkrad von 1003 sitzt M. Goldschmied
    © Copyright / Fotograf: Archiv Oliver Meier

    In den Sechzigerjahren kaufte ein Schweizer Ehepaar den Occasions-Kleinstwagen, weil sie ihn mit dem Motorradführerschein fahren konnten.

    Bei einer Urlaubsreise nach den Niederlanden versagte der Wagen mit einem angeblichen Motorschaden seinen Dienst, eine Reparatur erschien zu teuer und so wurde er dort zurückgelassen. Der Belcar Nummer 1003 wechselte dann noch zweimal den Besitzer und kam schliesslich in den Besitz eines Sammlers, der ihn bis weit ins neue Jahrtausend behielt, bis das Auto zurück in die Schweiz und zum Kleinstwagenfreund Oliver Meier fand, der den Belcar sanft renovierte, ohne die Patina der inzwischen 60-jährigen Karosserie zu zerstören.

    Richtig sexy

    Wenn der Belcar vorfährt, denken die einen Leute zuerst, es handle sich um einen Rennwagen, was wohl der aufgemalten Startnummer zu verdanken ist. Andere fragen, ob es sich um einen Messerschmitt handle, aber so richtig einordnen kann den Wagen niemand.

    Belcar (1956) - mit 60 km/h ist man schon recht flott unterwegs
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Auffallen tut er aber immer, selbst wenig auto-freundliche Menschen drehen den Kopf danach, das Interesse der Passanten am Ufer des Zürichsees war gross und mancher wollte wissen, ob das ein Amphibienfahrzeug sei, hat der Wagenkörper doch etwas bootshaftes an sich. “Nein, schwimmen kann er nicht”, gibt Meier dann jeweils zur Auskunft.

    Belcar (1956) - scheint hinten zu schweben, aber dies ist eine optische Täuschung, weil man das Hinterrad nicht sieht
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Dass der Belcar schon 60 Jahre alt sei, können viele Leute kaum glauben. Und so langsam, wie der kleine Einzylindermotor erwarten liesse, ist der das kleine Auto gar nicht. Im Stadtverkehr und auch auf der Landstrasse hält er munter mit und zaubert den Beobachtern ein Lächeln aufs Gesicht.

    Belcar (1956) - rustikales Cockpit
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Schön, dass der wohl einzige überlebende Belcar den Weg zurück in die Schweiz gefunden hat!

    Wir danken Oliver Meier für die Unterstützung dieses Berichts.

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    la******:
    29.03.2017 (21:33)
    Patina--Das ist jetzt wohl das neue Wort für Schäbigkeit.Alles klar.
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