BMW 750i gegen 730i – mehr oder weniger BMW

Erstellt am 13. Januar 2021
, Leselänge 7min
Text:
Sven Jürisch
Fotos:
Pavel Pac 
42

Ein Abend wie so viele. Der Finger rauscht über das Tablet, in den Internetbörsen lauert die Versuchung. Auch wenn in der heimischen Garage seit einiger Zeit der Traumwagen der Jugend steht, lockt doch die Versuchung nach dem Anderen. Sei es, weil der angekündigte Bonus der Firma oder der Mitnahmegewinn am Depot noch nicht verplant wurde oder weil schlicht die Sehnsucht nach Veränderung besteht. Was liegt also näher, als sich endlich den Oldie in Vollausstattung zu gönnen? Gerade bei Youngtimern ein erstrebenswertes Ziel. Einmal die Topversion mit allen Knöpfen sein Eigen nennen, den Chefwagen, nicht mehr den des Angestellten.


BMW 750i E32 (1990) - Alltagsauto für den Chef vor dem letzten Wagen des kleinen Mannes
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Damals, als man den inzwischen zum selbstverständlichen Freund eingestuften Traum der Jugend kaufte, erklärte man Freunden wortreich warum man sich mit dem bescheidenen Grundmodell zufrieden gab. „Die Ausstattung ist mir nicht so wichtig, geht eh nur alles kaputt“, lauteten die den Kauf der preiswerteren Alternative rechtfertigenden Argumente, auch wenn man eigentlich schon damals lieber das Topmodell einkaufen wollte.

Beim Essen kommt der Appetit

Doch nun, nachdem man die Scene erobert hat und in Foren und auf Treffen immer weder mit dem Vollausstatter in Spitzenmotorisierung konfrontiert wird, keimt der Wunsch nach dem Aufstieg auf. Da, wo die Mittel kein Problem sind, kommt es dann auch schnell zum Wechsel. Lieblos wird der Einstiegsoldie verstoßen und sich blind der schön geschminkten Nachfolgerin an den Hals geschmissen. Doch der schale Beigeschmack läßt nicht lange auf sich warten. Den ersten, den ohne Extras, ohne Image und mit der Aura des Studentenautos kaufte man mit dem Herzen, mit dem ersten sauer verdienten Geld, wahlweise auch mit der ersten Frau. Allen Nachfolgern haftet schnell etwas Künstliches an. Gekauft wie gesehen, doch die Gefühle haben Schweigepflicht. Und das bleibt meistens auch so, denn Knöpfe machen manchmal Kummer und aufwendige High-Tech-Motoren plündern ziemlich rasant die Altersvorsorge.


BMW 750i E32 (1990) - Kopf an Kopf zwischen dem V12 und dem Sechszylinder
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Weniger könnte also mehr sein. Um das zu überprüfen stellen wir zwei BMW Siebener der Baureihe E32 nebeneinander. Ab 1987 konnten BMW-Kunden den ersten deutschen Nachkriegszwölfzylinder im Siebener ordern. Der 750i ist heute erfreulich günstig und meist mit Extras vollgestopft. Kann da ein 730i mit Kassengestellausstatung überhaupt noch mithalten? Der Basissiebener punktet in unserem Fall schon mal auf dem Papier mit einer speziellen Aura. Einst von Schreinermeister Gunther Z. geordert, ist er der Inbegriff des teuren Wagens für den kleinen Mann. Man wollte sich nochmal was gönnen, zur Rente und als Belohnung für die harten Jahre. Doch nicht verschwenderisch. Kleiner Motor, kein elektronischer Schnickschnack, nur ein Automatikgetriebe und Metallic-Lackierung in Luxorbeige (Code 219). Das sollte reichen. Die anderen Köstlichkeiten der BMW Sonderausstattungsliste schienen überflüssig. Das der rechte Aussenspiegel ebenfalls fehlte, ärgerte Gunther Z. noch Jahre später und war später immer wieder Stoff für erboste Diskussionen am Stammtisch über die Aufpreispolitik von BMW.


BMW 730i E32 (1987) - Dick und dicker
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Trotzdem freute sich Gunther Z über seinen letzten neuen BMW, pflegte und putzte ihn, spendierte sogar noch ein Zubehörradio (er hatte nur Radiovorbereitung bestellt) und Lammfellsitze aus der Lüneburger Heide für die empfindlichen Velourssitze im Farbton Havanna. Die Beziehung Mensch Maschine war geglückt.

Wenige Wochen später lieferte der BMW Händler am Ort die ersten drei 750i an eine Investmentfirma aus. Mit einmal allem, in schwarz metallic und doch irgendwie farblos. Lieblos bestellte Leasingautos halt. Ausser Maschinenwäsche und Tanken kam den Topmodellen dann auch keine besondere Zuneigung zuteil. Nach drei Jahren war das Leasing ausgelaufen und die Flotte zog weiter, bis zur fünften oder sechsten Hand. Da war Gunther Z. gerade zum achten Mal bei seinem Stamm-BMW-Meister zum Service vorgefahren und hatte den luxorbeige farbenen Lack mal wieder mit Hartwachs massiert.

Luxus reizt

Heute, knapp 30 Jahre später, steht man vor beiden Autos und greift unweigerlich zum dicken Klappholz der Infrarotfernbedienung des 750i. Im 730i muss man sich mit dem Einfachschlüssel aus dem Standard PKW-Programm begnügen. Immerhin weißt einem eine integrierte Lampe den Weg zum Schloß. Die Zentralverriegelung des V12 schnalzt dagegen auf 10 Metern Entfernung auf und lässig klappt man den Schlüsselbart in das Plastikgehäuse zurück. Das war 1987 eine echte Ansage, derentwegen BMW vermutlich das Klappholz auch extra dick konstruierte. Schließlich sollte jeder am Tisch sehen, welchen Wagen man sein Eigen nannte. 


BMW 750i E32 (1990) - Sportlenkrad und Leder überall beim 750i
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Bei der Begeisterung ist aber nicht zu verschweigen, dass bereits dieses High-Tech-Feature Kummer bereitet. Das Klappholz fällt 30 Jahre später auseinander, die Synchronisierung der Anlage ist bis heute ein Abenteuer geblieben und Neuteile gibt es ebenso wenig, wie Menschen, die die komplexe Elektronik noch reparieren können. Der Nutzen? Nun ja, wenn es funktioniert, ist es immerhin ein Wow-Effekt.

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Luxus kommt von leise

Unbestritten ist, Ledersitze und die anderen Nettigkeiten im Wert eines Kleinwagens machen aus dem BMW 750i ein Erlebnis. Da, wo im 730i offensichtlich das Ambiente von Schöner Wohnen der Achtziger herrscht, punktet der Zwölfzylinder mit dem Businesscharme eines Fünf-Sterne-Hotels. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Viele der Annehmlichkeiten braucht man kaum und das damals sündhaft teure Leder schafft in dem etwas klapprig verarbeitetem Innenraum des BMW E 32 eine eher knarzige, denn knautschige Atmosphäre. Jeder Bodenwelle folgt eine akustische Rückmeldung und wenn gar die serienmäßige Niveauregulierung an der Hinterachse des BMW 750i defekt ist, wird es dank nicht mehr vorhandener Federung noch schlimmer.


BMW 730i E32 (1987) - Spartanisch im Vergleich zum 750i
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Der herkömmlich gefederte 730i ist da charmanter. Auf Omas Velourssesseln und mit unzerstörbarer Standardabstimmung gleitet der hochflanking bereifte Einstiegssiebner über jeden Kanaldeckel. Keine Frage, in Sachen Optik ist das Basisauto tragisch, aber in Sachen Komfort ist er der wahre Luxusliner. Oder, wie es ein bekannter ehemaliger Vorstandsvorsitzender eines niedersächsischen Automobilunternehmens sagen würde: Da scheppert nichts.

Luxus steht für Leistung

Ist das Thema Ausstattung noch frei diskutierbar, dürfte doch in Sachen Antrieb alles für das Topmodell sprechen, oder? Nicht unbedingt, denn wer BMW-Gene sucht, wird eher im 730i fündig. Der M30 Sechszylindermotor reißt mit den 188 PS in der schweren Limousine zwar keine Bäume aus, doch der sonore Sound passt perfekt und so lahm ist das Auto trotz der Automatik auch nicht. Dazu kommt die unbestreitbare Wartungsfreundlichkeit. Im großen Motorraum des E32 wirkt das schlanke Aggregat etwas verloren. Egal, was zu reparieren ist, man kommt gut an. Ersatzteile sind dank großer Verbreitung des Antriebs preiswert und Spezialwerkzeug braucht man auch keines. Oldtimerherz was willst du mehr. Bleibt das etwas mäßige Erlebnis in Sachen Dynamik.


BMW 750i E32 (1990) - Der erste Nachkriegszwölfzylinder von BMW
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Aber muss ein 30 Jahre alter Siebener mit jedem Polo GTI mithalten? Ein Erlebnis, dass auch der 750i nicht bieten kann. Sein V12 ist eher der Langstreckenmotor, denn Sprinter. Stadtverkehr quittiert er mit horrendem Verbrauch und spürbar unausgeglichener Thermik, aber auf der Autobahn ist er der perfekte Partner. Bis etwas kaputt geht. Zündkerzen kann man nur mit Gelenkfingern wechseln, die Hitze in dem vollgestopften Motorraum gart die teure Elektronik und wenn irgendwo eine Dichtung aufgibt, muss der Zwölfender ausgebaut werden. In der Zeit fährt der Reihensechser lustig schnatternd die nächsten 5000 Kilometer.

Luxus lässt das Konto leiden

Ist der Zwölfzylinder also eine verbotene Frucht, deren ungezügelten Genuß man bereut? Nein, denn sein Flair entschädigt für alles. Das spezielle Anlassgeräusch, dieses säuselnde Abfahren bis hin zum genußvollen Hochdrehen mit dem turbinenartigen Schub sind der Reiz, der die zusätzliche Investition im Unterhalt lohnt. Die dezente Differenzierung des Topmodells von dem Rest der Baureihe sorgt dann für den Rest. Denn, dass dieser BMW einen Zwölfzylinder hat, kann er trotz der minimalen optischen Änderungen an der Karosserie kaum verbergen.


BMW 750i E32 (1990) - Mehrspeichen-Design bei den Felgen
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Bleibt die Gretchenfrage, ob die nackte Basisversion nicht auch reicht, denn eine Klimaanlage, die nicht vorhanden ist, ist immer noch besser, als eine, die kaputt ist. Der V12-Motor nutzt wenig, wenn wegen fehlender Wartung kaum eine Fahrt ohne Panne möglich ist und jede Reparatur das Budget bis an die Grenzen ausreizt. Dann macht der Ausflug in die Welt des Luxus des kleinen Mannes möglicherweise mehr Spaß, wie in die bisweilen fremde Welt der oberen Zehntausend, in der vierstellige Reparaturrechnungen kaum für Aufmerksamkeit sorgen. Entscheidet man sich für einmal alles, muss das Budget heute so wie damals dafür ausgelegt sein, sonst ist eben am Ende mehr weniger.


BMW 750i E32 (1990) - Apero am V12
Copyright / Fotograf: Pavel Pac

Technischer Vergleich

  730i 750i
Hersteller BMW AG, München BMW AG, München
Modell / Ausführung 730i 750i
Karosserie 4-türige Limousine, 5 Plätze      4-türige Limousine, 5 Plätze     
Motor (Benzin/Diesel)                  R6 (Sechszylinder) vorn, ohc, Einbaulage längs, V12 (Zwölfzylinder) vorn, ohc, Einbaulage längs,
Hubraum (ccm) 2986 4988
Leistung (PS) 188 bei 5800/min 300 bei 5200/min
Drehmoment (Nm) 260 bei 4000/min 450 bei 4100/min
Getriebe 5-Gang manuell, optional Automatik 4-Gang Automatik
Antrieb Hinterrad Hinterrad
Fahrwerk vorn Doppelgelenk Federbein-Vorderachse, Querlenker, Schraubenfedern, Querstabilisator Doppelgelenk Federbein-Vorderachse, Querlenker, Schraubenfedern, Querstabilisator
Fahrwerk hinten Schraublenker- Hinterachse, Schraubenfedern, Querstabilisator Schraublenker- Hinterachse, Schraubenfedern, Querstabilisator
Reifen / Felgen 205/65 R 15 auf 6,5 J x 15 225/60 ZR 15 auf 7 J x 15
Bremsen v/h Scheibe (innenbelüftet) / Scheibe Scheibe (innenbelüftet) / Scheibe
0-100 km/h (Sek.)                           9,3                7,4
Vmax (km/h)                                     222 250
LxBxH (mm)                                       4910 x 1854 x 1411 4910 x 1854 x 1411
Gewicht leer (kg)                             1600 1780
Verbrauch (l/100 km)                    11,1 13,9   
Bauzeit (Baureihe oder Modell)                                     1986 - 1994        1987 - 1994       
Stückzahl (Baureihe oder Modell)       k.A. 15363
Neupreis (DM) 83'500 (1992) 121'000 (1992)
Neupreis (CHF) 48'800 (1987) 104'100 (1990)

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von hinti.org
13.01.2021 (20:53)
Antworten
Guter, wohlüberlegter Bericht! Ich tendiere eher zum Basismodell, v.a. wegen dem Wartungsaspekt und dem deutlich erhöhten Ausfallpotenzial der vielen Gadgets. Die Höchstleistung verlangt man einem Veteranenfahrzeug ohnehin kaum jemals ab, und das Prestige ist dann ja doch hauptsächlich eine Frage der äusserlichen Optik.
Mit meinem BMW 735i E23, also dem Vorgängermodell, bin ich jedenfalls seit 16 Jahren zufrieden, auch wenn weder Ledersitze noch Klimaanlage an Bord sind. Klar wäre ein 745i für eine kurze Ausfahrt mal reizvoll, aber besitzen muss ich sowas nicht unbedingt...
von yu******
13.01.2021 (20:55)
Antworten
Wie immer gilt: Luxus muss man sich leisten können. Denn wenn die Folgen des Wartungsstaus beim vermeintlichen Schnäppchen zuschlagen, verliert man am wenigsten Geld, wenn sich jemand findet, der den Wagen so wie er ist als Teileträger brauchen kann.
von po******
14.01.2021 (09:27)
Antworten
Tolle Sprache in diesem Artikel und spannendes Thema. Ich habe mich bei meinem Oldie von Mercedes für das kompliziertere Topmodell entschieden (560 SL von 1988) und das bis jetzt nicht bereut, hoffen wir mal das Beste.
von Ri******
17.01.2021 (05:23)
Antworten
Mein Vater kaufte 1989 einen neuen 730 i Handschalter ohne Klimaanlage (aus Klimaschutzgründen, genau gesagt wegen des Ozonlochs), aber mit ansonsten reichlich Sonderausstattungen. Schiebedach, Skisack, Vollstereo, ASC+T u.v.m, und in der Prospektfarbe delphingrau metallic.

Ich durfte häufig mit dem BMW fahren, ein unglaublich harmonisches, stimmiges Auto. Nie wieder habe ich eine so feine Lenkung erlebt, und so eine geniale Kombination von Handlichkeit, Federungskomfort und Fahrsicherheit. Mein Onkel fuhr zur gleichen Zeit Mercedes W126 - im Vergleich zum BMW ein grauenvolles Auto, wenngleich vom Design auch sehr elegant.
Der BMW war von Ercole Spada gezeichnet und ist bis heute für mich eines der schönsten Autos überhaupt - neben Jaguar XJ6 Serie 1 und Lancia Gamma Coupe.
Erstaunlich der Verbrauch des 730i - mein Vater und ich machten uns einen Spass aus Verbrauchswettbewerben - man konnte bei Landstrasse 120 und Autobahn 150 auf 8 Liter kommen, trotz Dreiwege-Kat.

Dazu der seidenweiche, drehmomentstarke Motor und ein Traum von einem Handschaltgetriebe - offensichtlich von Getrag.

Hin und wieder sieht man alte Herren im E32 mit altem Kennzeichen - offensichtlich Erstbesitzer. Man sollte sich auf die Suche nach einem schönen E32 machen...
von mi******
19.01.2021 (06:41)
Antworten
@po******

Der wohl eigens für den US-Markt und Japan entwickelte 560er ist ein unkomplizierter V8, keine Diva. Also keine Angst.
Im 107er macht er allerdings wenig her. Hier ist der seidenweichen Sechszylinder M103 (300 SL) für mich erste Wahl, gefolgt vom sportlichen 280 SL - selbstverständlich mit Handschaltung, wie es sich für einen Roadster aus dieser Ära gehört.
von sa******
19.01.2021 (07:15)
Antworten
Sehr guter Artikel der die Unterschiede deutlich zeigt. Die 6 Zylinder Version ist im Vergleich zum 12 er problemlos wobei man allerdings darauf achten muss, dass auch die vergleichsweise geringere Elektronik komplett funktioniert.
Wie so haeufig ist weniger of mehr.
von mi******
19.01.2021 (07:29)
Antworten
Genau diese Überlegungen, die im Artikel beschrieben sind, waren für mich der Anlass, einen SL 320 mit relativ wenig Extras zu kaufen. Frei nach dem Motto, was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen. Trotzdem ist noch genügend vorhanden, das kaputt gehen kann :-). Dazu fährt man jedoch auch einen Old- / Youngtimer. Es muss ja immer etwas zu schrauben geben.
von ba******
19.01.2021 (08:37)
Antworten
Noch Heute ist dieser wunderschöne 730i mein Traumauto, der E32 bleibt der schönste BMW je gebaut
von Ru******
19.01.2021 (09:32)
Antworten
Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte! Warum geben Sie in der Tabelle die Fahrleistungen des 730i Schalter an, wenn es denn im Artikel ein 730i Automatik ist? Ein schwerer E32 als 730i Automatik ist nichts weiter als nur enttäuschend für seine Bauära. 10,8 sek. sind nicht besser als sein Opa E3 als 2500 mit 150 PS oder langsamer als der im Vergleich altmodische 5er E28 als 525i mit 150 PS. BMW konnte nie gute Automatiken bauen, wahnsinnig ineffizient, komisch reagierend beim Gasgeben, Verbrauch völlig nach oben treibend, ganz anders als Mercedes-Benz, wo es genau anders herum war, sie konnten nie gute Schaltgetriebe bauen.

Ein 735i mit Schaltgetriebe fährt dermaßen erheblich besser als ein 730i Automatik und ist dabei kein bißchen anspruchsvoller als dieser, daß er eben die Wahrheit in der Mitte ist. Und ab Bj. ´91 übrigens gerne mit Klimaanlage, denn da wurde sie mit 134a FCKW-frei (man kann die alten Anlagen auch selbstverständlich umrüsten!). Der E32 hat bereits eine so moderne Form mit sehr geneigten Scheiben, daß eine Klima quasi zwingend bei ihm ist. Auch ein 8-Zyl. 740i wäre möglich, jedenfalls wäre auch er mit lieber als der zu schwere 12-Zyl..

Daß der E32 der erste Oberklasse-BMW war, der der S-Klasse von MB den Rang ablief, das kann man heute noch nachvollziehen. Was für eine elegante Form mit dauerhafter Gültigkeit. Schade, daß es heutzutage nicht mehr viele E32 auf den Straßen zu sehen gibt, er ist fast schon eine Rarität. Daß der E34 5er BMW zwei Jahre später dem E32 sehr ähnlich war, das kommt dem sportlichen BMW-Fahrer sehr entgegen, denn so mancher benötigt gar keinen sehr großen 7er, lebt mit einem E34 den gleichen Stil und hat bei gleichem Motor die besseren Fahrleistungen. Sie sind bei BMW immer ein Thema. Aber die Eleganz des E32 hat auch der E34 letztlich nicht ganz, Länge läuft....
von pe******
19.01.2021 (10:27)
Antworten
Ich kann mich dem nur anschliessen - auch für mich ist der E32 der schönste BMW aller Zeiten, zumindest jedoch in einer Liga mit dem E9. In jedem Fall aber ist der E32 meiner Meinung nach das in Relation zu seiner Zeit beste Auto überhaupt. Solch einen gewaltigen Vorsprung gegenüber sämtlichen Konkurrenten bei der Summe aller Eigenschaften hat für mich kein anderes Fahrzeug jemals mehr erreichen können. Und ich verfüge mit inzwischen 77 Autos, die ich im Laufe der letzten 22 Jahre besessen habe, durchaus über einen profunden Einblick in sowohl die Konkurrenz als auch die Nachfolger und Schwestern-Modelle des seligen 7er E32. Nicht umsonst waren gleich 5 verschiedene E32 darunter - querbeet von 730i bis 750iL. Das beste Gesamtpaket bietet klar der 740i, obgleich der 735i mit seinem herrlichen Reihen-Sechser fraglos die klassischere Wahl ist. Auch ich plädiere dafür, bei den 6-Zylindern der Handschaltung den Vorzug zu geben, da man nur so den Qualitäten der Motoren wirklich gerecht werden kann. So oder so ein vorzügliches Fahrzeug - ganz egal mit welcher Motorisierung oder Ausstattung!
Antwort von ru******
20.01.2021 (14:44)
Vielen Dank für Ihre Bestätigung! Ihren letzten Satz allerdings kann ich im Zusammenhang der Ausführungen über den deutlich zu lahmen 730i Automatik nicht nachvollziehen. Es ist eben nicht egal, denn wenn ich außer gemütlich keine weiteren Ansprüche habe, dann kaufe ich gleich einen richtigen Oldie aus den 70er Jahren, wie z.B. die MB S-Klasse W116 als 280 SE. Das, was der BMW E32 für die späteren 80er war, war der MB W116 für die frühen 70er, beide für sich gesehen in ihrer Ära unübertroffen. Ich mag beide süddeutsche Firmen, vielleicht, weil ich genau aus dem Raum zwischen BMW und MB, sprich Augsburg, herkomme?
von to******
19.01.2021 (11:37)
Antworten
Ich fuhr einen 735i und 2 Stk. 750er E32 mit Allem in jener Zeit. Keine Probleme, keine Reparaturen. Nur Freude am Fahren! Die wohl sportlichste (750i) Limousine die man in dieser Zeit fahren konnte! Als dann nach dem E34 (von dem ich auch den 750i hatte) ein BMW Designchef namens Chris Bangle jegliche BMW-typische Form zerstörte, ging dann auch meine BMW Ära zu ende. Schade drum!
von wu******
19.01.2021 (11:56)
Antworten
Ein Kompliment dem Verfasser dieses Artikels!
Wie recht er bei der Beschreibung des V 12 - Motors hat. Mein 850 i ist ein toller Reisewagen und macht auch grundsätzlich keine großen Probleme, aber ohne einen guten und günstigen Schrauber um die Ecke wäre manches nicht mehr bezahlbar...
Habe meinen 735 i 2007 mit 200000 km auf dem Tacho abgestellt. Er sprang nach 12 Jahren Standzeit mit neuer Batterie und neuem Sprit beim ersten Schlüsseldreh an (das gute alte Eisenschwein!!) und lief nach Austausch der Flüssigkeiten und ganz kleinen Restaurationen mit neuem H-Kennzeichen problemlos 800 km am Stück in seine neue Heimat nach Kärnten....
von la******
19.01.2021 (17:20)
Antworten
Einen Siebner-BMW als "Auto des kleinen Mannes" zu bezeichnen, klingt schon etwas, hmm, überheblich und war sicher damals nicht zutreffend. Für die Kleineren gab es die 5er Reihe, und für die noch Kleineren (alles in Bezug auf den Geldbeutel) dann den 3er. Aber ein 7er mit Automat war nie und nimmer ein Auto für die armen Leute. Okay, ich fuhr damals auch den einfacheren 6-Zylinder-Siebner (und fühlte mich schon rein von den Dimensionen her wie ein "King of the Road"), aber immerhin sprang er immer an. Im Gegensatz zum 750i eines Bekannten von mir. Jedesmal, wenn er nach ein paar Tagen im Ausland am Flughafen sein Auto wieder abholen wollte, meist spätabends, war die Batterie flach. Zu viele Motoren und Motörchen und Elektronik, die auch im Stillstand Strom frassen. BWM wusste auf wiederholte Reklamationen keinen anderen Ausweg, als unter der hinteren Sitzbank einfach eine zweite Batterie einzubauen - als Garantieleistung!
von ha******
19.01.2021 (20:01)
Antworten
Fahre einen 88er 730i Schalter, seit Beginn an in Familienbesitz und jeder Kilometer ist nach wie vor ein Hochgenuss. Freude am Fahren in Reinkultur. Wie schrieben viele Gazetten damals: "Der schönste Jaguar, den BMW jemals gebaut hat". Gleiches gilt ohne Zweifel auch noch für den E38, danach war's mit der Eleganz leider vorbei.
von Cardillac
19.01.2021 (20:26)
Antworten
Grosses Kompliment zu diesem wirklich sehr lesenswerten Text!

Zumal die Klassik-Publizistik heute allzu oft nach den PR-Pfeifen der Autohersteller und ihrer Klassik-Abteilungen tanzt...
von Felix Kaiser
20.01.2021 (19:48)
Antworten
Fahre selbst einen 750i wie hier im Bericht auch in Diamantschwarz. Das Fahrzeug ist nach wie vor ein glanzvoller Oberklasse Wagen. Was hier angesprochen wird finde ich sehr wichtig es gibt kaum noch Mechaniker die sich mit dem 750i e32 auskennen. Die doch recht komplexe Technik mit den zwei Motorsteuer Geräten überfordert oft oder allein schon ein Zündkerzenwechsel ist bei dem v12 kein Kinderspiel. Tatsächlich habe ich mir nun das Wissen selbst angeeignet an diesem Fahrzeug zu arbeiten, denn man findet immer wieder gebrauchte 750i für keines Geld die durch falsche Reparaturen zu teuren Groschengräbern geworden sind.
Schade finde ich das nicht erwähnt wurde das der 750i das Welt erste Fahrzeug war das man mit Xenon Licht ordern konnte.
von cl******
20.01.2021 (22:12)
Antworten
Recht sachlich gehaltene Gegenüberstellung - gut gemacht! In meinem Fall ist es zwar der Wettbewerber, aber ich habe lange nach einem historisch einwandfreien Audi V8 gesucht. Anfangs habe ich auch noch nach Vollausstattung Ausschau gehalten. Leider sind die Oberklassefahrzeuge aber nicht immer der Ausstattung entsprechend gewartet worden. Ich habe mich letztlich für einen Scheckheft - gepflegten V8 mit Basisausstattung entschieden und bin hoch zufrieden! Das Fahrgefühl vermittelt der "nackte" Audi ebenso gut, wie die "Exklusiv" Modelle und optisch ist der Wagen auch in schlichtem Weiß wirklich ansehnlich. Für mich muss es jedenfalls nicht unbedingt das Topmodell sein. Die Fahrfreude ist subjektiv nicht geringer, die wartungskosten aber schon:-)
Wünsche allzeit schönes Reisen!
von 12******
21.01.2021 (18:52)
Antworten
Ein sehr schöner Artikel, der genau die Gefühlsgemengelage widerspiegelt, wenn man sich entscheiden soll zwischen Volle Hütte und Buchhalterausstattung.
Beim vorgestellten E32 käme ja noch als goldene Mitte die später angebotenen 740i mit V8 Maschine in Frage: In der Leistung dicht beim Zwölfender und immerhin 4 Zylinder günstiger im Unterhalt. Da ist dann vielleicht noch ein E30 als 318 Cabrio für die Gemahlin drin.
Ich hatte seinerzeit das Vergnügen, den 750iL kreuz und quer durch Deutschland über die Autobahnen zu jagen. Handling und Leistung erlaubten einen Fahrstil, wie ich ihn sonst nur im Fiat Uno Turbo im Stadtverkehr pflegte. Gut. Heute bin ich reifer und würde ruhiger unterwegs sein. Oder nur das klare Design des E32 von Claus Luthe bewundern im Straßencafé sitzend, den Gardasee im Hintergrund.
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