BMW 633 CSi - Thank You for the Music und Money, Money, Money

Erstellt am 3. Januar 2018
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Scott Pattenden - Courtesy RM/Sotheby's 
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Owner/Besitzer - Courtesy RM/Sotheby's 
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Archiv 
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Dass sich Björn Ulvaeus und Benny Andersson für einen BMW 633 CSi entschieden im Jahr 1977, ist sicherlich kein Zufall. Die beiden, die zusammen mit  Agnetha Fältskog und Anni-Frid Lyngstad die überaus erfolgreiche Popgruppe Abba bildeten, wählten eines der besten Coupés der Siebzigerjahre, das durchaus auch vier Personen Platz bot und dabei noch reichlich Gepäck aufnehmen konnte.


BMW 633 CSi (1977) - Björn Ulvaeus (rechts) zusammen mit den übrigen Abba-Bandmitgliedern Agnetha, Anni-Frid und Benny vor dem eleganten Coupé
Copyright / Fotograf: Owner/Besitzer - Courtesy RM/Sotheby's

Leisten konnten sie sich das Auto sicherlich, schliesslich stand Abba auf dem Erfolgszenith, die Alben wurden mit Gold und Platin ausgezeichnet, die Singles stürmten die Hitparaden.

Mamma Mia (1975)

Am am 15. Oktober 1975 rollten die ersten beiden Serienfahrzeuge der Baureihe E24, je ein 630 CS und ein 633 CSi vom Band, die offizielle Präsentation aber erfolgte am Genfer Autosalon im März 1976.


BMW 630 CS (1976) - Debüt des neuen Frontmotor-Coupés mit Dreiliter-Vergaser- und 3,3-Liter-Einspritzmotor - Genfer Autosalon 1976
Archiv Automobil Revue

Der Beginn der Entwicklungsarbeiten war bereits fünf Jahre vorher, also sogar noch vor der Präsentation des Vorgängers 3.0 CS (E9). Von jenem wurde auch einiges von der Technik und der Radstand übernommen, gleichzeitig stand aber auch die 5-er-Reihe (E12) Pate.

That's Me (1976)

Im Bug arbeiteten die bekannten Motoren aus dem BMW-Bauprogramm. Da war einerseits der mit Solex-Vergasern ausgerüstete Dreiliter-Reihensechszylinder und andererseits der mit einer Bosch-L-Jetronic auf 200 PS gebrachten 3205 cm3 grossen Motoren-Variante, die zwischen 2000 und 5750 Umdrehungen immer mindestens 85% des maximalen Drehmoments (284,5 Nm) lieferte.


BMW 633 CSi (1977) - Bosch-L-Jetronic als Einspritzung des Reihensechszylindermotors
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy RM/Sotheby's

Das Fahrwerk wurde gegenüber dem Vorgänger verbessert, basierte aber weiterhin auf Querlenkern vorne und Längslenkern hinten. Vier Scheibenbremsen waren standardmässig an Bord.

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The Name of the Game (1977)

Eigentlich hätte der 633 CSi ja aufgrund des Hubraums 632 CSi heissen sollen, aber dies wollte man wohl aus marketingseitigen Überlegungen nicht, schliesslich sollte der Wagen ja das BMW-Topmodell sein.


BMW 633 CSi (1978) - erhältlich auch als 630 CS
Archiv Automobil Revue

Preislich siedelte man den 633 CSi bei DM 43’100 oder CHF 47’700 an, der Vergaser-630 war rund drei Tausender günstiger. Die Serienausstattung war umfangreich, Aluräder waren genauso inbegriffen wie ledereingefasste Sitze, Lederlenkrad oder elektrische Fensterheber hinten.

Knowing Me, Knowing You (1976)

Es war das BMW-eigene Designer-Team rund um Paul Bracq, das dem E24-Coupé seine Gestalt gab. Das Ergebnis kam beim Publikum hervorragend an.


BMW 630 CS (1976) - Vieraugengesicht
Archiv Automobil Revue

Bei einem unveränderten Radstand (262,5 cm) gegenüber dem Vorgänger war die Aussenlänge auf 475,5 cm angewachsen, die Breite betrug 172,5 cm, die Höhe 136,5 cm. Mit diesen Grundmassen liess sich eine attraktive Grundlinie finden, die durch fast drei Quadratmeter Glasfläche (7% mehr als beim Vorgänger) auch einen sehr hellen Innenraum ermöglichte.


BMW 630 CS (1976) - Heckansicht der Vergaserversion
Archiv Automobil Revue

Auch aerodynamisch überzeugte die Coupé-Form mit einem cw-Wert von 0.40. Noch besser schnitt sie beider Torsionsfestigkeit ab, die um 31% respektive 69% besser war (je nach Betrachtungswinkel) als beim Vorgänger. Die Knautschzonen wurden (nicht zuletzt durch den grossen vorderen Überhang von rund 100 cm) verbessert und auch die Überrollfestigkeit stieg dank eingebautem Überrollbügel. Massive Stossfänger mit Gummielementen verhinderten zusammen it den seitlichen ebenfalls gummi-beschichteten Zierleisten grössere Folgen bei harmlosen Remplern.

Take a Chance on Me (1977)

Auch innen präsentierte sich das Coupé neu und modern. Dank gewachsener Aussenmasse konnte auch den Passagieren zusätzlicher Raum geboten werden. Der Fahrer erhielt ein modernes Cockpit, die Besatzung aufwändig gepolsterte Sitze und für das Gepäck standen 413 Liter Stauvolumen im Kofferraum zur Verfügung.


BMW 630 CS (1976) - Tacho im Zentrum, Drehzahlmesser rechts
Archiv Automobil Revue

Neu war die “Check Control”-Einrichtung. Durch Druck auf den Test-Knopf konnte mit sieben Kontrollleuchten jeweils die Motoröl-, Kühlwasser-, Bremsflüssigkeit- und Wischwasserniveaus überwacht werden sowie Bremsbelagverschleiss, Bremslicht und Rücklicht kontrolliert werden.


BMW 630 CS (1976) - Check-Control erste Variante
Archiv Automobil Revue

Thank You for the Music (1977)

Natürlich liessen es sich die führenden Autozeitschriften nicht nehmen, das neue BMW-Coupé in die Mangel zu nehmen. Und sie kamen eigentlich einvernehmlich zu positiven Schlussfolgerungen, nämlich dass der BMW viele Qualitäten für das investierte Geld böte. Die Automobil Revue fasste dies so zusammen: “Es klingt paradox. Mit dem, was der 633 CSi bietet, gehört er zu den preis- wertesten Wagen dieser hohen Klasse, obwohl er angesichts seines Preises für die meisten ein Traumauto bleibt.”


BMW 633 CSI (1981) - macht auch im Winter Freude
Archiv Automobil Revue

Tatsächlich kostete die Konkurrenz mehr und bot aber höchstens vergleichbares: Ein Mercedes-Benz 450 SLC etwa stand mit DM 47’263 (CHF 64’500) in der Preisliste, ein Bitter Diplomat CD kostete CHF 69’800, ein De Tomaso Longchamp CHF 64’500. Bezüglich Fahrleistungen und Komfort konnte das BMW-Coupé da durchaus mithalten.

Für den Spurt von 0 bis 100 km/h nahm sich der immerhin 1,5 Tonnen schwere BMW 633 CSi 1976 exakt acht Sekunden Zeit, als Spitze notierte Auto Motor und Sport 215,6 km/h. Der Testwagen der Automobil Revue beschleunigte etwa gemächlicher (8,4 Sekunden), lief dafür aber sogar 217 km/h. Und war dabei auch noch mustergültig sparsam, denn als Durchschnittsverbrauch notierten die AR-Tester 13,3 Liter pro 100 km, während die offenbar sportlicher fahrenden AMS-Redakteure immerhin 16 Liter pro 100 km verbrannten.

Bei diesen Spitzenleistungen verhielt sich der Reihensechszylinder sehr gesittet und überzeugte mit einem “sympathischen Sound”. Nur einen etwas holprigen Leerlauf notierten die AR-Tester als Kritik.

Dancing Queen (1976)

Von einem “mustergültigen Fahrverhalten” sprach die AR, ein “Fahrwerk vom Besten” untertitelte Klaus Westrup für AMS. Tatsächlich zeigten sich die Testfahrer von der Fahrdynamik begeistert.


BMW 633 CSI (1982) - dieses Coupé hätte damals mancher gerne in seine Hauseinfahrt gestellt
Archiv Automobil Revue

“Das aktuelle Modell übertrifft den gut liegenden Vorläufer in den Disziplinen Kurvenverhalten und Geradeauslauf noch, wobei sich der größere Gewinn in einem Plus an Fahrstabilität in Kurven zeigt. Tatsächlich zählt der 633 CSi in seiner Fähigkeit, sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten bei weitgehend neutralem Fahrverhalten zu ermöglichen , mit zum Besten, was diesbezüglich zu haben ist. Zu einer Mühe wird solches Schnellsein in keiner Weise; die exakte und feinfühlige Servolenkung (serienmässig) läßt das Handling auch dann noch zum Speil werden, wenn die Reifen schon schwarze Striche zu ziehen beginnen”, fasste Klaus Westrup seine Eindrücke zusammen.

Ein paar Minuspunkte fanden die Redakteure dann doch noch: Die Platzverhältnisse im Fond hätten sie sich weniger eng gewünscht und gegen die starke Hitze bei Sonneneinstrahlung kam die Lüftung nicht an. Letzteres Problem konnte man mit der aufpreispflichtigen Klimanlage, die es zusammen mit einer Wärmeschutzverglasung für CHF 3280 gab, lösen.

Why Did It Have to Be Me? (1976)

Dass sich die Abba-Sänger Björn Ulvaeus und Benny Andersson ob der genannten Qualitäten also für das 633 CSI Coupé in Polaris Silber begeistern konnten, ist verständlich, obwohl das Geld sicherlich auch für Exoten aus Italien oder Grossbritannien gereicht hätte.


BMW 633 CSi (1977) - natürlich handgeschaltet
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy RM/Sotheby's

Sie setzten den Wagen, der sie auf den europäischen Konzerten begleitete, jeweils für Ausflüge und Besorgungen ein. Nach dem Verkauf gelangte der Wagen ins Ausland, wurde aber 2008 wieder nach Schweden reimportiert.


BMW 633 CSi (1977) - Blick in den für ein Coupé überdurchschnittlich grossen Kofferraum
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy RM/Sotheby's

Move On (1977)

Die Geschichte des 6-er-Coupés der Baureihe E24 endete natürlich nicht mit den Modellen 633 CSi und 630 CS. Schon 1978 schob BMW den 635 CSi nach, der den 633 mittelfristig ersetzte. Anstelle des 630 CS wurde 1979 der 628 CSi ins Modellprogramm aufgenommen.

1982 wurde das elegante Coupé einer umfassenden Modellpflege, die sich sowohl auf das Äussere, als auch das Interieur und die Technik auswirkte, unterzogen.

1984 kam dann noch der M635 CSi mit dem Motor aus dem M1 dazu, 1987 wurde die ganze Baureihe nochmals geliftet, um dann schliesslich

1989 nach 86’ 219 produzierten Fahrzeugen durch das grössere 8-er Coupé (Baureihe E31) beerbt zu werden.

Money, Money, Money (1976)

Das Abba-Coupé hat, anders als viele der frühen BMW 6-er-Coupés, überlebt. Die bei Karmann gefertigten Karosserie litten bis 1982 unter erheblichen Rostproblemen.


BMW 633 CSi (1977) - grosse Glasflächen
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy RM/Sotheby's

Mit knapp über 200’000 km auf dem Tacho soll der 633 CSi jetzt an der RM/Sotheby’s-Versteigerung in Paris am 7. Februar 2018 einen neuen Besitzer finden. Geschätzt wurden EUR 25’000 bis 35’000, angeboten wird das Coupé ohne Mindestpreis.

Weitere Informationen

Anmerkung: Die Zwischentitel dieses Artikels sind jeweils Songs von Abba. Das Jahr in Klammer gibt an, wann der Song veröffentlicht wurde.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Ru******
09.01.2018 (13:55)
Antworten
Solch ein 6er Coupé spiegelt exakt die Arbeit und die Leistung von ABBA wider, das ist wohl kein Zufall. Perfekt komponiert und arrangiert, dabei nie zu dick aufgetragen, perfekte Stimmführung und niemals schreihalsig. Das alles kann man von beiden behaupten, von ABBA und vom 6er BMW. Das einzige was man ihm vorwerfen muß, ist seine karosserieseitige Geschlossenheit. Die hinteren Fenster sind nur einige Zentimer nach unten zu fahren und das SSD ist dazu auch noch ziemlich klein ausgefallen. Da ist dann die Gattung "halboffenes Hardtopcoupé" des Vorgängers doch was ganz anderes. Weil ich diese Gattung absolut bevorzuge und mir der 2800/3,0 CS letztlich doch zu hart federt, fahre ich einen 450 SLC mit großem SSD, perfektem Komfort und V8. Verbrauch ca. 180 Liter im Jahr....
von fr******
09.01.2018 (09:30)
Antworten
Wunderschöner Wagen, schöner Bericht. War der 6er nicht der erste Wagen, der damals die bronzefarben-getönten Scheiben populär machte, die zwar wohl keine Temperatur-absorbierende Wirkung hatte, dafür aber die Insassen nicht so "käsig" aussehen ließ wie bei grün getönten Scheiben?
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