Aston Martin DBS - nicht nur für Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät

Erstellt am 28. Januar 2019
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bonhams 
25
Laurent Missbauer 
8
United Artists 
4
Anne Dayer 
2
Archiv Aston Martin 
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Archiv 
19

Zeitlos elegant, weitgehend ausgereift und in nur geringen Stückzahlen gebaut musste der Aston Martin DBS mit dem Sechszylindermotor lange auf die Anerkennung durch die Sammler warten, stand er doch immer etwas im Schatten der DB4- bis DB6-Modelle. Dabei spielte er doch sogar in einem James-Bond-Film eine wichtige Rolle.


Aston Martin DBS Vantage (1968) - das Design stammt von William Towns, der auch den Lagonda Viertürer zeichnete
Copyright / Fotograf: Bonhams

Im zweiten Anlauf

Als Mitte der Sechzigerjahre der DB6 langsam in die Jahre kam und damit auch die Sportwagenfirma Aston Martin in Bedrängnis brachte, sannen David Brown und seine Leute nach Abhilfe.


Aston Martin DB 6 (1968) - der Vorgänger des DBS
Archiv Automobil Revue

Man liess sich bei Touring einen möglichen Nachfolger für den DB6 entwickeln. Das Ergebnis wurde 1966 in Turin gezeigt und hatte durchaus seine Stärken, doch zuhause bei Aston Martin war man schon einen Schritt weiter.


Aston Martin DBS Touring (1966) - nur zwei Exemplare entstanden von diesem zweisitzigen Prototyp
Archiv Automobil Revue

Der Gestalter William Towns war zwar ursprünglich nur als Sitzdesigner von Rootes/Rover zu Aston gewechselt, doch als er die Touring-Entwürfe sah, zeichnete er sogleich Gegenentwürfe. Dabei entstanden Skizzen für einen Viertürer sowie einen Zweitürer mit zwei oder vier Sitzen, die auch den in Entwicklung begriffenen V8-Motor aufnehmen konnte. David Brown zeigte sich begeistert und so entschloss man sich, als Nachfolger des DB6 den viersitzigen Zweitürer zu bauen.


Aston Martin DBS (1969) - elegantes Design von William Towns
Archiv Automobil Revue

Das Aluminiumkleid von Towns wirkte modern und gradlinig, war 15 cm breiter als der DB6, aber etwas kürzer und niedriger. MIRA-Windkanalversuche zeigten geringe Luftwiderstandsbeiwerte auch ohne Heckabrisskante. Auto Motor und Sport kommentierte anlässlich der Präsentation: “Nach dem die Mailänder Karosseriefirma Touring, von der bisher die Aston Martin-Maßanzüge stammten, pleite gegangen ist, standen die Briten vor der Aufgabe, selbst eine Karosserie zu entwerfen und zu bauen. Man muß ihnen bescheinigen, daß gleich der erste Versuch über Erwarten gut gelungen ist.”

Innovation unter dem Alublech

Eigentlich war der DBS, der 1967 in Paris erstmals gezeigt wurde, ja für den in Entwicklung begriffenen V8-Motor konzipiert worden, daher auch die grössere Breite. Alleine, der neue Motor war Ende 1967 noch nicht produktionsreif und so setzte man halt den bekannten Reihensechszylinder aus dem DB6 in Normal- und Vantage-Spezifikation in den breiten Bug. Auch so konnten 286, respektive 330 DIN-PS an die Hinterachse gesandt werden.


Aston Martin DBS (1968) - Durchsichtszeichnung des Sechszylindermodelles
Archiv Automobil Revue

Komplett neu war hingegen die Hinterachse, die nach dem DeDion-Prinzip konstruiert war, während vorne Dreiecksquerlenker für die Radführung sorgten. Gebremst wurde natürlich über Scheibenbremsen, die hinteren waren innenliegend montiert.

Durch ein Zurückversetzen des Motors konnte die Gewichtsverteilung gegenüber dem DB6 optimiert werden, als Leergewicht versprach Aston Martin rund 1600 kg und damit nur 35 kg mehr als beim DB6.

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Aston Martin DB2 Vantage DHC LHD (1954)
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Für anspruchsvolle Geniesser mit grosser Geldbörse

Allerdings kostete der DBS mit £ 4473 fast 35 Prozent mehr als der DB6 und auch in den Auslandsmärkten wollte die aufwändige Konstruktion bezahlt werden. 63’750 Franken etwa waren in der Schweiz fällig, ähnlich viel wie für einen Zwölfzylinder-Ferrari oder einen Achtzylinder-Maserati anzulegen waren.


Aston Martin DBS Vantage (1968) - Leder und hochflorige Teppiche waren Teil des Pakets
Copyright / Fotograf: Bonhams

Immerhin wurde den Käufern etwas geboten, wie die Automobil Revue anlässlich der Vorstellung im September 1967 beschrieb:
“Beim neuen DB S handelt es sich um den luxuriösesten jemals von Aston Martin gebauten Wagen. Vorderfauteuils als auch Bedienungsorgane bzw. deren Anordnung wurden entsprechend den Körpermassen einer Anzahl von Aston-Martin-Fahrern spezifiziert. Das ausfahrbare Lenkrad mit Holzkranz, die verstellbaren Fahrpedale sowie die vorderen Liegesitze mit rund 20 cm Verstellbereich gestatten eine Anpassung an die individuellen Fahrerwünsche. … Die rückwärtigen Fauteuils – durch eine abklappbare Mittelarmlehne getrennt – weisen leicht gerundete Sitzkissen und Lehnen auf. Besondere Aufmerksamkeit wurde den Bedienungsorganen geschenkt. So erfolgt nun die Betätigung der Frischluft-Heizanlage nur noch durch einen einzigen Hebel. Die reiche Innenausstattung aus echtem Leder, dickflorige Bodenteppiche, eine aufklappbare Fussstütze auf der Beifahrerseite, Zweistufen-Scheiben- wischer mit elektrischer Dusche, gefärbtes Glas, Heckscheibenheizung, ein Relais, das die Lichtintensität der Blinker am Tag und während der Nacht den Erfordernissen anpasst, Warnleuchten in den Türen usw. untermalen den luxuriösen Charakter dieses Hochleistungs-Reisewagens.”


Aston Martin DBS (1968) - Zusammenbau in der Fabrik
Archiv Automobil Revue

Und obwohl man bei Aston Martin optimistisch war, immerhin hatte man 1967 die 200 Arbeiten, die man 1966 entlassen musste, wieder eingestellt, was den Personalbestand nun wieder auf 850 Arbeiter und Angestellte hochschnellen liess, entwickelten sich die Verkäufe nur zögerlich, zumal der DB6 parallel weiterhin angeboten wurde. Die angestrebten 1000 Wagen pro Jahr jedenfalls liessen sich nicht realisieren.

Im Dienste ihrer Majestät

Als die James-Bond-Filmemacher 1968 nach einen modernen Auto für ihren Leinwandagenten, erstmals gespielt von George Lazenby suchten, wurden sie bei Aston Martin fündig. Bond bewegte also einen DBS Vantage in einigen Szenen von “Im Geheimdienst Ihrer Majestät”. Lazenby trat nur in diesem einen Bond-Film auf. Als ehemaliger Automechaniker und Autoverkäufer erkannte er natürlich auch die Schwächen des Films.


Aston Martin DBS (1968) im James-Bond-Film "Im Geheimdienst ihrer Majestät" im Jahr 1969
Copyright / Fotograf: United Artists

So hört man etwa Reifenquietschen, als der DBS in einer frühen Szene am Strand von Tracy gestohlen wird. Besonders witzig ist allerdings Bonds Spruch “das wäre dem anderen nicht passiert”, der ironisch auf seinen Vorgänger Sean Connery Bezug nimmt.

Der DBS selber hatte im Film mit Ausnahme eines Gewehrfachs keine besonderen Filmgadgets vorzuweisen und war auch nur in wenigen Szenen zu sehen. Dabei allerdings war die Schlussszene, als der frisch mit Tracy verheiratete Bond in die Flitterwochen aufbricht. Bei einem kurzen Marschhalt wird dann Bonds Frau ermordet.


James Bond trauert um seine Frau Tracy (George Lazen mit Diana Riggs Hand
Copyright / Fotograf: Laurent Missbauer

Der Lazenby-Bond gilt als wenig erfolgreich, tatsächlich aber spielte damals kein anderer Film in den USA am ersten Tag mehr Geld ein als dieser Streifen.

Auf den Verkaufserfolg des DBS wirkte sich der Filmerfolg allerdings kaum aus. Er blieb als Sechszylinder eine Randerscheinung.

Der V8 kam doch noch

Ein stärker Motor tat also not, vorgestellt wurde der DBS V8 dann bereits 1969. So ganz bereit war er allerdings noch nicht, ausgeliefert wurden die ersten Exemplare dann im Jahr 1970. Optisch waren die Unterschiede gering, leistungsmässig und vor allem bezüglich Drehmoment war der Abstand deutlicher. Die letzten Sechszylinder wurden allerdings noch bis ins Jahr 1972 verkauft.


Aston Martin DBS V8 (1969) - der mächtige V8-Motor mit vier obenliegenden Nockenwellen
Archiv Automobil Revue

Das Ende des DBS kam allerdings deutlich später, nämlich 1989, als der letzte Abkömmling aus der Produktion genommen wurde. DBS hiessen die Autos allerdings schon lange zuvor nicht mehr, denn nicht nur hatte David Brown Aston Martin 1972 (für 100 £) verkauft, auch sein Kürzel “DB” überlebte ihn nicht.

Selten geblieben

Gerade einmal 787 Sechszylinder-DBS sollen gebaut worden sein (andere Quellen nennen 829). Überlebt haben dürften sicherlich 2/3 von ihnen. Sie sind heute zunehmend beliebte Klassiker, denn die damals als breit und massig empfundenen Coupés sind gut gealtert und wirken schon fast kompakt mit ihrer Länge von 458 cm bei einer Breite von 183 cm.


Aston Martin DBS Vantage (1968) - schlichte Eleganz
Copyright / Fotograf: Bonhams

Wertmässig liegt der DBS allerdings immer noch klar unter den DB4-6-Modellen, eine Restaurierung geht allerdings genauso ins Geld wie bei den Vorgängern. Da kommen schnell einmal Tausende von Stunden und sechsstellige Rechnungssummen zusammen …

Einer von 63

Eine besonders seltene Variante des DBS ist der linksgelenkte Vantage, von dem nur 63 Exemplare gebaut worden sind. Bonhams kann im Grand Palais in Paris am 7. Februar 2019 ein derartiges Fahrzeug mit Chassisnummer DBS/5110/L anbieten. Der Wagen wurde neu nach Frankreich ausgeliefert, als in “Aegean Blue” lackiertes handgeschaltetes Coupé mit einem dunkelblauen Interieur.


Aston Martin DBS Vantage (1968) - oppulente Rückbank
Copyright / Fotograf: Bonhams

Jetzt soll der Wagen EUR 180’000 bis 240’000 wert sein, was angesichts der Rechnungen aus den letzten drei Jahren mit einem Total von über EUR 60’000 durchaus in Ordnung gehen könnte.

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