Am Lenkrad des Mustangs von Bertone - mehr Sportwagen und Eleganz

Erstellt am 29. Juli 2012
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv 
6

Die hundertste Bertone-Sonderkarosserie sollte etwas Besonderes werden. Im Jahr 1965 gab der Herausgeber der vierteljährlich erscheinenden amerikanischen Buchreihe “Automobile Quarterly” bei Bertone einen besonderen Ford Mustang in Auftrag. Präsentiert wurde das elegante Fahrzeug an der New York Autoshow im selben Jahr.

Stephen F. Wilder von der Zeitschrift "Road & Track" war einer der wenigen, der den Wagen probefahren durfte. Seine Impressionen und Fahreindrücke, erschienen in der Januar-Nummer des Jahres 1966, sollen hier nochmals ausschnittsweise wiedergegeben werden.

Am Anfang war es ein roter Serien-Mustang

Als ausserordentlich unüblich beschrieb Wilder damals die Tatsache, dass ein Auto-Zeitschriften-/Buchverleger den Bau eines Fahrzeugs in Auftrag gab. Scott Bailey hiess der Mann und er machte Nägel mit Köpfen. Er kaufte einen roten Ford Mustang vom Band und liess ihn mit Alitalia nach Italien senden, genauer gesagt zur Carrozzeria Bertone. Die Rahmenbedingungen für den umgestalteten Mustang waren:

  • Keine (wesentlichen) Änderungen an der Mechanik
  • Präsentation an der New York Automobile Show

Für Design, Farbwahl und weitere designspezifische Aspekte liess Bailey Bertone freien Lauf. “Ich will ein Fastback-Coupé, etwa so wie der Ferrari von Jane Mainsfield”, soll Bailey Bertone gesagt haben. Keine weiteren Rahmenbedingungen, Bailey war ein “guter” Kunde für einen Karosseriedesigner.

Warum gerade der Mustang die Basis für den neuen Entwurf sein sollte, bleibt einigermassen im Dunkeln. Aber er war neu, trug einen wohlklingenden Namen und traf als Serienfahrzeug nicht den Geschmack aller.

Schlichte Eleganz und raffinierte Design-Lösungen

Bei Bertone machte sich ein begabter junger Designer mit Namen Giorgetto Giugaro ans Werk. Er zeichnete ein Schrägheck-Coupé mit ruhigen, fliessenden Linien und grossen Fensterflächen. Als Farbe wurde Blau-métallic gewählt und damit die Eleganz noch gesteigert.

Im Gegensatz zum Ausgangsfahrzeug zeigte der Entwurf Doppelscheinwerfer, die aber im gradlinig verlaufenden und flachen Kühlergrill eingefaltet werden konnten. Im Ruhezustand sah man also von den Scheinwerfern nichts, was die Front recht breit erscheinen lässt.

Stephen Wilder war nicht von allen Detaillösungen überzeugt, so kritisierte er die schräg verlaufenden Scheiben in den Türen, die durch den Pseudo-Überrollbügel dahinter nötig geworden waren. Und er war von der Gestaltung der Heckscheibe nicht angetan. In seinem Bericht benutzte er häufig die Worte “elegant” und “simplicity”, zwei Attribute, die den geglückten Wurf aus Stahlblech gut beschrieben.

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Geringe Änderungen am Chassis

Eine Änderung am Chassis, wenn auch eine geringfügige, wurde bei Bertone vorgenommen. Der Kühler wurde gekürzt, um rund 7 cm. Diese an und für sich kleine Anpassung eröffnete bei der Gestaltung der Karosserie völlig neue Möglichkeiten. So konnte die Motorhaube tiefer heruntergezogen werden und die ganze Front zierlicher und eleganter geformt werden. Dies fällt vor allem im direkten Vergleich zum Standard-Mustang auf.

Vergleich des Original-Mustangs mit dem Bertone-Mustang von 1965 - abgebildet in Road & Track vom Januar 1966

Intelligente Mischung von spezifischen und standardmässigen Elementen im Innenraum

Im Innenraum fand sich eine Mischung von typischen italienischen Design-Elementen und Standard-Ford-Motor-Company-Teilen. So kam der Aschenbecher direkt aus dem Ford-Ersatzteilregal. Das Armaturenbrett aber war anders geformt und auch etwas tiefer angelegt. Auch die Rücksitze wurden vom Spenderfahrzeug übernommen, genauso wie die Öffnung zum Kofferraum. Die Vordersitze wurden bei Reutter eingekauft und sahen bedeutend hübscher aus als die Standardsitze. Das Lenkrad bestand natürlich aus Holz und trug eindeutig italienische Züge. In der Mitte zeigte es das Automobile-Quarterly-Vierblatt in Form von unterschiedlichen Hölzern, die eingelegt wurden.

Armaturenbrett des Ford Mustang by Bertone von 1965 - abgebildet in Road & Track vom Januar 1966

Verbessertes Handling, mehr Sportlichkeit

Angesichts des praktisch serienmässig übernommenen Chassis hätte man erwartet, dass der Bertone-Mustang kaum anders zu fahren war als die Grossserien-Version, doch weit gefehlt. Wilders notierte ein deutlich verbessertes Handling! Dies lag wohl teilweise an den verbesserten Sitze, aber wohl auch an einer anders verlegten Lenkradsäule und damit einer geänderten Lenkradposition.

Purer und besser kontrollierbar sei der modifizierte Mustang, schrieb Wilders im Artikel in Road & Track. Die bessere Sicht und das angenehm zu umfassende Lenkrad wurden als weitere Pluspunkte vermeldet.

Ansichten und Einsichten zu den Felgen

Betrachtet man die Bilder in Road & Track, fallen die unscheinbaren Räder am Bertone Mustang auf. Tatsächlich tauschte Wilders bei sich zuhause die von Bertone vorgesehen kunstvoll gestalteten und sechs Zoll breiten Aluminium-Räder, besohlt mit 185 x 14 Pirelli Cinturato Reifen, gegen die Stahlräder seines Serien-Mustangs, die von rundlichen Chrom-Radkappen abgedeckt wurden. Nicht nur gefielen Wilders die Bertone-Felgen nicht (“ugly as sin” - sündhaft hässlich), er fürchtete auch, sie an einem Randstein zu beschädigen. Aus heutiger Sicht kann man sich allerdings über diese Geschmacksäusserung nur wundern.

Ford Mustang by Bertone von 1965, abgebildet in Road & Track Januar 1966

Verschwunden oder nur untergetaucht?

Löste der elegante Bertone Mustang 1965 in New York viel Echo aus und wurde er von Besuchern und Fachpublikum an Ausstellungen noch gebührend bewundert, so verschwand er kurz danach von der Oberfläche. Offensichtlich konnte selbst Initiator Scott Bailey viele Jahre später das Einzelstück nicht mehr ausfindig machen, es gilt, respektive galt als verschollen. Allerdings meldet ein Blogger in den Staaten, dass das Auto noch existieren solle und dass nur der aktuelle Besitzer kein Interesse habe, den Wagen öffentlich zu zeigen. Es wäre aber nur zu schön, wenn dieses einmalige Werk wieder zum Vorschein käme.

Weitere Informationen

  • Road & Track Heft 1/966 (January 1966), Seite 18, Mustang by Bertone

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von t5******
17.12.2012 (23:20)
Antworten
Das Auto ist vermutlich eher in Monaco gestohlen worden lt. Aussage von Insidern. Es wird daher eher nicht auftauchen.
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