Alfa Romeo Giulietta Sprint Veloce Alleggerita - mit Leichtigkeit zum Erfolg

Erstellt am 26. April 2017
, Leselänge 9min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Alfa Romeo / Werk 
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Bonhams 
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Archiv Bertone 
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Archiv 
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“Alfa Romeo Giulietta Sprint Veloce Alleggerita” - wer der italienischen Aussprache mächtig ist und diese Buchstabenfolge intoniert, der kann schon fast erahnen, wie gut der Wagen mit dieser Bezeichnung klang. Und war!


Alfa Romeo Giulietta Sprint Veloce Allegerita (1956) - rund 70 kg leichter war die Variante mit Aluminium-Türen/-Deckeln trocken
Copyright / Fotograf: Bonhams

Ein kleiner Alfa Romeo

Als Überraschung zeigte Alfa Romeo auf dem Turiner Autosalon im Frühjahr 1954 die neue Giulietta Sprint, sozusagen die Abrundung des Bauprogramms nach unten.

Eigentlich geplant war die Präsentation der viertürigen Limousine, doch es hatte sich gezeigt, dass man bei der Entwicklung nicht so schnell vorangekommen war wie geplant. Zudem teilte man mit, dass die Vorbereitung der Pressen für die Karosserien des Tourenwagens noch längere Zeit in Anspruch nehmen würde.


Alfa Romeo Giulietta Sprint (1954) - Durchsichtszeichnung
Copyright / Fotograf: Alfa Romeo / Werk

So stand das von Franco Scaglione in Diensten von Bertone gezeichnete Coupé auf dem Alfa-Stand in Turin und gestand dem neuen 1,3-Liter-Motor im Bug 65 PS zu.

Die Automobil Revue beschrieb den von Giuseppe Busso entwickelten Vierzylinder anlässlich des Turin-Berichts:

“Der Vierzylindermotor des ‘Giulietta Sprint’ besitzt, der Tradition der Marke entsprechend, zwei obenliegende Nockenwellen, die an der Stirnseite des Motors durch eine Kette angetrieben werden. Dieser Antrieb erwies sich leiser als der an einem Prototyp erprobte kombinierte Antrieb mit Kette und Zahnrädern. Die hängenden Ventile bilden wiederum einen Winkel von 90°. Mit 74X75 mm ergibt sich ein annähernd quadratisches Verhältnis von Hub und Bohrung und ein Hubvolumen von 1290 cm3. Ursprünglich war ein Motor von 1100 cm3 geplant, doch zwang die neue Klasseneinteilung des internationalen Reglementes für Seriensportwagen zum grösseren Hubraum. Der Zylinderkopf ist aus Aluminium, während der Zylinderblock im Gegensatz zum Typ 1900 aus Leichtmetall besteht und nasse Zylinderbüchsen besitzt. Die Kurbelwelle gleitet auf fünf Lagern aus einer Blei-Indium-Legierung.”


Alfa Romeo Giulietta Sprint (1954) - der Prototyp wies eine zur Seite öffnende Heckklappe auf (wie der E-Type später)
Archiv Automobil Revue

Auffallend an den ersten Exemplaren des Coupés war die Hecktüre, die sich ähnlich wie später beim Jaguar E-Type zur Seite öffnen liess, später aber zugunsten einer kleineren Kofferraumklappe weichen musste.

Beim ersten Kontakt überzeugte der neue Alfa die Berichterstatter der Automobil Revue auf jeden Fall:
“Schon die ersten Kilometer liessen erkennen, dass dieses schmucke, sehr niedrige Coupé zu den gelungensten Neukonstruktionen der sportlichen Klasse gehört. Äusserlich kurz und klein erscheinend, bietet es auf den beiden Hauptsitzen doch in jeder Beziehung genügend Raum. Die Fenster sind gross, die Ausstattung gut und komplett, wenn auch keineswegs überladen, und der Kofferraum vernünftig. Ein Hauptmerkmal des Giulietta Sprint ist die grosse hohe Unempfindlichkeit gegenüber verschiedensten Strassenbelägen, die mit einer bemerkenswerten Behendigkeit und durchwegs guten Fahreigenschaften verbunden zu sein scheint.”

Beliebtes Sportfahrzeug

Obwohl in Turin, wo sich gegen 3000 Besucher für den kleinen Wagen interessiert hatten, vollmundig die Serienfertigung des Coupés (750 B) bei Bertone angekündigt worden war, verliessen im ersten Jahr nur ganz wenige Autos das Werk.


Alfa Romeo Giulietta Sprint (1954) - aus dem Schaffen von Bertone
Copyright / Fotograf: Archiv Bertone

Erst 1955 setzte die eigentliche Serienproduktion ein, immerhin 1415 wurden, noch immer mit viel Handarbeit, in jenem Jahr produziert. Im selben Jahr wurden dann auch die Limousinen- (750 C) und die Spider-Variante (750 D) der Giulietta präsentiert.

Im Sommer 1959 publizierte die Automobil Revue ihre Erkenntnisse aus einer 7000-km-Langstreckenprüfung mit dem bereits modellgepflegten Coupé: “Der Giulietta Sprint hat in seiner neuen Form nicht nur gewonnen, sondern hat sich zum gut ausgerüsteten Zwei-Viersitzer für den täglichen Gebrauch entwickelt. Auch im Zeichen des Massenverkehrs steht dem sportlichen Wagen in dieser Form die Zukunft offen.”
Den Sprint von 0 bis 100 km/h schaffte die 80-PS-Version in 14,9 Sekunden, als Spitze wurden 164 km/h notiert, als Verbrauch 8 bis 10,5 Liter Benzin pro 100 km und etwa ein Liter Öl pro 1000 km.


Alfa Romeo Giulietta Sprint 1300 (1954) - Präsentation in schönem Rahmen
Archiv Automobil Revue

Reinhard Seiffert stieg für die Zeitschrift “Auto Motor und Sport” ebenfalls im Jahr 1959 in das Alfa Coupé und lobte Temperament, Eleganz und Charme genauso wie die Strassenlage und die angenehmen Eigenschaften des Motors. Auf der Minusseite erwähnte der die lange Warmlaufphase vor allem bei kalten Wetter sowie Zweifel an der Lebensdauer des hochgezüchteten Triebwerks. Interessant waren seine Äusserungen zum “auffälligen” Fahrverhalten:
“Die Untersteuerungscharakteristik fällt sofort auf. Die Giulietta Sprint ist - und fährt man auch noch so schnell - einfach nicht zum Weggehen des Hecks zu bringen. Daraus resultiert, daß man sich sehr sicher fühlt und bedenkenloser an die Kurvengrenzgeschwindigkeiten herangeht als mit einem neutralen oder übersteuernden Wagen, der von einer bestimmten Geschwindigkeit an deutlich wegzugehen beginn. Daß die Grenze erreicht ist, zeigt sich bei der Giulietta dadurch, daß man sehr gleichmäßig - mit im Gegensatz zum Übersteuerer nach außen gerichteter Fahrzeugnase - dem äußeren Strassenrand näher kommt. Auf glatterer Oberfläche ist ein Grenzbereich feststellbar, innerhalb dessen man mit leichtem ‘Sägen’ und richtiger Gas-Dosierung das Fahrzeug recht gut kontrollieren kann, auf griffiger Straße dagegen kann man das seitliche Abdriften kaum beeinflussen. … Wer das Fahrzeug kennt, kann die Abdrift genau einkalkulieren und beim rennmäßigen Fahren die Straßenbreite ebenso voll ausnützen wie beim Übersteuerer durch den “four-wheel-drift’ mit zur Kurveninnenseite gerichteter Fahrzeugnase. Er kann dabei vielleicht sogar noch um eine Kleinigkeit schneller sein, und diese Tatsache macht es erklärlich, daß sehr schnelle Fahrer wie etwa Stirling Moss die vielfach verpönten Untersteuerer vorziehen.”

So zeigten dann schon die frühen Normalvarianten des Giulietta Sprint manchem Porsche die Heckleuchten, doch die Nachfrage nach einer noch schnelleren Version fand bei Alfa Romeo natürlich Gehör.

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Stärker und schneller

Anlässlich der Präsentation am Turiner Autosalon 1956 berichtete die Automobil Revue:
“Grosse Beachtung wurde auch den Sportausführungen des Alfa Romeo Giulietta Sprint geschenkt, welchem bis dahin die letzten Reserven im Kampf gegen die Porsche 1300 Super gefehlt haben. Der neue Typ trägt die Bezeichnung Veloce (= schnell) und kann entweder als Coupé in der bekannten Form von Bertone oder als Spyder mit Pinin-Farina-Karosserie gekauft werden, wobei der Radstand des Spyders 18 cm kürzer ist. Durch Leichtmetalltüren, Plexiglasschiebefenster, leichtere Rennsitze und andere Massnahmen konnte das Gewicht um 70 kg gesenkt werden, so dass das Coupé jetzt 780 und der Spyder 750 kg wiegen.
Der Motor wurde vor allem durch Verwendung von zwei horizontalen Weber-Doppelkörpervergasern (40 DCO 3) mit Beschleunigungspumpe und Registeranordnung von 60 auf 85—90 PS bei 6000 U/min gebracht, so dass nun die Beschleunigung bei einem Leistungsgewicht von 8,3 bzw. 8,7 kg/PS sehr lebhaft und auch die Spitzengeschwindigkeit entsprechend gestiegen ist: In Monza kam der abgedeckte Spyder auf 192 km/h (ohne Blech und mit normaler Windschutzscheibe auf 170 km/h), und auch für das Coupé wird eine Spitze von 190 km/h angegeben. Entsprechend seinem stark sportlichen Charakter wurde der Veloce mit Mittelschalthebel und mit einem 82 Liter fassenden Treibstofftank ausgerüstet.“

Umfassend überarbeitet

Die schnellste Sprint-Variante hörte auf die interne Bezeichnung 750 E und man hatte es nicht mit ein paar Leichtmetallteilen belassen. Weil bei Bertone immer noch weitgehend von Hand gearbeitet wurde, konnte man das Grundkonzept umfangreich variieren. Die mittragende Karosserie des Wagens bestand aus Stahlblech von 0,8 bis 1,0 mm Stärke. Die Türen waren lediglich 8,5 kg schwer pro Stück, was durch Verzicht auf Kurbelfenster (und deren Mechanismus) und die Verwendung von Aluminium erreicht werden konnte. Aus demselben Material wurden auch Kofferraumdeckel und Motorhaube geformt.


Alfa Romeo Giulietta Sprint Veloce Allegerita (1956) - sportliches Interieur - nichts ist überflüssig - der Komfort fehlt
Copyright / Fotograf: Bonhams

Im Innenraum wurde auf alle unnötigen Teile - Handschuhfachdeckel, Sonnenblenden, etc. - verzichtet. Schalldämpfungsmassnahmen entfielen weitgehend, die Seitenscheiben - die hinteren waren auch beim Veloce schwenkbar - bestanden aus Plexiglas.

Zur Verbesserung des Fahrverhaltens wurden vorne und hinten härtere Federn verbaut, auch die Stossdämpfer wurden angepasst. Damit wurde auch der Rollwinkel, also die Seitenneigung in Kurven reduziert. An der restlichen Konfiguration der Aufhängungen - doppelte Dreieckslenker vorne, Starrachse an Längslenkern mit angelenkten Dreieckslenkern hinten - war keine Veränderung nötig.


Alfa Romeo Giulietta Sprint Veloce Allegerita (1956) - der Aluminium-Vierzylinder mit zwei Weber-Doppelvergasern und spezieller Ansaugvorrichtung
Copyright / Fotograf: Bonhams

Das Sahnehäubchen im “Veloce” aber war der erstarkte Motor. Die Verdichtung war von 8:1 auf 9:1 erhöht worden, statt des Solex-Vergasers sorgten nun zwei Weber-Doppelvergaser für die Befüllung, unterstützt von Ansaugleitungen mit grösserem Querschnitt. Auch der Auslass wurde grosszügiger dimensioniert. Von rund 92 PS sprach man damals, die bei 6000 Umdrehungen anfielen. Geschaltet wurde das Vierganggetriebe eine Fünfgangversion war angekündigt) auf der Mittelkonsole.

Mit rund DM 17’500 oder CHF 18’250 Franken war das schnelle Alfa Coupé allerdings nicht gerade wohlfeil geraten, ein Porsche 356 kostete damals ab 14’770 Franken, den günstigsten Carrera gab es für 21’350 Franken.

Ein ernsthafter Gegner für den Porsche

Auf der Rennstrecke und bei Rallyes aber bewährten sich die kleinen und leichten (845 kg) Coupés in der Hand vieler Amateur- und Profirennfahrer. Unzählige Klassensiege wurden errungen, bei der Targa Florio tauchten die eleganten Granturismo-Fahrzeuge genauso auf wie bei Bergrennen, Slaloms und Geschicklichkeitsfahrten. Klassensiege gab es beispielsweise bei der Tour de France, bei der Tour de Corse, einen Gesamtsieg sogar beim Coupe des Alpes.


Alfa Romeo Giulietta Sprint Veloce (1958) - Grand beim Bergrennen Mitholz-Kandersteg von 1960
Archiv Automobil Revue

Der Bau des Sondermodells allerdings war aufwändig. Bereits ab Frühjahr 1957 gab es die “Veloce Lusso” Variante (intern auch “confortevole” genannt), die im Prinzip den starken Motor mit dem normalen Sprint-Coupé kombinierte, Mitte 1958 stoppte man die Produktion der teuren Allegerita-Variante, danach konnten alle Versionen auf dem gleichen Band produziert werden. Bis dahin hatten etwa 500 bis 600 Leichtbau-Coupés die Bertone-Hallen in Grugliasco verlassen.


Alfa Romeo Giulia Sprint 1600 (1964) - elegant präsentiert
Archiv Automobil Revue

Die Giulietta Sprint aber hatte noch ein langes Leben, sogar eine Umbenennung zur Giulia musste er sich noch gefallen lassen. Immerhin erhielt er dann auch einen 1,6-Liter-Motor und wurde zuletzt noch als Sprint 1300 bis 1965 gebaut. Rund 33’000 Coupés entstanden so gesamthaft, die 3058 Veloce-Versionen waren davon nur ein kleiner Teil.

Eine wertvolle Ikone

Heute sind originale Allegerita-Versionen sehr teuer geworden, werden deutlich sechsstellig gehandelt und kommen nur selten auf den Markt.


Alfa Romeo Giulietta Sprint Veloce Allegerita (1956) - man beachte die Scheibenrahmen bei der Fahrertüre - diese hatte so nur die Leichtbauversion
Copyright / Fotograf: Bonhams

Bonhams kann am Spa Classic Sale am 21. Mai 2017 Chassis AR1493E*02159* anbieten, von Bertone als Nummer 77101 produziert. Ausgeliefert wurde der Wagen am 17. Juli 1956 in Genua, sein erster Besitzer hiess Massimo Antonio de Sotgin. Ein gutes halbes Dutzend Besitzer später und einmal vor rund 25 Jahren restauriert, präsentiert sich der Wagen heute mit originalem Motor und Getriebe wie damals. EUR 255’000 bis 295’000 (CHF 280’000 bis 320’000) nennt Bonhams als Schätzwert. Leichtsein war noch nie billig!

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