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SC75 Sujet 2
Bild (1/4): Alfa Romeo 2000 Spider (1978) - für die schönen Tage im Leben (© Balz Schreier, 2013)
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    Alfa Romeo 2000 Spider Fastback - ‘O sole mio

    Erstellt am 27. Januar 2014
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Wolfgang Wilhelm / Archiv Daniel Reinhard 
    (1)
    Balz Schreier 
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    Die Temperaturen sind beinahe frostig, die angebrochene Winterszeit führt nicht gerade zu guter Laune. Auch die beige Farbe des Fahrzeugs wirkt keineswegs fröhlich.

    Doch kaum ist der Motor des Alfa Romeo 2000 Spiders gestartet, ziehen sich die Mundwinkel nach oben, Kälte und Umgebung sind vergessen. Bella Italia! ’O sole mio!

    Alfa Romeo 2000 Spider (1978) - von betörender Offenheit
    © Copyright / Fotograf: Balz Schreier

    Und die Erinnerungen an längst verdrängte Jugendwünsche kehren zurück ...

    Der Braune mit dem beigen Top

    Damals war es ein brauner Alfa Spider gewesen und ich hatte ihn angehimmelt. Nicht in echt, aber im Verkaufsprospekt, den ich mir in jungen Jahren ergattert hatte. Hunderte Male hatte ich die schnittige Dame mit ihrer schwarzen Kurzhaarfrisur bei ihrem Freizeitprogramm - Golf, Reiten, Tennis und natürlich Spider fahren - beobachtet.

    Alfa Romeo 2000 Spider (1978) - auch geschlossen sieht der Alfa hübsch aus
    © Copyright / Fotograf: Archiv Zwischengas

    Doch natürlich war an einen neuen Alfa Romeo nicht zu denken, selbst wenn er nur knapp 20’000 Franken kostete.

    Abgeschnitten

    Man musste schon um den 1970 am Genfer Autosalon erstmals hierzulande gezeigten Alfa Romeo Spider herumlaufen, um ihn von seinem Vorgänger, der Duetto Spider genannt wurde, unterscheiden zu können.

    Alfa Romeo 1750 Spider Veloce (1969) - auf dem Genfer Automobilsalon 1969
    © Archiv Automobil Revue

    Das abgeschnittene Heck (“coda tronca”) war die einschneidendste Veränderung, die man dem bis dahin mit rund 17’000 verkauften Einheiten durchaus erfolgreichen Duetto angedeihen liess.

    Alfa Romeo 1750 Spider Veloce (1972) - bis zum 2000 die stärkste Motorisierung
    © Zwischengas Archiv

    Er wurde damit 13 Zentimeter kürzer, ohne dass der Kofferraum an Grösse eingebüsst hätte. Das Rundheck des Vorgängers hatte sowieso nicht allen gefallen, mit dem scharfkantigen Heck hingegen konnten sich (fast) alle anfreunden. Und der Neue hatte noch andere Vorzüge, er war übersichtlich geworden und verfügte über eine grössere Heckscheibe im Verdeck.

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    Bewährte Technik

    Die Technik musste für den Modellwechsel nicht angepasst werden. Wie schon der Duetto setzte der “Fastback”-Spider, so wurde die zweite Serie genannt, auf den kräftigen Doppelnockenwellenmotor, der in seiner stärksten Ausführung als 1750 132 SAE-PS leistete.

    Vorne führten Einzelradaufhängungen mit Querlenkern und Schraubenfedern die Räder, hinten sorgte eine Starrachse an Längslenkern für Bodenhaftung. Gebremst wurde mit Scheibenbremsen rundum.

    Die Zweiliter-Evolution

    An Leistung hätte es dem knapp über 1000 kg schweren Spider 1750 eigentlich nicht gemangelt, trotzdem doppelten die Mailänder im Sommer 1971 nach und stellten den Spider 2000 Veloce vor. 150 SAE-PS leistete der nun zwei Liter grosse Reihenvierzylinder und mit einer einfachen Hubraumvergrösserung konnten es die Ingenieure nicht bewenden lassen.

    Alfa Romeo 2000 Spider (1978) - der klassische Alfa-Romeo-Motor
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die nötige Prozedur wurde damals in der Automobil Revue minuziös erklärt:
    “Der knappe zur Verfügung stehende Raum zwischen den einzelnen Zylindern machte eine weitere Hubraumvergrösserung durch Ausbohren unmöglich. Deshalb wurde ein neuer Block mit grösserem Zylinderachsenabstand entwickelt - dadurch erst wurde eine Vergrösserung der Bohrung um 4mm auf 84 mm möglich -; die Aussenabmessungen blieben jedoch gleich. Die Länge der Kurbelwelle ist dieselbe, doch die Änderung des Zylinderachsenabstandes bedingte auch eine Änderung der gesamten Kurbeltriebbasis. Die Abstände der Zylindermitten betragen beim 2000 durchwegs 93 mm beim 1750 jedoch aussen 90 und für die mittleren Zylinder 93 mm. Die Wandstärke des Bocks vorn und hinten wurde von 66 und 84,5 mm (1750) auf 63,5 und 81,5mm reduziert.”

    Weiterhin wurde die Motorenkraft über ein direkt angeblocktes Fünfganggetriebe an die Hinterachse übertragen. Und auch sonst hatte sich kaum etwas geändert.

    Irgendwann verschwanden dann auch noch die Plexiglasabdeckungen über den Scheinwerfern und die Motorenleistung musste zugunsten sauberer Abgase schrumpfen.

    Auto Zürich 2019 Variante 2

    "Aeroflot"

    Er zählte zu den sportlichen Naturen, der Alfa Romeo Spider 2000. Die Zeitschrift ‘Auto Motor und Sport’ beschleunigte ihn in 9,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und dann weiter bis 194,6 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Testverbrauch betrug 9,6 Liter Super pro 100 km, ein Mercedes 280 SL genehmigte sich damals 14,4 Liter pro 100 km.

    “Sie sind rar geworden, die echten offenen Autos; sie lassen sich, von englischen Kleinstserien einmal abgesehen, fast an den Fingern einer Hand abzählen”, schrieb Gert Hack im Intro seines Testberichts im Jahr 1976 und er genoss die Fahrt im nostalgischen Spider.

    Fast der letzte Mohikaner

    Ende der Siebzigerjahre dominierten Bügel-Cabriolets wie die offene Version des Golfs, der Porsche Targa oder der Fiat X 1/9 den Markt der Autos für Frischluftanhänger.

    Vielleicht ein knappes Dutzend richtig offene Cabriolets gab es zu Beginn der Achtzigerjahre noch auf dem deutschen Markt, der Alfa Spider konnte sich da gut vom teuren Mercedes SL und vom eben präsentierten Porsche 911 Cabriolet absetzen.

    “Beim Alfa Romeo geht's mit 25’000 Mark billiger, und wer ein Gefühl dafür hat, sich schon den Namen auf der Zunge zergehen zu lassen, der spürt im Alfa-Oldie die ganze Faszination des offen-Fahrens zwischen rauhbeiniger Nostalgie und zarter Eleganz.”, so schrieb die ADAC Motorwelt 1982 nach einer Fahrt im 2000-er-Modell.

    In der Schweiz war dies nicht anders, für 23’600 Franken erhielt man ein günstiges Cabriolet, das gegen Exoten wie den Puma 1600 GTS oder den Pininfarina Spidereuropa antrat, während andere Alternativen wie das Peugeot 504 TI Cabriolet oder der Super Seven Roadster bereits teurer, Luxusfahrzeuge wie der Aston Martin V8 Volante, der Rolls-Royce Corniche, der De Tomaso Longchamp Spider oder das Bitter SC Cabriolet 3.0 für die meisten unerschwinglich waren.

    Ungefiltertes Cabrio-Vergnügen

    Es ist kein Wunder, dass der Alfa Spider heute zu den beliebtesten Oldtimern gehört. Er ist leicht zu fahren, sein Getriebe schaltet sich butterweich und ohne störendes Gestänge zwischen Schalthebel und Räderwerk.

    Alfa Romeo 2000 Spider (1978) - stark geschüsseltes Lenkrad
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Innert Sekunden ist das Dach versenkt und die Luft strömt in den Wagen. Die Gürtellinie liegt tief, die Rundumsicht ist total. Zwei riesige Rundinstrumente in Höhlen zeigen Geschwindigkeit und Drehzahl an.

    Alfa Romeo 2000 Spider (1978) - macht offen ...
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Lenkkräfte sind nicht zuletzt wegen der schmalen 165 HR 14 Reifen gering. Der wohltönende Motor röhrt und schüttelt überzeugende Fahrleistungen aus dem Ärmel. Suchtgefahr ist omnipräsent, man will einfach nicht aufhören zu fahren, trotz der etwas ungewohnten Sitzposition.

    Alfa Romeo 2000 Spider (1978) - … und geschlossen eine gute Figur
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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    Langlebig

    Rund 31’000 Fastback-Spider verliessen bis 1983 das Alfa-Werk, dann folgte der 2000 Aerodinamica, der an Front und Heck “modernisiert” war, technisch aber mit Ausnahme einer Einspritzung statt der Weber-Vergaser nur wenig verändert daherkam. 1989 schliesslich trat die letzte Generation mit nostalgisch runder Front- und Heckpartie sein Erbe an, um bis 1993 die Gesamtzahl der produzierten Alfa-Spider-Varianten auf rund 104’000 Exemplare zu bringen.

    «Alfa baut den Spider noch so lange, wie es irgendwie nur geht», hatte der Alfa-Pressemann Dottore Antonio Cerlenizza schon 1982 gesagt.

    Nun, dass es der Spider über vier Generationen auf einen Produktionszeitraum von 27 Jahren brachte, gibt diesem Manne sicher Recht. Allerdings kam keine Spidervariante auf eine so lange Bauzeit wie die zweite Generation (coda tronca), die von 1969 bis 1983 praktisch unverändert gefertigt wurde. Dank guter Verfügbarkeit und noch bezahlbarer Preise gilt gerade diese klassisch gestylte Variante als idealer Einstiegsoldtimer.

    Wir danken der Touring Garage für die Gelegenheit, mit dem beigen Spider dem grauen Alltag wenigstens für eine kurze Weile entfliehen zu können.

    Weitere Informationen

    • AR-Zeitung Nr. 28 / 1971 vom 24.Jun.1971 - Seite 17: Die neuen Alfa Romeo 2000
    • ADAC Motorwelt Nr. 6 vom Juni 1982 - Seite 18: Ein Platz an der Sonne
    • Auto Motor und Sport Heft 20/1979, ab Seite 82: Test Alfa Romeo Spider 2000
    • Oldtimer Markt Heft 5/1988, ab Seite 6: Alfa Romeo Spider
    • Oldtimer Markt Heft 4/1996, ab Seite 8: 30 Jahre Alfa Romeo Spider
    • Motor Klassik Heft 8/1999, ab Seite 30: Alfa Romeo 2000 Spider Fastback
    • Motor Klassik Heft 8/2001, ab Seite 44: Alfa Romeo 2000 Spider Veloce

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