Alfa Romeo 2000 GTV – gereift wie guter “vino rosso"

Erstellt am 5. Oktober 2020
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
44
Archiv 
30

Als Alfa Romeo im Juni 1971 einen Zweilitermotor für den “Bertone” ankündigte, waren die Erwartungen hoch. Und die Neuerung enttäuschte nicht. Der GTV wurde noch besser und zum 200-km/h-Sportcoupé.


Alfa Romeo 2000 GTV (1973) - nur 4,1 Meter lang
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Vom Giulia Sprint zum 1750 GT Veloce

Bereits im September 1963 war am Frankfurter Autosalon IAA das Coupé Giulia Sprint GT erschienen. Als Zeichner war Giorgetto Giugiaro in Diensten von Bertone am Brett gestanden und hatte eine fast zeitlose GT-Formgebung mit interessanten Akzenten entworfen, die schliesslich mehr als ein Achteljahrhundert Bestand hatte.


Alfa Romeo Giulia Sprint GT (1963) - Nachfolgerin des Giulietta Sprint Coupés
Archiv Automobil Revue

Technisch war das Sprint Coupé mit der Limousine Giulia verwandt, unter der Haube gab es den gleichen Zweinockenwellen-Vierzylinder mit 1570 cm3 Hubraum. Schon 1965 erhielt der Motor etwas mehr Leistung, es waren nun mit 109 anstatt 106 DIN-PS, womit echte 185 km/h möglich waren, zum “Veloce” (italienisch für schnell).


Alfa Romeo 1750 Coupé GT Veloce (1969) - kompakt und sehnig
Archiv Automobil Revue

Am Brüsseler Autosalon im Januar 1968 erschien dann ein neuer 1750er-Motor, der eigentlich mit 1779 cm3 Hubraum ein 1,8-Liter war und nun 118 DIN-PS und eine Spitze von über 190 km/h vorweisen konnte. Die Bezeichnungen “Giulia” und “Sprint” hatte man bereits vorher aufgegeben und so hiess das neue Coupé schlicht “1750 GT Veloce”. Auch die grossen Rundscheinwerfer und der formgegebene “Scudetto” mussten der Moderne weichen, sie wurden durch Doppelscheinwerfer und eine zierlichere Kühlergrillform ersetzt.


Alfa Romeo GTV 2000 (1972) - mit den charakteristischen Doppelscheinwerfern und dem Alfa-Kühlergrill
Archiv Automobil Revue

Im Juni 1971 dann folgte die nächste Leistungseskalation, mit 1962 cm3 standen nun 133 nach DIN genormte Pferdchen zur Verfügung, die bereits bei 5500 Umdrehungen komplett am traben waren.

Neuanfang

Wer angenommen hätte, dass für die Hubraumvergrösserung einfach eine neue Kurbelwelle oder etwas dicker ausgefräste Zylinderöffnungen nötig sein würden, der sah sich getäuscht. Tatsächlich handelte es sich beim Vierzylinder um eine Neukonstruktion, wenn auch bewährte Bauprinzipien beibehalten wurden.

Ganz frisch musste man allerdings nicht beginnen, denn mit dem GTAm-Rennmotor stand bereits eine Basis, die für Hubraumvergrösserungen tauglich war, zur Verfügung. Weiterhin war die Kurbelwelle fünffach gelagert und natürlich wurde die Ventilsteuerung durch zwei über Kette angetriebene obenliegende Nockenwellen übernommen. Die Gemischaufbereitung erfolgte mittels zwei Horizontal-Doppelkörper-Vergasern, die von Solex, DelOrto oder Weber angekauft wurden.


Alfa Romeo 2000 GTV (1972) - der berühmte Vierzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen
Archiv Automobil Revue

Das vom 1750 GT Veloce übernommene Fünfgang-Getriebe wurde übernommen und verstärkt, auch Fahrwerk und Bremsanlage (vorne untere Dreieckquerlenker und obere Einzelquerlenker, hinten Starrachse mit Längsschubarmen und mittleren Querlenkern, Scheibenbremsen an allen vier Rädern) wurde beibehalten.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Rolls Royce 20 HP H.J. Mulliner Weymann Sports Saloon in ...
Jaguar XJ6 4.2 LWB Series II (1978)
Rolls-Royce Silver Spur Factory Limousine (1986)
Mercedes 280 SE Cabriolet W111 (1968)
+49 6737 31698 50
Undenheim, Deutschland

Kosmetische Eingriffe

Während die Karosserie im Vergleich zum 1750 GT Veloce praktisch unverändert war, gab es im Interieur dezente Korrekturen. So wanderten das Kühlwasserthermometer und die Benzinanzeige von der Mittelkonsole zwischen die beiden Hauptinstrumente, wo sie schneller sichtbarer waren. Im Drehzahlmesser war nun eine Öldruckanzeige montiert, acht Kontrollleuchten wurden oberhalb der Lenkradnabe eingebaut. In der Folge wurde auch die Mittelkonsole in ihrer Form etwas angepasst.


Alfa Romeo 2000 GTV (1972) - der Tacho reicht bis 240 km/h
Archiv Automobil Revue

Auf eine Bedienung der Scheibenwischanlage via Lenkstockhebel verzichtete man aber bei Alfa zumindest anfänglich noch.

Allzu viel wollte man bei Alfa Romeo wohl nicht ändern, warum auch, schliesslich war das Coupé GTV schon damals ein Klassiker.

Die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten

Die deutsche Alfa-Werbung schöpfte aus dem Vollen, bezeichnete Alfa-Fahren als schönste Verbindung zwischen zwei Punkten und dichtete:
“Zwischen München und Hamburg: lm Alfa Romeo GTV 2000. Mit 131 PS. Spitze über 195 km/h. Stehender km: 30,6 Sek. Das sind Leistungen, die innerhalb der Hubraumklasse des GTV eigentlich nicht mehr vergleichbar sind. Doch Leistung ist bei einem Alfa nicht alles. Bis ins kleinste technische Detail ist jenes Maß an aktive und passiver Sicherheit verwirklicht, das den Charakter eines Alfa prägt. Nicht zuletzt: Der bestechende Fahrkomfort dieses Hochleistungsautos. Alles zusammen macht den entscheidenden Unterschied: Zwischen Auto-fahren und Alfa-fahren.”

Begeisterte Presse

Fritz Reuter doppelte Ende 1971 für Auto Motor und Sport sogar noch nach und meinte:
“Ein perfektes Auto ist der Alfa Romeo 2000 GTV zwar nicht, aber ein sympathisches. Sympathisch deshalb, weil er die Eigenschaften hat, die man bei einem Sportwagen sucht: einen technisch hochstehenden leistungsfähigen Motor, sehr gute Fahrleistungen, eine reichhaltige Ausstattung mit zweckmäßiger Instrumentierung und einem hervorragenden Fünfganggetriebe, sichere Fahreigenschaften, gute Bremsen und eine attraktive Form. Sympathisch weiterhin, weil bei ihm hohe Leistung und Sportlichkeit besonders glücklich mit wichtigen Alltagseigenschaften wie problemloses Motorverhalten, leichte Bedienbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Geräumigkeit gepaart sind. Sympa hisch nicht zuletzt auch, weil er all diese Dinge zu einem vernünftigen Preis bietet.”

Hier spürt man Begeisterung, zumal sich das Coupé als echte 200-km/h-Rakete entpuppte und den Sprint von 0 auf 100 km/h in neun Sekunden schaffte. Das konnte nur der Capri RS 2600 ein bisschen besser und günstiger, sonst waren für derartige Fahrleistungen mehr Geld als DM 16’490 nötig. Und mit 11,6 bis 15,7 Liter pro 100 km (Testverbrach 14,1 Liter pro 100 km) belastete der GTV den Geldbeutel auch mit wiederkehrenden Spritkosten über Gebühr.


Alfa Romeo 2000 GTV (1972) - eines der beliebtesten Sportcoupés der Zeit
Archiv Automobil Revue

Dies beurteilte auch die Automobil Revue ein halbes Jahr später nicht anders, auch hier war von Ausgewogenheit sowie langjähriger und zielbewusster Weiterentwicklung die Rede. 19’300 Franken kostete der 2000 GTV in der Schweiz, für metallisierte Farben waren 55 Franken zusätzlich aufzuwengen, für Kopfstützen 70 Franken, für eine Heckscheibenheizung 215 Franken und für eine Differenzialsperre 300 Franken. Der “Schweizer” Alfa schaffte die 200 km/h nicht ganz (196 km/h) und beschleunigte auch etwas gemächlicher (0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden). Als Ölverbrauch wurden 0,8 Liter pro 1000 Kilometer notiert, damals kein ungebräuchlicher Wert.

Abgelöst durch Alfetta Coupé

Im Mai 1974 stellte Alfa Romeo ein neues GT-Coupé vor. Es basierte auf der Transaxle-Limousine Alfetta und kam anfänglich mit einem 1,8-Liter-Motor als Alfetta GT. Zu Beginn wurden die Bertone-GT-Modelle parallel zu den Italdesign/Giugiaro-Alfetta-Coupés gebaut.


Alfa Romeo Alfetta GT (1975) - windschlüpfriges Coupé auf Limousinen-Basis, Design Giugiaro - Genfer Automobilsalon 1975
Archiv Automobil Revue

Bis 1975 wurden rund 37’500 2000 GTV gebaut, andere Modellvarianten wurden auch noch im Jahr 1976 (und in Südafrika 1977) produziert. Dann war Schluss mit dem “Bertone” bei Alfa Romeo.

Ein ausgewogener Granturismo

Man kann sich dem Urteil der einstigen Testfahrer nur anschliessen, der 2000 GTV ist ein überaus angenehmes Fahrerauto. Er ist über die Jahre gereift wie ein guter Wein. Es ist einfach ihn zu lieben. Das beginnt schon mit dem unkomplizierten Einstieg, der schlüssigen Sitzposition, dem hellen Innenraum, der eine fast uneingeschränkte Rundumsicht garantiert.


Alfa Romeo 2000 GTV (1973) - viel Mattschwarz im Interieur, Holz sorgt für Akzente
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Motor wird mit Zündschloss rechts vom Lenkrad gestartet, die Hand fällt wie von selber auf den Schalthebel gleich rechts daneben, welcher es erlaubt, die Gänge ohne viel Gestänge direkt im Getriebe zu sortieren.


Alfa Romeo 2000 GTV (1973) - mit 67,3 PS pro Liter erreichte der Motor damals eine gute spezifische Leistung
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Motor bietet viel Drehmoment und ordentlich Kraft, so dass man auch in einem fast 50-jährigen GTV schnell in Gefahr gerät, Geschwindigkeitslimiten zu überschreiten.


Alfa Romeo 2000 GTV (1973) - das ideale Auto für enge Landsträsschen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Am schönsten ist es aber sowieso, mit legalen Tempi über geschwungene Landstrassen durch freie Landschaften zu touren, dann kommt das sonore Brummen des “Doppelnockers" gut zur Geltung und man hat auch Zeit, zwischendurch die schönen Instrumente zu bewundern.


Alfa Romeo 2000 GTV (1973) - zeigte damals manchem anderen Sportwagen den Auspuff
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dank kompakten Ausmassen (4,1 Meter Länge, 1,58 Meter Breite, 1,32 Meter Höhe) und einem guten Lenkgefühl lassen sich auch enge Strässchen geniessen und auch die vier Scheibenbremsen können mit der Dynamik immer mithalten.

Und übrigens fuhren die GTV-Coupés, es sei hier noch erwähnt, damals auf 165 HR 14 Reifen, auch wenn heute meist breitere Sohlen aufgezogen werden.

Wir danken der Oldtimer Galerie für die Gelegenheit zur Fotosession. Der Alfa Romeo 2000 GTV von 1973 wird am 17. Oktober 2020 in Toffen versteigert . Der Schätzpreis beläuft sich auf CHF 40’000 bis 45’000, womit der in doch nennenswerten Stückzahlen gebauten GTV eines der raren Autos ist, das seinen Neupreis bis heute verdoppeln konnte.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von be******
10.10.2020 (15:06)
Antworten
Einfach ein Traumauto.. egal wo man fährt wird er von alt bis jung gelobt..
ich bin froh meiner zu haben!
von ro******
07.10.2020 (12:25)
Antworten
1978 hatte meine Schwester einen 1600er. Trotz Froschhaltung ein toll zu fahrendes Auto. Aber nur dank einem begeisterten Schrauber im Bekanntenkreis zu finanzieren. Doppelvergaser...
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Limousine, viertürig, 132 PS, 1962 cm3
Coupé, 132 PS, 1975 cm3
Cabriolet, 132 PS, 1962 cm3
Limousine, viertürig, 105 PS, 1975 cm3
Coupé, 158 PS, 2464 cm3
Cabriolet, 115 PS, 1975 cm3
Coupé, 115 PS, 1975 cm3
Limousine, viertürig, 122 PS, 1962 cm3
Cabriolet, 127 PS, 1962 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Ellikon a.d.Thur, Schweiz

052 337 46 10

Spezialisiert auf Alfa Romeo

Spezialist

Köln, Deutschland

+49-151-401 678 08

Spezialisiert auf Maserati, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Kriens LU, Schweiz

+41 (0)41 310 1515

Spezialisiert auf Fiat, Lancia, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 722 00 00

Spezialisiert auf Lancia, Alfa Romeo, ...

Spezialist

Toffen, Schweiz

+41 31 819 48 41

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Münsingen, Schweiz

+41 31 566 13 70

Spezialisiert auf Ferrari, Maserati, ...

Spezialist

Hamburg, Deutschland

0049-40-6330 5050

Spezialisiert auf Austin, Austin Healey, ...

Spezialist

Muhen, Schweiz

+41793328191

Spezialisiert auf AC, Adler, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...