Alfa Romeo 164 - Limousinen-Schönheit im Laufe der Zeit

Erstellt am 8. April 2015
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Archiv Zwischengas 
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Alfa Romeo / Werk 
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Larry Stevens (Public Domain / Wikipedia) 
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Archiv 
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Als Alfa Romeo im Jahr 1987 den Typ 164 vorstellte, waren seine Tipo-4-Geschwister Lancia Thema, Fiat Croma und Saab 9000 schon Jahre auf dem Markt.

Viermal Tipo 4 - Lancia Thema, Fiat Croma, Saab 9000 und Alfa Romeo 164

Trotzdem war der Alfa Romeo vermutlich der Interessanteste der vier Plattform-Autos.

Lange Vorgeschichte

Bereits früh in den Achtzigerjahren hatte Alfa Romeo an einem Projekt 154 gearbeitet, schon 1981 gab es ein 1:1-Modell einer grossen Alfa-Limousine. 1982 wurde das Projekt an die Entwicklungsplattform “Tipo 4”, deren Startpunkt ins Jahr 1978 zurückging und durch die sich die vier Hersteller Lancia, Fiat, Saab und Alfa Romeo erhofften, Entwicklungskosten einzusparen. Die gemeinsame Plattform war auf eine Frontantriebslimousine der oberen Mittelklasse ausgerichtet.

Pininfarina statt ItalDesign

Durch die Anpassung der technischen Basis wurde auch ein modifiziertes Design für den Alfa Romeo 164 nötig, für welches Enrico Fumia bei Pininfarina verantwortlich zeichnete, während die drei anderen Tipo-4-Autos (Lancia Thema, Fiat Croma und Saab 9000) bei ItalDesign entstanden.


Alfa Romeo Vivace (1986) - Pininfarinas Studie nahm die zukünftige Front des 164 vorweg
Archiv Automobil Revue

Erste Hinweise, auf was kommen würde, lieferte bereits die 1986 gezeigte Studie Pininfarina Vivace, die mit der neuen Limousine die Frontpartie gemeinsam hatte.

Der Alfa Romeo wies ein fast schon geometrisch anmutendes Kleid auf, das kaum runde Linien offenbarte. Entlang der Flanke verlief auf Höhe der Gürtellinie ein deutlich sichtbarer Falz, in den sich auch die Heckleuchten integrierten.


Alfa Romeo 164 (1987) - Serie 1, von Pininfarina gezeichnet
Copyright / Fotograf: Alfa Romeo / Werk

Der keilförmigen Limousine wurde ein sehr guter Luftwiderstandsbeiwert nachgesagt, der mit cw 0.30 für ein Auto dieser Prägung niedrig lag.
Von “einer im Stil aggressiver Limousine, die mit höchsten Leistungen und luxuriösem Raumkomfort überrascht” erzählte der Verkaufsprospekt und tatsächlich bot der 4,56 Meter lange und 1,76 Meter breite Wagen viel Platz für fünf Personen mit reichlich Gepäck (505 Liter Volumen). 

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Verschobene Premiere

Präsentiert wurde der neue Alfa Romeo 164 dann im April 1987, nachdem die auf den Genfer Salon geplante Premiere wegen der Übernahme von Alfa Romeo durch Fiat kurzfristig verschoben werden musste.

Angekündigt wurde dann die offizielle Vorstellung des Alfa Sei Nachfolgers für die IAA in Frankfurt im September 1987.

“Bella macchina”

Während ein Grossteil der technischen Plattform durch die Nutzung der Tipo-4-Plattform gegeben war, entschied sich Alfa Romeo beim Motor für eigene Aggregate. Als Spitzenmotorisierung kam der drei Liter grosse V6 zum Einsatz, den man bereits aus der Sei-Limousine und dem GTV6, aber auch aus dem Typ 75 kannte. Im 164 wurde der Motor quer eingebaut und viel schöner konnte man den klassisch konstruierten Motor kaum präsentieren.


Alfa Romeo 164 3.0 V6 (1990) - die Seele des 164, der V6
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

In ECE-Ausführung leistete der exakt 2959 cm3 grosse Motor 192 PS bei 5600 Umdrehungen, das Drehmoment lag bei 245 Nm bei 2500-3000 Umdrehungen.

Hohe Durchzugskraft bereits aus niedrigen Drehzahlen, ausgeprägte Laufruhe und Drehfreudigkeit waren die markanten Merkmale dieses Sechszylinders mit 60-Grad-Gabelwinkels. Die Katalysator-Variante kam auf 184 PS, stärkere spätere Versionen (Super, QV, Q4) leisteten bis zu 232 PS.

Neben dem V6 wurden auch drei Vierzylinder (2.0 Turbo, 2.0 Twin Spark, 2.5 Turbo-Diesel) angekündigt.

Komplette Ausstattung und attraktive Preise

40’700 Franken verlangte Alfa Romeo für die Dreiliter-Version in der Schweiz, DM 45’200 waren in Deutschland zu bezahlen. Einen BMW 525i gab es zwar für gleich viel Geld, aber mit deutlich weniger Ausstattung. Ein Mercedes-Benz 300 E lag im Preis deutlich höher.

Für den Alfa sprachen zudem das serienmässige ABS, elektrische Fensterheber rundum, eine elektrische Sitzverstellung und der eingebaute Skisack.

Für zusätzliches Geld erhielt man Leichtmetallräder, beheizbare Vordersitze, eine automatische Klimaanlage, ein Schiebedach oder Echtledersitze.


Alfa Romeo 164 (1987) - Interieur der Serie 1
Copyright / Fotograf: Alfa Romeo / Werk

Nur bei den Farben war die Auswahl überschaubar: Rot, Schwarz, Hellblau métallic, Hellgrau métallic, Mythengrün métallic oder Dunkelgrau métallic in Kombination mit einem grauen, blauen oder grünen Velours-Fischgrat-Interieur waren verfügbar.

Begeisterung

Die Automobil Revue gehörte zu einer der ersten Zeitschriften, die einen umfangreichen Test des 1390 kg schweren Alfa Romeo 164 publizieren konnten. “Neben einer gekonnten Gestaltung von Karosserie und Interieur besticht diese italienische Sportlimousine mit einem Temperament, das auch hohen Ansprüchen gerecht zu werden vermag, und sie wartet zudem mit vorbildlichem Verbrauch und interessanten Anschaffungskosten auf; kaum je zuvor hat sich ein grosser Alfa Romeo in günstigerem Licht präsentiert”, lobte das AR-Test-Team und die Aussagen konnten auch durch Zahlen belegt werden. So beschleunigte der katalysatorgereinigte Sechszylinder in 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, erreichte 234 km/h und verbrauchte zwischen 8,8 und 14,0 (im Mittel 10,2) Liter pro 100 km/h.


Alfa Romeo 164 (1990) - Durchsichtszeichnung des Dreiliters
Copyright / Fotograf: Archiv Zwischengas

Deutschlands Journalisten urteilten etwas weniger optimistisch, bemängelten Ergonomiemängel und eine stossige Federung, doch auch die ADAC-Motorwelt-Tester befanden: “Trotzdem hat seit den Tagen der Giulia kein Alfa mehr Freude gemacht”.

Wolfgang König, für die Zeitschrift Auto Motor und Sport am Lenkrad drehend, hatte offensichtlich einen etwas schwereren Gasfuss, denn er verbrauchte 12,6 Liter im Durchschnitt und resümierte: “Ist der Alfa 164 also mehr als nur ein neues schönes Gesicht in der Autolandschaft? Er ist es, nämlich nicht nur schön, sondern auch schön sympathisch und ganz schön konkurrenzfähig.”

Auch heute noch viel Fahrfreude

Man kann die positiven Kritiken der damaligen Tester auch heute noch nachvollziehen, wenn man sich in den Alfa Romeo 164 setzt. Zwar sind die Sitze relativ weich gepolstert und nachgiebig, der Lenkradkranz etwas dünn und die Kunststoffe nicht ganz so hochwertig, wie man das heutzutage erwartet, aber beim Fahren würde man kaum auf die Idee kommen, in einem doch immerhin 25-jährigen Wagen zu sitzen.


Alfa Romeo 164 3.0 V6 (1990) - auch das Interieur wirkt sehr geometrisch
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Sitzposition, Fahrgefühl, Schaltung und Pedalerie überzeugen. Der V6-Motor ist eine wahre Freude, er klingt gut und hängt schön am Gas. Vom Temperament her muss man sich nicht verstecken und bezüglich Übersichtlichkeit und Handling wirkt der Klassiker manchem Auto von heute zumindest ebenbürtig.


Alfa Romeo 164 3.0 V6 (1990) - gerade gezogene Linien entlang der Flanke
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wie stand es doch im Prospekt? “Der Alfa Romeo 164 ist ein aussergewöhnlich temperamentvolles Auto mit einer Linie, die sich auch äusserlich perfekt seinen Besonderheiten anpasst und seine Eleganz nachhaltig  unterstreicht.”

Den ersten Teil des Satzes kann man getrost auch heute noch unterstreichen, beim Design allerdings scheiden sich 30 Jahre nach seiner Entstehung die Geister. Während die einen von einer zeitlos schönen Linienführung sprechen, kritisieren ihn andere als plump und altbacken wirkend. Geschmacksache halt, aber endgültig urteilen sollte man auf jeden Fall erst nach einer Probefahrt.

Und da war da noch


Alfa Romeo 164 Proteo (1991) - Prototyp mit den Zügen des späteren GTV
Copyright / Fotograf: Alfa Romeo / Werk

Auf der Basis des Alfa Romeo 164 entstanden mehrere Konzeptfahrzeuge, so der Proteo im Jahr 1991, welcher optisch den späteren GTV/Spider vorwegnahm und 1997 der ItalDesign Scighera, der technisch nahe an der Limousine lag, formal aber völlig neue Töne anschlug.


Alfa Romeo Scighera (1997) - Konzeptfahrzeug auf Basis der 164-Bodengruppe
Copyright / Fotograf: Larry Stevens (Public Domain / Wikipedia)

Extrem war auch der 164 Pro-Car aus dem Jahr 1988, der im Sinne einer Silhouetten-Formel mit einem Formel-1-Mittelmotor ausgerüstet war und locker 340 km/h erreichte, aber nie zum Einsatz kam, weil die dafür angedachte Rennserie nicht zum Tragen kam.

Erfolgsgeschichte?

Knapp über 273’000 Alfa Romeo 164 wurden zwischen 1988 und 1998 verkauft, dies darf durchaus als Erfolg gewertet werden. Die Dreiliter-Modelle machten davon etwa einen Viertel aus (69’748). Auch Modellpflege liessen die Mailänder der Limousine angedeihen, erstmals im Juli 1990 und dann umfangreichen im Jahr 1992. Im Jahr 1994 erschien die Allrad-Variante Q4.


Alfa Romeo 164 (1994) - modellgepflegte Variante
Copyright / Fotograf: Alfa Romeo / Werk

Abgelöst wurde der 164 durch den 166, die sowohl formal wie auch technisch auf dem Vorgänger aufbaute, allerdings in vielen Punkten verfeinert wurde.

Wir danken der Firma Stalder & Moser , die uns den jugendlich frischen Alfa Romeo 164 für eine Probefahrt zur Verfügung stellte.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von li******
17.04.2018 (10:09)
Antworten
nach dem ich alle deutschen Hersteller gefahren hatte, kam 1989 der 164 3l V6 in meine Hände und das war das erst Auto, dass ich 4 mal gekauft habe, auch den Q4. Ein super Auto! Fahre Heute den Nachfolger und den Vorgänger.
Ein toller Beitrag !!
von ch******
16.04.2017 (07:23)
Antworten
Als Freund der Baureihe E34 von BMW muss ich sagen, der Alfa 164 war ein würdiger Gegner mit sehr gelungenem Design. Für mich eines der schönsten Autos aus den 1980ern. Danke für den Artikel.
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