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Bild (1/3): Adler Trumpf Rennlimousine (1938) - der Kühlerausschnitt wurde immer wieder angepasst (© Darin Schnabel - Courtesy RM Sotheby's, 2015)
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    Adler Trumpf Rennlimousine der Dreissigerjahre - dank fortschrittlicher Aerodynamik zum Klassensieg in Le Mans

    5. August 2015
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Darin Schnabel - Courtesy RM Sotheby's 
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    Die Personenwagen des deutschen Herstellers Adler sind heute kaum noch je zu sehen, obschon Adler 1914 zwanzig Prozent aller in Deutschland zugelassenen Autos liefert und in den Folgejahren meist unter den wichtigsten deutschen Fahrzeugherstellern neben Mercedes, Opel oder Auto Union figurierte. Adler war allerdings nicht nur für Autos bekannt, sondern auch für Motorräder oder sogar Schreibmaschinen.

    Adler Trumpf Rennlimousine (1938) - die aerodynamische Effizienz ist auf Anhieb sichtbar
    © Copyright / Fotograf: Darin Schnabel

    Der Trumpf von 1932

    In der zweiten Hälfte des Jahres 1932 stellten die Adler-Werke einen neuen Wagen vor, der im Gegensatz zum “Standard-Typ” Adler Primus die Kraft nicht über die Hinterräder, sondern über die Vorderräder auf die Strasse brachte. Chefentwickler war Hans-Gustav Röhr und er hatte kräftig am Innovationsrad gedreht.

    Adler Trumpf (1932) - in der Werbung von damals
    © Zwischengas Archiv

    “Es entstand infolge Anwendung des Vorderradantriebs ein ausgesprochener, schon weitgehend 'geschlossener', d. h. organisch durchentwickelter Triebsatz, der alle zum Triebwerk und Lenkwerk gehörigen Teile umfaßt, die Montage vereinfacht, billiger und leichter ist, als Ganzes „einläuft", leicht ausgewechselt werden kann usw.”, schrieb die ADAC Motorwelt bei der Vorstellung und freute sich insbesondere über das Vierganggetriebe, das den nicht sonderlich starken Wagen wunderbar geschmeidig machte. Natürlich waren die Vorderräder einzeln aufgehängt, aber Röhr wählte auch für die Hinterachse seine bereits bei seiner früheren Eigenmarke “Röhr” erfolgreich eingeführte Schwingachsen.

    Als Motor kam der Vierzylinder vom Primus zum Einsatz, obschon parallel an einem 1,5-Liter gearbeitet worden war. Als Fahrleistungen gab der Hersteller für den vier Meter langen und 1,58 Meter breiten Wagen 95 km/h an, als Verbrauch wurden acht bis neun Liter pro 100 km prognostiziert.

    Bei ersten Probefahrten überzeugte der Adler Trumpf, vor allem sein um 100 kg geringeres Gewicht gegenüber dem Primus wurde als Vorteil gesehen.

    “Soweit einige nur stundenlange Probefahrten und Vergleichsversuche beobachten liessen, ist der Fahrkomfort des Adler Trumpf - abgesehen von einer dem Berichterstatter als unerwünscht geltenden Querneigung des Aufbaus bei scharfen Kurven - sehr befriedigend; der Wagen ist elastisch, ein guter Bergsteiger und anscheinend frei von allen Eigenschaften, wie sie die Konkurrenz fortschrittlicher Bauarten immer solange andichtet, bis sie selbst zu der betreffenden Bauweise übergegangen ist”, schrieb Baurat W. E. Fauner in seinem Bericht für die ADAC Motorwelt und zeigte sich optimistisch, dass sich der Frontantrieb schon innert Jahresfirst durchsetzen würde ...

    Aerodynamische Effizienz

    Nun war der Adler Trumpf kein langsamer Wagen, doch die Verantwortlichen der Adler-Werke wollten mehr und so wurden zusammen mit dem Aerodynamik-Experten Baron Reinhard von König-Fachsenfeld auf Basis der Vorarbeiten (und Patente) von Paul Jaray eine windschlüpfige Rennsport-Karosserie entwickelt, die so rein gar nichts mehr mit anderen Motorsport-Gefährten jener Zeit zu tun hatte.

    Adler Trumpf Rennlimousine (1938) - so nahe wie möglich der Tropfenform
    © Copyright / Fotograf: Darin Schnabel

    Komplett in Pontonform ausgelegt und der oberen Hälfte des aerodynamischen Idealkörpers so nahe wie möglich angenäherte zeigte Karosserie bisher fast ungeahnte Talente.

    Insgesamt wurden sechs (andere Quellen sprechen von vier) Exemplare gefertigt, keines gleich wie das andere. Angetrieben wurden sie von einem 1,55-Liter Motor mit rund 55 PS und sie boten zwei Leuten Platz. Ob dies den Begriff “Rennlimousine” rechtfertigte, ist eine andere Frage, aber zumindest war der Wagen geschlossen, während fast alle Rennwagen jener Zeit ein offenes Cockpit hatte.

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    Weltrekorde

    Mit dem 1,5-Liter-Motor ausgerüstet begab sich die Rennlimousine im Jahr 1935 auf Rekordjagd und war in der Lage, die nur wenige Monate vorher erarbeiteten Klassenrekorde von Peugeot in Montlhéry zu übertreffen. Dabei wurden über 10’000 km zurückgelegt, was für jedes Wagenrad rund fünf Millionen Umdrehungen bedeutete. Insgesamt wurde dabei rund 36 Millionen mal gezündet. Über 4000 km fuhr der Wagen einen Schnitt von 128,4 km/h, über 10’000 km betrug die Durchschnittsgeschwindigkeit eindrückliche 126,3 km/h und dies mit einem kleinen und keineswegs besonders starken Motors, ein eindrücklicher Beweis für die aerodynamische Effizienz des Wagens.

    Adler Trumpf Rennlimousine (1935) - bei Rekordfahrten auf der Avus während der Nacht
    © Zwischengas Archiv

    Einsatz in Le Mans

    Für das Jahr 1936 wurde der Adler Trumpf zu den 24 Stunden von Le Mans angemeldet, womit zum ersten Mal seit 1923  wieder ein deutsches Team in der Sarthe am Start gewesen wäre. Doch wegen Unruhen und Streik wurde das Rennen abgesagt.

    Doch ein Jahr später klappte es. Drei Rennlimousinen standen am Start, ergänzt um einen Adler Trumpf Junior, der in der Einliter-Klasse startete. Zwei der Rennlimousinen wurden klassiert. Peter Graf Orssich und Rudolf Sauerwein fuhren auf den sechsten Gesamtrang und wurden als Klassenerste gewertet, Otto Löhr und Paul von Guilleaume fuhren auf Platz 9 ein. Der dritte Wagen mit der Dame Anne-Cecile Rose-Itier und Fritz Huschke von Hanstein musste aufgeben, nachdem ihnen die schwarze Flagge wegen unerlaubter Nachtankpraxis gezeigt wurde. Fritz musste daraufhin die enttäuschte Anne-Cecile stundenlang trösten ....

    Gewonnen wurde das Rennen in Le Mans übrigens vom Bugatti Type 57G Tank, notabene ebenfalls mit einer aerodynamisch optimierten Karosserie, wenn auch mit offenem Cockpit.

    Auch bei weiteren Renn- und Rekordeinsätzen zeigte sich der im Vergleich zur Konkurrenz schwach motorisierte Adler erfolgreich.

    Adler Trumpf Rennlimousine (1938) - so sah optimale Aerodynamik vor 80 Jahren aus
    © Copyright / Fotograf: Darin Schnabel - Courtesy RM Sotheby's
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    Fast verschwunden

    Durch die Kriegsjahre verlor sich die Spur der Adler Trumpf Rennlimousinen, nach dem Krieg aber tauchten sie wieder auf, zumindest teilweise.
    Chassis “167 671”, bei dem es sich gemäss Historiker Martin Schröder um den Le-Mans-Wagen mit Nummer 34, der 1937 auf Platz 9 gewertet wurde, handeln könnte, überlebte. Nach einem Unfall im Jahre 1938 soll die Rennlimousine im Werk mit einer modifizierten Front versehen worden sein und fortan als Ausstellungs- und Demonstrationsfahrzeug gedient haben.

    Nach dem Krieg tauchte der Wagen in Ansbach im Norden Bayerns wieder auf und wurde mit Kennzeichen AB 549-85 für den Strassenverkehr zugelassen. Wenig später gelangte der Wagen nach Amerika und über Umwege in den Besitz  von Joe Gertler, der sogar zwei dieser Rennlimousinen sein Eigen nannte. Schliesslich wurde der Wagen in die Blackhawk-Sammlung integriert und restauriert, wobei einige nachträgliche Veränderungen rückgängig gemacht wurden.

    Adler Trumpf Rennlimousine (1938) - Cockpit
    © Copyright / Fotograf: Darin Schnabel

    Wertvoll

    Jetzt kommt der Wagen am 14. August 2015 bei der RM Sotheby’s Versteigerung in Monterey unter den Hammer. Als Schätzpreis setzten die Experten angesichts der Bedeutung und der Tatsache, dass nur drei dieser Rennlimousinen überlebt haben, USD 1,2 bis 1,8 Millionen an. Ob die Interessenten den augenscheinlich noch mit vielen Originalteilen ausgerüsteten Rennwagen tatsächlich auf einer Stufe mit dem BMW 328 Kamm Coupé oder dem Mercedes-Benz 540 K Stromlinie sehen würden, konnte leider am 14. August 2015 nicht verifiziert werden, da der sich in Schweizer Besitz befindliche Wagen vor der Versteigerung zurückgezogen wurde.

    Epilog

    Die Adler-Werke kehrten nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr in die Autoproduktion zurück, einzig Motorräder durften damals noch gefertigt werden, nach 1957 waren es dann nur noch Büromaschinen.

    SC69-2

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