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AMC Gremlin - die amerikanische Antwort auf den VW Käfer

Erstellt am 8. Januar 2015
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
58
Archiv 
16
AMC Gremlin X (1976) - fährt sich wie andere Amerikaner der Zeit
AMC Gremlin X (1976) - aus Fahrersicht ist kaum ein Unterschied zu grösseren Amis jener Zeit zu spüren
AMC Gremlin X (1976) - das Fahrgefühl wird durch den leistungsschwachen aber hubraumstarken V8 geprägt
AMC Gremlin X (1976) - die Welt der Käfer-Fans sollte Kopf stehen
AMC Gremlin X (1976) - der Gremlin war tatsächlich fast gleich lang wie der VW Käfer
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“Ganz schön schräg” ist der häufig gehörte Kommentar, wenn man in einem AMC Gremlin auftaucht. Und die Leute meinen dabei nicht die Linienführung des Hecks, sondern eher das ganze Auto. Die ungewöhnliche Form macht den Wagen aber auch zum Kultobjekt.

Bild AMC Gremlin X (1976) - jagte dem Käfer viele Käufer ab
AMC Gremlin X (1976) - jagte dem Käfer viele Käufer ab

Gegenschlag

Ende der Sechzigerjahre begannen sich die amerikanischen Hersteller zunehmend wegen der stark wachsenden Importfahrzeuge Sorgen zu machen. Diese stillten insbesondere den Hunger der US-Autofahrer nach kompakteren Wagen. Fast die Hälfte dieser Autos kam von Volkswagen, den Rest teilen sich japanische Firmen mit 35 % und europäische Marken mit 15%. An den günstigen Importfahrzeugen gefielen den Amerikanern, die wegen der steigenden Steuerlast gebeutelt waren, vor allem die geringeren Unterhaltskosten, aber auch die tiefen Anschaffungskosten. Zudem gewannen kleine Wagen an Popularität, weil sie sich leichter fahren und parken liessen.

Nach einigem Zögern beschloss Detroit zu reagieren. Die Nase vorne hatten aber nicht die Grossen wie Ford (Modell Pinto) oder GM (Modell Vega), sondern die American Motors Corporation (AMC).

Entstanden auf einer sehr speziellen Unterlage

Bereits 1966 diskutierten AMC-Designchef Richard A. Teague und Designer Bob Nixon eine Kurzversion des Javelin. Auf einem gemeinsamen Flug, skizzierte Teague das abgeschrägte Heck auf einen der Beutel, die im Flugzeug zur Verfügung stehen, wenn es einem schlecht wird.
Im Jahr darauf trat Nixon in die AMC-Designabteilung ein und gestaltete als erstes den Gremlin, aus dem dann der AMX GT wurde, der als Konzeptfahrzeug an der New York International Auto Show im April 1968 gezeigt wurde.

Prototyp AMX GT 1968

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Porsche 911 2.0 S (1967)
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Der Not gehorchend pragmatisch

Aus Kostengründen musste man dann für die Produktionsvariante auf bestehende Technik und Teile zurückgreifen und so entstand die endgültige Version auf Basis des AMC Hornet, dessen Radstand man um fast 30 cm kürzte.

Bild AMC Hornet Hatchback (1973) - erstmals gezeigt wird das Coupé mit hinterer Hecklappe, ab 19'800 Franken, als Sechs- und Achtzylinder erhältlich - am Genfer Automobilsalon von 1973
AMC Hornet Hatchback (1973) - erstmals gezeigt wird das Coupé mit hinterer Hecklappe, ab 19'800 Franken, als Sechs- und Achtzylinder erhältlich - am Genfer Automobilsalon von 1973

Bis zur A-Säule waren Gremlin und Hornet praktisch identisch, ab da aber ersetzte ein eigenständiges Design die Hornet-Linie, dessen Besonderheit das schräge Kurzheck war. Die Gesamtlänge betrug 4,09 Meter, war also direkt mit der eines VW Käfers vergleichbar, die Breite blieb bei fast 1,8 Meter.

Natürlich litten der Fond- und Kofferraum unter der Kürzung, das Gewicht aber pendelte sich bei mindestens 1,2 Tonnen ein, viel für die Wagenlänge damals.

An den Aufhängungen des Hornet mit vorne einzeln, hinten an einer Starrachse geführten Rädern änderte sich wenig. Auch Getriebe und Differential konnten vom Hornet übernommen werden. Als Motor wurden Reihensechszylinder-Aggregate mit 3,2 oder 3,8 Liter Hubraum mit 130 bis 147 PS eingebaut, die Kraft wurde über ein handgeschaltetes Dreiganggetriebe an die Hinterachse übertragen.

Das Einstiegsmodell verfügte nur über zwei Sitze und über einen nur von innen zugänglichen Kofferraum, teurere Varianten hatten auch eine Fondsitzbank und ein Heckfenster, das Zugang zum Gepäck gab. Optional gab es eine Dreigangautomatik, vordere Scheibenbremsen, Liegesitze, Servolenkung und manches mehr.

Doppelte Weltpremiere

Erstmals öffentlich präsentiert wurde der “erste Kleinwagen Amerikas” am Genfer Automobilsalon im März 1970, wo er als eine der wenigen amerikanischen Neuheiten vom Publikum auch entsprechend beachtet wurde.

Bild AMC Gremlin (1970) - Premiere auf dem Genfer Autosalon 1970
AMC Gremlin (1970) - Premiere auf dem Genfer Autosalon 1970

Die demzufolge zweite offizielle Weltpremiere (!) erlebte der Gremlin dann am New Yorker Autosalon, wie die Automobil Revue im April 1970 wortreich erläuterte:

“Und dann, natürlich, wir haben ja doch etwas, den grossen Schlager, den ersten garantiert echten Minicar: den Gremlin von American Motors.
Stimmt. Da war also der Gremlin, etwas seltsam und hinten abgehackt,
aber doch nicht so seltsam, wie er auf den ersten Photos aussah, und die Ausstellungsleitung regte sich darüber, dass die Amerikaner nun endlich doch einen billigen Wagen ‘made in USA’ kaufen konnten, so sehr auf, dass sie mündlich und schriftlich darauf bestand, der Gremlin erlebe hier in New York seine Weltpremiere - ganz so, als habe es nie einen Genfer Salon gegeben.
Der Gremlin also. Und nur der Gremlin, nichts anderes. Auf dieser internationalen Ausstellung hat die amerikanische Autoindustrie sehr wenig zu bieten, und vor allem nicht die Dinge, die man, wenn man den Puls der öffentlichen Meinung mit halbwegs sensitivem Finger fühlt, rechtens erwarten sollte: marktgängige Wagen, die weniger kosten und die die Atmosphäre nicht vergiften. Statt dessen bekommen die alten Paradepferde nur neue Schabracken ... “

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Der günstigste Wagen aus amerikanischer Produktion

Die Enthaltsamkeit bei der Konstruktion - man hätte auch von einer Plattform-Strategie sprechen können - schlug sich in unschlagbaren Preisen nieder.

Inserat AMC Gremlin 1970

1879 Dollar kostete die zweisitzige Einstiegsvariante im Jahr 1970, damit war der AMC Gremlin der günstigste Wagen aus amerikanischer Produktion und lag auf gleicher Ebene wie der Käfer. Mit dem Gremlin erhielt man aber 2,5 mal mehr Kraft, ähnliche Platzverhältnisse und sogar noch einen engeren Wendekreis.

Positiv empfangen

Die kleine AMC hatte den grossen Drei von Detroit die Show gestohlen und Amerikas erste konsequente Antwort an die Adresse der Importwagen gegeben , was von der Presse natürlich auch entsprechend gerne herausposaunt wurde. Die Zeitschrift Newsweek druckte den neuen Gremlin sogar auf die Frontseite.

Bild AMC Gremlin (1970) - auf dem Cover des Magazins Newsweek am 6. April 1970
AMC Gremlin (1970) - auf dem Cover des Magazins Newsweek am 6. April 1970

Das Feedback war generell wohlwollend und die meisten Kritiker konnten auch dem ungewöhnlichen Styling einiges abgewinnen. Das Paket aus Kompaktheit und gleichzeitig amerikanischer Fahrkultur kam an.

Der Gremlin wurde trendy und so fuhren unter anderem auch spätere amerikanische Präsidenten wie Bill Clinton oder George W. Bush einen dieser “Sub Compacts”.

Stetig verändert

Im Vergleich zu anderen amerikanischen Wagen veränderte sich der Gremlin über seine neunjährige Bauzeit wenig. In den Jahren bis 1976 wurde vor allem am Interieur geschraubt, Ausstattungsvarianten vorgestellt und kleinere optische Modifikationen vorgenommen. 1972 kam ein fünf Liter grosser V8 dazu, der bis 1976 erhältlich war.

Bild AMC Gremlin X 5 Litre (1973) - auch die starke Version wird gerne von zarter Frauenhand präsentiert
AMC Gremlin X 5 Litre (1973) - auch die starke Version wird gerne von zarter Frauenhand präsentiert

1977 wurde dann erstmals auch das Blechkleid vorsichtig angepasst, zudem kam ein bei Audi eingekaufter Vierzylindermotor dazu, der dem bezüglich Trinksitten ins Mittelfeld zurückgefallenen Gremlin Abstinenz anerziehen sollte.

Sondermodelle und Ausstattungen kurbelten die Nachfrage an, so gab es einen Levi’s Gremlin mit Jeans-Interieur samt Taschen auf den Sitzen und den Gremlin X, der besser und sportlicher ausgestattet war.

1979 wurde der Gremlin dann durch den konventionell gezeichneten AMC Spirit abgelöst. 

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Mit Garantie und als Hybrid

Die überdurchschnittliche Zuverlässigkeit des Gremlins erlaubte es AMC 1972, eine zwölfmonatige Garantie, limitiert auf ca. 19’000 km) anzubieten, was einer Neuerung für den amerikanischen Automarkt entsprach.

Der Gremlin brillierte aber nicht nur im Familien- und Junggesellenbetrieb, auch die Polizei nutzte ihn als Dienstwagen und es gab eine spezielle Variante als Sicherheitsfahrzeug, um bei Unfallopfern auf den Schnellstrassen schnell einschreiten zu können.

Bild AMC Gremlin Electric-Hybrid (1970) - Sieger beim "Clean Air Car Race" in den USA 1970 in der Kategorie Hybridfahrzeuge
AMC Gremlin Electric-Hybrid (1970) - Sieger beim "Clean Air Car Race" in den USA 1970 in der Kategorie Hybridfahrzeuge

Findige Köpfe realisierten auch Wasserstoff-, Elektro- und Hybridversionen. Eine davon wurde Kategoriensieger beim “Clean Air Car Race” im Herbst 1970.

Neue Konkurrenz

Dem Gremlin wurde das Feld natürlich nicht kampflos überlassen. Ein Jahr nach seiner Lancierung brachte Ford den Pinto, GM zog mit dem Vega nach. 1974 präsentierte Volkswagen den Golf, der in den USA Rabbit hiess. Diese Wagen übertrumpften den kompromissbehafteten Gremlin bezüglich Raumausnutzung und Treibstoffökonomie.

Wenig Erfolg in Europa

In Europa hatte der Gremlin sowieso einen schwierigen Stand, unorthodoxe Autokäufer konnten dem für hiesige Verhältnisse komfortablen Amerikaner aber durchaus etwas abgewinnen, wie das Beispiel von Hubert Oetterli zeigt:

“Mit dem Geld aus einem unverschuldeten Unfall meines NSU Ro 80 fuhr ich zum d holte einen fabrikneuen roten Gremlin X mit 4,2-Liter-V6 aus dem Showroom. Statt der geforderten 17’500 Franken musste ich nur 17’000 zahlen und war nun statt Besitzer eines dreijährigen NSUs stolzer Neuwagenfahrer geworden. Bingo!
Wir hatten damals noch keine Kinder aber einen sehr schnellen Afghan-Windhund. Weil sich per Zufall herausstellte, dass es sich um ein absolutes Renntalent handelte, gingen wir ab und zu an ein Windhundrennen. Dazu war der Gremlin ideal. Wir legten die Rücksitzlehnen um und öffneten die Heckscheibe, montierten eine Autodecke auf die fixe Bordwand und auf Pfiff juckte Ali ins Auto.
Ich habe immer behauptet, der VW Golf I der kurz danach auf den Markt kam wurde beim Gremlin abgekupfert, allerdings waren die Wolfsburger schlauer und bauten eine Heckklappe ein und zudem Frontantrieb und verbrauchsärmere Triebwerke. Dennoch, der Gremlin machte Spass, ausser im Winter bei Schnee und Glatteis. Die Werkstatt musste man mit Gremlin und Eagle praktisch nie aufsuchen. Der Gremlin erlangte nur nach genügend ‘Sprit’ und ein wenig Öl. Der Reihensechszylinder machte nie Probleme, die Verarbeitung war gut. Und der Wagen war hierzulande selten und in Hingucker!”

Produktionserfolg, aber ...

671’475 Gremlin wurden zwischen 1970 und 1978 produziert, damit war der Wagen ein Erfolg. Gegen die Erfolgsgeschichte des Käfers kam er aber trotzdem nicht an, denn vom Krabbeltier aus Wolfsburg wurden im gleichen Zeitraum rund zehnmal soviele Exemplare (rund sieben Millionen Autos) gebaut.

Bild AMC Gremlin X (1976) - bis zur B-Säule ein normales amerikanisches Auto mit durchaus stattlichen Massen
AMC Gremlin X (1976) - bis zur B-Säule ein normales amerikanisches Auto mit durchaus stattlichen Massen

Kompaktes Muscle Car?

Am Lenkrad des Gremlin fühlt man sich sofort heimisch, wenn man sich mit amerikanischen Autos auskennt. Nach vorne unterscheidet den kompakten Wagen kaum etwas von anderen US-Autos jener Zeit. Die mit dem grössten V8-Motor ausgerüstete Variante X verwöhnt mit kompletter Ausstattung, Servolenkung und einer Dreigangautomatik. Diese wandelt leider einige der 150 Pferdestärken in Schlupf und nicht in Vortrieb, so dass der Eindruck eines kompakten Muscle Cars nur bei sehr beherztem Gaseinsatz aufkommt. Aber flott genug unterwegs ist man mit dem Gremlin allemal.

Bild AMC Gremlin X (1976) - fährt auch um Kurven
AMC Gremlin X (1976) - fährt auch um Kurven

Der Wagen fühlt sich handlich an, die Federung ist erwartungsgemäss weich, die Rundumsicht gut. Nur sparsam ist die Achtzylinder-Variante natürlich nicht, 15 bis 21 Liter pro 100 km sollen damals durch den Fallstrom-Doppelvergaser geflossen sein. Heute nimmt man es gerne etwas gemütlicher, will auch gar nicht wissen, ob der Wagen die 180 km/h-Schwelle wirklich knacken kann.

Kaum hält man an, wird der Wagen von bewundernden Blicken getroffen. Erstaunlich viele Leute können sich an den doch etwas “schrägen” Wagen erinnern, teilweise vielleicht auch dank seinem häufigen Erscheinen in amerikanischen Filmen (zuletzt in “Cars 2”) oder Fernsehproduktionen (u.a. Al Bundy).

Bild AMC Gremlin X (1976) - typische amerikanisches Interieur
AMC Gremlin X (1976) - typische amerikanisches Interieur

Wir danken der Firma allcarta , die uns den hier gezeigten AMC Gremlin X mit Jahrgang 1976, eines von 40’994 produzierten V8-Modellen, zur Verfügung stellte.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Bild AMC Gremlin X (1976) - Amerikas Vorstellung von einem Kompaktfahrzeug
Bild AMC Gremlin X (1976) - mit bescheidener Literleistung
Bild AMC Gremlin X (1976) - Schriftzug auf der Motorhaube - Gremlins sind eine Art Kobolbe
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Bild AMC Gremlin X (1976) - der Gremlin war tatsächlich fast gleich lang wie der VW Käfer
Bild AMC Gremlin X (1976) - jagte dem Käfer viele Käufer ab
Bild AMC Gremlin X (1976) - als Rennwagen war der Gremlin nie gedacht
Bild AMC Gremlin X (1976) - fast gleich lang wie ein Käfer, aber fast doppelt so schwer
Bild AMC Gremlin X (1976) - fährt auch um Kurven
Quelle:
Logo Quelle
von bs******
15.01.2015 (17:58)
Antworten
So stimmt das schon nicht ganz die Antwort auf den Käufer war Chevrolet Corvair mit 6 Zylinder Boxer Luftgekühlt im Heck
Antwort von juerg stucki
16.01.2015 (06:28)
Favicon
Ralph Nader sagte zum Chevy Convair in 1961:
(Auf deutsch uebersetzt etwa so):
das groesste Unfallglaender aller zeiten!
der schwere 6zyl motor hinter der hinterachse war das groesste aller uebel dieses wagens
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