50 Jahre Porsche 911 Targa

Erstellt am 18. September 2015
, Leselänge 6min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Porsche AG 
62

"Das erste serienmässige Sicherheitscabriolet der Welt" - so lautete die Schlagzeile, mit der Porsche im September 1965 den ersten 911 targa auf der Frankfurter IAA präsentierte. Porsche war stolz auf diese neue 911er-Variante mit Überrollbügel und abnehmbarem Faltdach und nach aussen war es die kluge Antwort der Porsche-Ingenieure auf die drohenden amerikanischen Sicherheitsvorschriften.

Selbstbewusst teilte Porsche den Journalisten und Kunden damals mit: "Der targa ist weder ein Cabriolet noch ein Coupé, weder ein Hardtop noch eine Limousine, sondern etwas völlig Neues."


Porsche 911 2,0 targa (1967)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Ab Dezember 1966 produzierte Porsche mit dem targa eine Open-Air-Variante des 911, die an den Erfolg der beliebten 356 Cabriolets anknüpfen sollte.

Die Möglichkeit des schnellen Reisens bei offenem Dach wurde von vielen Kunden geschätzt: Bereits Anfang der Siebziger-Jahre lag der targa-Anteil der 911-Baureihe bei rund 40 Prozent.

Der Begriff Targa ist aus dem Italienischen entlehnt und bedeutet im Deutschen „Schild“. Er wurde vor allem durch die Targa-Florio bekannt, ein von 1906 bis 1977 ausgeführtes berühmtes Langstreckenrennen, bei dem die Zuffenhausner im Laufe ihrer Motorsport-Karriere einige entscheidende Siege erringen konnten.

Weiterentwicklung

Ab dem Modelljahr 1969 gab es eine fest montierte und beheizbare Schutzscheibe aus  Sicherheitsglas im Heck. Bis 1973 entstanden auf Basis des „Urelfers“ insgesamt 23’358 911 Targa und 2’562 Porsche 912 Targa, die zu Grundpreisen zwischen 22.380 DM (911 Targa, 1967) und 34.700 DM (911 S Targa, 1973) verkauft wurden.

Totgesagte leben länger

Seit der Markteinführung des 928 im Jahre 1977 galt der Porsche 911 intern als "Auslaufmodell", das Angebot wurde auf nur zwei Versionen gestrafft: den 911 Turbo und den 911 SC (S für Super und C für Carrera). Doch man unterschätzte die Elfer-Fans, die einfach nicht aufhörten, den 911 zu kaufen.


Porsche 911 SC targa (1981)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Anfang der Achtzigerjahre stand fest, dass die Baureihe 911 nicht eingestellt werden durfte. Von der 204 PS starken Version des 911 SC wurden zwischen 1980 und 1983 nicht weniger als 25’935 Exemplare produziert. Im letzten Modelljahr des G-Modells des Porsche 911 (1989) wurden zudem noch 104 Porsche 911 Turbo Targa gefertigt. Von insgesamt 196’932 produzierten Porsche 911 des G-Modells waren insgesamt 57’349 Targa. Der prozentuale Anteil des Targa am damaligen 911-Modellmix entsprach damit also 29,2 %.

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Stetig optimiert

Durch die strömungstechnisch günstigeren Stossfänger und vor allem auch wegen der Vollverkleidung des Wagenbodens wurde beim Carrera targa ein bis dahin beim 911er unerreicht geringer Luftwiderstand mit einem cw-Wert von 0,32 erzielt. Mit den vielen technischen Neuerungen entsprach der Porsche 911 dieser Generation mit seinen Eigenschaften genau dem, was die 911-er Kunden Ende der Achtzigerjahre von einem modernen Sportwagen erwarteten.


Porsche 911 SC targa (1981)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Stilprägend war und ist vor allem der Targa-Bügel mit dem "targa"-Schriftzug. Über die Jahre prägte sich das Design tief in das Gedächtnis seiner Fahrer und Fans ein.

1975 wurde der silberne Targa-Bügel beim G-Modell des 911 durch einen schwarzen ersetzt, als Allradvariante war der 911 Targa erstmals beim Typ 964 erhältlich. Mit der vierten Generation des 911 (993) erhielt der Targa 1995 ein vollkommen neues Dachkonzept: ein elektrisch betätigtes Glasdach mit seitlich verlaufenden Zierleisten aus Aluminium. Diese neue Konstruktion sorgte für ein offenes Fahrgefühl auch bei geschlossenem Dach und wurde als Design preisgekrönt.


Porsche 993 Targa (1996) - der 993 musste ohne Targa-Bügel auskommen, die Scheibe konnte elektrisch nach hinten geöffnet werden
Copyright / Fotograf: Porsche AG

In der Neuzeit aber besann man sicher wieder der eigenen Tradition und implementierte beim 991 targa wieder den klassischem Bügel.  

Targa-Fahren im Vergleich

Die Markteinführung des neuen targa 4 GTS, genau 50 Jahre nach der ersten Vorstellung des 911 targa 1965, war Anlass für die Bereitstellung von vier verschiedenen targa-Versionen von Porsche im Tessin.


Porsche 911 targa (1967)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Fuhr man die vier Autos in der chronologischen Reihenfolge, so war man bereits vom Ur-targa begeistert. Frühmorgens bei relativ kühlen Aussentemperaturen spürt man den Cabrio-Effekt dank des geöffneten Heckfensters in den schattigen Abschnitten des Maggia-Tales recht deutlich. Die Heizung wird beim Ur-Elfer mit einem kleinen Hebel neben der Handbremse (bekannt vom Käfer) betätigt. Damit wurde die Klappe des Kanals vom Motor in die Schwelle des Fussraums geöffnet. Ein weiterer Schieber lässt zudem noch die Dosierung der Warmluft zu. Die Luft strömt dabei natürlich noch komplett ungefiltert in den Fahrgastraum.

Im Vergleich dazu besitzt der heutige targa 4 GTS eine ausgeklügelte Klimaautomatik, die zum Beispiel alle Klappen dicht macht sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird, um zu verhindern dass die eingesaugte Abgase in die Nase des Fahrers gelangen könnte.

Mehr Leistung, mehr Gewicht

Der perfekt vorbereitete Ur-Elfer lässt sich auf Anhieb begeisternd fahren. Mit den 130 PS fühlt man sich auch heute noch ausreichend bedient. Die Gänge werden über den langen Schalthebel fast ohne den geringsten Widerstand geschaltet. Das Fahrwerk war nicht nur für die damaligen Verhältnisse perfekt abgestimmt. Es ist derartig angenehm zu fahren, dass böse Zungen von einem nachträglich eingebauten Bilstein-Fahrwerk mit verstellbaren Dämpfern sprachen.

Das Leistungsgewicht von 8,3 kg pro PS hat sich in 50 Jahren ziffernmässig komplett gedreht, denn der heutige targa 4 GTS wartet mit 3,8 kg pro PS auf.


Porsche 911 targa (1967)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Klar blieb die Technik nie stehen, aber ganz so gross wie man glauben könnte, sind die Sprünge zwischen den Generationen nicht. Schon gar nicht zwischen den ersten drei.

Der Schalthebel wurde über die Zeit mmer kürzer, dazu stieg die Leistung stetig auch mit dem Gewicht. War der 67er noch mehr Cabrio als targa, so zeigt der 81er 911 SC die wahren targa Qualitäten. Dank dem fixen und beheizbaren Heckfenster ist die in den Innenraum strömende Luft gering und kommt dem Schiebedach nahe. Dieser leichte Luftzug freut die Frisur der Beifahrerin, bietet aber nicht den Frischluftcharakter eines echten Cabrios.

Von Handarbeit zur fortgeschrittenen Robotik

Wurde bei den ersten drei Varianten die Dachmitte mit wenigen einfachen Handgriffen geöffnet und im Kofferraum verstaut, so setzt der aktuelle targa einen gigantischen technischen Apparat in Bewegung, um dieses kleine Stück Dach verschwinden zu lassen. Erst öffnet sich die Heckscheibe nach hinten, dann gehen zwei Klappen rechts und links am Targabügel auf, bis dann endlich das Dach Mittelteil nach hinten unter die Heckscheibe gefahren wird und sich Klappen wie Heckscheibe wieder schliessen. Hightech mit ultraleichten Materialien auf höchstem Niveau. Der heutige Kunde will es wohl so, obwohl die klassische Variante nicht viel langsamer ist und man dabei noch an seinem geliebten Auto selbst Hand anlegen kann.


Porsche 911 Targa (2015)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Natürlich fährt sich das aktuelle Auto schneller und sicherer, es bietet aber auch viele “Features”, die man eigentlich gar nicht braucht, oder besser nicht mit Knöpfen über Elektronik abrufen möchte.

Ein Sportwagen sollte doch von Anfang an und in jeder Verkehrslage ein Sportwagen sein. Das Fahrwerk immer und überall straff, der Motor zu jedem Zeitpunkt lautstark und charakteristisch klingen. Leider lässt die heutige Gesellschaft diese logischen Sportwagen-Elemente nicht mehr zu und so werden Klappen und Soundsysteme, harte wie weiche Fahrwerkseinstellungen mit der dazugehörenden gewichtssteigernden Elektronik im Auto verbaut.


Porsche 911 SC targa (1981)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Der SC war ein Sportwagen ohne all diese Elemente, der luftgekühlte Boxer im Heck bekommt nie einen Stimmbruch und klingt auf der Autobahn wie an der Ampel immer genau gleich: Satt und kraftvoll.  


Porsche 911 Carrera targa (1993)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Der 93er targa Carrera (Typ 964) ist und bleibt wohl der ausgewogenste Porsche 911 mit genau den richtigen Eigenschaften. Der 250 PS starke 3,6 Liter Motor bringt satte 250 PS auf dien Strasse, was bis heute wahres Sportwagen-Feeling vermittelt. Die Bremsen sind bereits typisch Porsche, sprich Spitzenklasse. Die Optik des 964 besticht mit klaren Linien und knappen Abmessungen.

Dazu kommt der Sound, wie ihn nur ein wirklich luftgekühlter Sechszylinder-Boxer verströmen kann, ein Klangbild, das immer und überall begeistert und selbst noch nach getaner Fahrt in den Ohren hallt.

Technische Daten im Vergleich

Typ 911 2.0 targa 911 SC targa 964 Carrera targa Porsche 993 targa 991 targa 4 GTS
Baujahr 1967 1981 1993 1996 2015
Anz. Zylinder 6 6 6 6 6
Bauweise Boxer Boxer Boxer Boxer Boxer
Kühlung Luft Luft Luft Luft Wasser
Hubraum ccm 1991 2994 3600 3600 3800
Leistung PS 130 204 250 286 400
Leistung kW 96 150 250 210 294
Höchstgeschwindigkeit km/h 210 235 260 275 296
Länge cm 416 429 425 424.5 449.1
Breite cm 161 165 165 173.5 180.8
Höhe cm 132 132 131 130 130
Gewicht kg (ca.) 1080 1160 1350 1400 1500

Porsche 911 targa (1967)
Copyright / Fotograf: Porsche AG

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von sw******
22.05.2017 (14:45)
Antworten
Does anybody know the catalog price (Manufacturer Suggested Retail Price, Neulist Preise) of a 1988 Porsche 911 Carrera Targa?
von am******
01.03.2016 (20:48)
Antworten
der Fehler liegt vor allem in der kw Zahl des 964. Das waren damals sicher nicht 250.
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