Zukunft trifft auf Vergangenheit - Digitalisierung eines Ford Eifel

Erstellt am 4. Dezember 2017
, Leselänge 3min
Text:
Andrei Vakulenko (Artec 3D)
Fotos:
Daniel Reinhard 
1
Artec 3D / Classic-Car.TV 
6
Bruno von Rotz 
4

Wie lässt sich ein sehr seltener Oldtimer vermessen und erfassen, um den Ist-Zustand zu dokumentieren, ihn für die Nachwelt zu konservieren und Ersatzteile im Falle eines Unfalls oder Schadens herzustellen? Vor dieser Mammutaufgabe standen die Macher von Classic-Car.TV mit ihren alten Autos bereits des Öfteren. Sie setzen sich leidenschaftlich für ältere Fahrzeuge ein.


Bauähnlicher Ford Eifel mit Gläser-Karosserie an der Techno Classica 2014
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Bisher wurden die Oldies manuell mit Schablonenrahmen erstellt. Bei dieser traditionellen Vorgehensweise wird ein Rahmen um das Fahrzeug geführt und scheibenweise grafisch abgenommen. Aus den herausgebildeten Querschnitten entstehen dann Holzgerippe, die seine Form wiedergeben. Der Nachteil an der Sache: Diese Methode ist sehr teuer, zeitaufwendig und oft auch nicht sonderlich genau.

Einsatz von 3D-Scannern am Oldtimer

Der Einsatz von 3D-Scannern spart Zeit, Kosten und liefert präzisere Ergebnisse. Das Ziel besteht darin, im Laufe der Zeit eine permanent wachsende Datenbank an 3D-Modellen für Oldtimer zu entwickeln. Die Scans von einzelnen Bauteilen können jedoch auch für ein Reverse-Engineering verwendet werden. Bei dieser Technik, auch Nachkonstruktion genannt, werden bereits existierende Teile untersucht und nachgebaut, um sie besser duplizieren und somit Ersatzteile herstellen zu können.

Anders ausgedrückt: Aus fertigen Objekten entsteht nachträglich ein Bauplan. Dies ist bei Raritäten wie dem Ford Eifel mit Gläser-Karosserie besonders wichtig, falls diese einen Schaden erleiden. Bei diesem Oldtimer fehlt zum Beispiel das versenkbare Verdeck, das nun nachgebildet werden kann. Darüber hinaus wollte der Besitzer den Zustand des Wagens so gut wie möglich dokumentieren – inklusive dreidimensionaler Vermessung. Die Daten können auch beim 3D-Druck zum Einsatz kommen – vom Ford existiert bereits ein Modell im Maßstab 1:4.

Innovative Technik

An dieser Stelle kamen die 3D-Scanner von Artec 3D und die Münchner Hightech-Werkstatt MakerSpace der UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München ins Spiel. Artec 3D unterstützt das europaweit erste offene Werkstattkonzept mit seinen 3D-Scannern Artec Eva und Space Spider. Auf 1500 Quadratmetern befinden sich unterschiedliche Werkbereiche wie Maschinen-, Metall- und Holzwerkstatt sowie Textil- und Elektroverarbeitung.


Ford Eifel Gläser Cabriolet (1937) - Arbeit mit dem Artec-Handscanner im Innenraum
Copyright / Fotograf: Artec 3D / Classic-Car.TV

Auch das Team von Classic-Car.TV zog es in die Innovationswerkstatt. Mit dem Ford Eifel, einem Einzelstück aus dem Jahr 1937, wurde Neuland betreten, als es für seinen stolzen Besitzer komplett mit den 3D-Handscannern erfasst und digitalisiert wurde. Das Fahrzeug verfügt über eine spezielle Karosserie von Gläser und gilt deshalb als Unikat, das jede erdenkliche Mühe verdient. „Unsere Kompetenz liegt in der Darstellung von Restaurationsmethoden für Oldtimer“, erklärt Classic-Car.TV-Macher Kay MacKenneth. „Moderne Technik hält auch hier immer stärker Einzug.“

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Land Rover Series 1 86 Inch (1955)
Rolls Royce Silver Shadow II (1980)
Rolls-Royce CORNICHE Coupé (1976)
+41 62 788 79 20
Safenwil, Schweiz

3D-Scanner liefern hochwertige Daten bis ins kleinste Detail

Das Team sammelte mit den beiden Artec-3D-Handscannern Eva und Space Spider möglichst viele Daten über den 80-jährigen Ford. Je mehr Informationen über die Karosserie des Wagens vorliegen, desto einfacher fällt später das Matching der weiteren Scans und Details. Auf der anderen Seite sollen auch nicht zu viele Scanvorgänge durchgeführt werden, da bei jedem Durchgang enorm große Datenmengen anfallen – leistungsfähige Rechner zählen also zum Pflichtprogramm.


Ford Eifel Gläser Cabriolet (1937) - vorbereitet für die 3D-Digitalisierung
Copyright / Fotograf: Artec 3D / Classic-Car.TV

Als hilfreich erwies sich, dass der betagte Ford eine matte Rostschutz-Grundierung und keine glänzende Lackierung besitzt – das gestaltet das Scannen leichter und vermeidet den Einsatz von Kreidespray. Mit Artec Eva scannten die Männer das Außenkleid, den Innenraum und den Holzrahmen des Oldtimers sowie den gesamten Leiterrahmen, auf dem die Karosserie ruht. Diese Vorgehensweise ermöglicht es neben der digitalen Vermessung, fehlende Versteifungen zu orten und diese selbst herzustellen.


Ford Eifel Gläser Cabriolet (1937) - Digitalisierung des Leiterrahmens
Copyright / Fotograf: Artec 3D / Classic-Car.TV

Damit allein war es aber noch nicht getan: Der Oldie wurde zerlegt, um auch an seine nicht so leicht zugänglichen Teile zu gelangen. An dieser Stelle kam Space Spider ins Spiel: Er erfasst die Einzelteile in hoher Auflösung und ist damit hervorragend für die detaillierte Digitalisierung geeignet.

Verschmelzung der Scans

Zusammengeführt und verbunden wurden die einzelnen Scans anschließend in der 3D-Modellierungssoftware Artec Studio, die 3D-Modelle von eingescannten Objekten erstellt. Bei diesem Vorgang wird die Punktewolke permanent auf eventuell vorhandene Löcher überprüft. Die Scans am Ford verliefen flüssig. Nur an manchen Ecken oder Hohlräumen, die zu verwinkelt waren, um sie zu erfassen, musste nachgearbeitet werden.


Ford Eifel Gläser Cabriolet (1937) - Ergebnis - der digitalisierte Oldtimer im Artec Studio
Copyright / Fotograf: Artec 3D / Classic-Car.TV

Das Ergebnis: ein digitaler Oldtimer in 3D

Am Ende des Prozesses entstehen am Rechner eine komplette Punktewolke, ein Polygonmodell samt Farbinformationen. Mithilfe dieser umfassenden 3D-Daten lässt sich die Restauration des Wagens leicht begleiten. Das geschlossene Volumenmodell im 1:1-Format kann nun dafür verwendet werden, einen 3D-Druck, Klopfformen für Blecharbeiten oder Ersatzteile zu erstellen. Das seltene Einzelstück ist dank der 3D-Scanner von Artec 3D zu einem digitalen Oldtimer geworden, der für die Nachwelt, Autofans und seinen Besitzer konserviert wurde.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von uw******
01.10.2020 (17:50)
Antworten
Mit den neuesten Entwicklungen in der Welt des 3D-Scannens erhalten Sie in nur wenigen Minuten genaue Messungen Ihres Körpers. Texel hat eine einzigartige Technologie entwickelt, um automatisch ein 3D-Modell zu erstellen, ohne die Geräusche auf dem Modell manuell zu korrigieren. Die Montage des 3D-Scanners Texel Portal MX dauert nur 15 Minuten. Die Kalibrierung erfolgt automatisch.
https://texel.graphics/de/3d-scanners/portal-mx/
von ak******
05.12.2017 (15:33)
Antworten
Hier wird der Eindruck erweckt, das sei was Neues, tatsächlich haben wir diese Methode seit über 6 Jahren im Einsatz und schon weit über hundert Oldtimer digitalisiert und Teile (Motor/Achsen/Getriebe etc) oder ganze Karosserien nachgefertigt.
Siehe www.3d-auto-scan.de
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.

Markenseiten

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Coupé, 78 PS, 2355 cm3
Cabriolet, 78 PS, 2355 cm3
Roadster, 39 PS, 3285 cm3
Tourer, 40 PS, 3285 cm3
Coupé, 40 PS, 3285 cm3
Cabriolet, 40 PS, 3285 cm3
Geländewagen, 60 PS, 2199 cm3
Cabriolet, 260 PS, 6555 cm3
Coupé, 210 PS, 4950 cm3
Cabriolet, 210 PS, 4735 cm3
Coupé, 210 PS, 4735 cm3
Cabriolet, 120 PS, 3277 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Amtserdam, Niederlande

Spezialisiert auf Ford, Jaguar, ...

Spezialist

Schoten, Belgien

+32 475 42 27 90

Spezialisiert auf Lola, De Tomaso, ...

Spezialist

Schinznach-Dorf, Schweiz

+41564501132

Spezialisiert auf Alfa Romeo, Audi, ...

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 150'000 Besucher pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.