Verhaltene Bieter an der ersten Fischer Classic Car Versteigerung in Luzern am 28. Mai 2016

Erstellt am 30. Mai 2016
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard - Courtesy Galerie Fischer Auktionen AG 
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Bruno von Rotz 
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Courtesy Galerie Fischer Auktionen AG 
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Es war eine Premiere. Die Galerie Fischer, ein bekanntes Kunstauktionshaus aus der Innerschweiz, führte anlässlich der Swiss Classic World in Luzern ihre erste Automobilversteigerung durch.


Das Interesse an der Versteigerung war gross, Jaguar und Mercedes wurden aber nicht verkauft - Versteigerung Galerie Fischer Classic Car anlässlich der Swiss Classic World in Luzern am 28. Mai 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Akribische Vorbereitung

Man hatte nichts dem Zufall überlassen. Gerade, weil es die erste Fahrzeugauktion war, wollte man bei der Galerie Fischer sicher gehen, dass bezüglich Fahrzeugauswahl, Dokumentation und Kommunikation alles dem eigenen hohen Standard entsprach, wie man ihn auch bei Kunstauktionen einhielt. Entsprechend hatten alle mindestens dreissigjährigen Fahrzeuge einen FIVA-Pass und waren umfangreich dokumentiert.

Alle Autos befanden sich in gutem oder sehr gutem Zustand. Der Katalog war von hoher Güte und wurde aus Insider- und Käuferkreisen anerkennend zur Kenntnis genommen.

Verhaltene Stimmung

Dann kam der grosse Tag. Die Fahrzeuge wurden ab Freitag den 27. Mai 2016 an der Swiss Classic World in Luzern präsentiert und konnten eingehend begutachtet werden. Die Versteigerung selber erfolgte dann am Samstag, den 28. Mai 2016 ab 17:00 Uhr.


Voll gefüllter "Saal" bei der Fischer-Versteigerung - an Interesse mangelte es nicht - Versteigerung Galerie Fischer Classic Car anlässlich der Swiss Classic World in Luzern am 28. Mai 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der “Saal” war voll, mit Ausnahme der offenbar unbeliebten ersten Reihe waren praktisch alle Stühle besetzt, die Spannung gross. Mit einem gut aufgemachten Video und einigen einleitenden Worten wurde die Versteigerung, die live auf zwei Online-Auktionsplattformen übertragen wurde, gestartet. Drei Damen nahmen zudem telefonische Angebote entgegen. Für viele der Fahrzeuge lagen schriftliche Vorgebote vor.


VW Käfer 1303 LS Cabrio (1979) - als Lot 01 angeboten an der Versteigerung der Galerie Fischer am 28. Mai 2016 anlässlich der Swiss Classic World
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard - Courtesy Galerie Fischer Auktionen AG

Doch bereits das erste Fahrzeug blieb unter dem Mindestpreis stehen, statt der erwarteten CHF 34’000 bis 38’000 wurden nur 30’000 für das hübsche schwarze Käfer 1303 Cabriolet geboten. Für das Publikum im Saal war dann nicht ganz klar, ob der Wagen nun zugeschlagen sei oder nicht. Erst im Nachhinein war klar, das Cabrio war nicht verkauft. Der Einlieferer hatte mehr erwartet.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Lancia Aurelia B52 Vignale Coupé (1952)
Mercedes-Benz 370 S Mannheim Sport Cabriolet (1932)
Porsche 208 Standard (1958)
Fiat Giannini 650 NP (1972)
+41 31 819 48 41
Toffen, Schweiz

Stagnierende Preise? Abwartende Käufer?

Auch die folgenden Fahrzeuge teilten das Schicksal des Käfers. Immer erreichten die Gebote durchaus eine respektable Höhe, aber nicht den geforderten Mindestpreis. Kuno Fischer verzichtete auf die bei anderen Versteigerungen durchaus nicht üblichen Zuschläge auf Vorbehalt, aus seiner Sicht war ein Auto verkauft oder eben nicht. Für die Bieter hatte dies den Vorteil, dass sie ihren geplanten Einsatz nicht blockierten und entsprechend noch auf ein weiteres Fahrzeug setzen konnten.


Morgan 4-4 Sport (1936) - als Lot 06 angeboten an der Versteigerung der Galerie Fischer am 28. Mai 2016 anlässlich der Swiss Classic World
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard - Courtesy Galerie Fischer Auktionen AG

Trotzdem war es natürlich schade, dass derart rare Klassiker wie der Morgan 4-4 von 1936, immerhin vermutlich der älteste vierrädrige Morgan weltweit, der noch auf der Strasse ist, oder der Singer Le Mans 1.5 Litre aus dem selben Jahr, keinen neuen Besitzer fanden. Offenbar warteten viele Interessenten angesichts der in letzter Zeit eher stagnierenden Preise zu.

Günstige Zuschläge

Mit dem Maserati Mistral 3700 GT von 1966 konnte dann das Schicksal gewendet werden, für CHF 96’600 oder EUR 87’027 fand er in eine neue Garage.


Der Jaguar XK 120 OTS von 1952 fand für CHF 103'500 oder EUR 93'243 einen neuen Käufer - Versteigerung Galerie Fischer Classic Car anlässlich der Swiss Classic World in Luzern am 28. Mai 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Gleiches galt für den herrlichen silberfarbigen Jaguar XK 120 OTS von 1952, der dem neuen Besitzer CHF 103’500 oder EUR 93’243 wert war.


Der ex-Martina-Hingis-Porsche wurde für CHF 29'900 oder EUR 26'937 verkauft - Versteigerung Galerie Fischer Classic Car anlässlich der Swiss Classic World in Luzern am 28. Mai 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Auch der ex-Martina-Hingis-Porsche 996 von 1997, einem der ersten produzierten Fahrzeuge dieser Baureihe, konnte erfolgreich zugeschlagen werden. Für CHF 29’900 oder EUR 26’937 ging er in neue Hände über.

Einen echten Exoten mit Kunststoffkarosserie erhielt auch der Käufer des Jensen 541 L von 1956 zu einem attraktiven Preis von CHF 88’550 oder EUR 79’775, während die Pagode, ein Mercedes-Benz 280 SL von 1968 für CHF 92’000 oder EUR 82’883 an einen Internet-Bieter ging.

Highlights unter dem Limit

Angesichts der doch recht hohen Estimates und relativ hohen Erwartungen der Besitzer blieben viele Wagen unverkauft. Darunter war auch der als Höhepunkt angekündigte Alfa Romeo 6C 1750 Gransport Spider mit Zagato-Karosserie aus dem Jahr 1930. Mehr als CHF 1,2 Millionen wollte kein Interessent bieten.


Trotz einigen Interessenten wurden im Saal nicht mehr als 1,2 Millionen Franken für den herrlichen Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider Zagato von 1930 geboten - Versteigerung Galerie Fischer Classic Car anlässlich der Swiss Classic World in Luzern am 28. Mai 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nicht auf den Mindestpreis kam auch der Ferrari 365 GTC/4 als Spider von 1971. Das äusserst elegant wirkende dunkelblaue Cabriolet blieb bei sicherlich günstigen CHF 280’000 stehen.

Manöverkritik

Kuno Fischer war angesichts der erreichten Ergebnisse nicht gerade euphorisch gestimmt am Tag nach der Versteigerung. Aber er brauchte sind keine Sünden vorzuwerfen. Einzig bei der Dramaturgie der Versteigerung wären vielleicht noch mehr Auflockerungen möglich gewesen, wenn man beispielsweise die Autos vor der Bühne hätte durchfahren lassen oder zwischendurch ein Video gezeigt hätte. Ob dies die Interessenten bietfreudiger gemacht hätte, bleibt offen.


Der Mercedes-Benz 300S fand trotz grossem Interesse an der Auktion selber keinen neuen Besitzer - Versteigerung Galerie Fischer Classic Car anlässlich der Swiss Classic World in Luzern am 28. Mai 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Überraschenderweise hatten sich auch Interessenten, die vorgängig klare Kaufabsichten geäussert hatten, am Versteigerungsabend zurückgehalten.  Es entspricht halt vielleicht ein wenig der Schweizer Art, abzuwarten und auf die richtige Gelegenheit zu warten. Und angesichts der momentan verhaltenen Stimmung im Markt, die sich auch an anderen Versteigerungen der letzten Zeit zeigte, kann man es den Käufern nicht verübeln, wenn sie nicht alle Preisvorstellungen der Verkäufer mittragen. Fischer jedenfalls gab sich überzeugt, dass wohl einige der Autos noch nach der Auktion den Besitzer wechseln würden (Nachverkauf).

Kuno Fischer will auch nächstes Jahr zusammen mit Frank Lutz (Franks Originale) und Bernd Link (Swiss Classic World Luzern) eine Versteigerung durchführen, finale Entscheide seien allerdings noch nicht gefällt. Mit dem Erstling wurde gezeigt, dass man das Handwerk versteht und offenbar sind bereits erste Fahrzeuge für das nächste Mal angekündigt worden. Man darf also schon jetzt auf die nächste Swiss Classic World gespannt sein.

Ergebnisse

Die folgende Liste zeigt alle 23 an der Auktion angebotenen Fahrzeuge mit Schätzpreisen in CHF und Höchstgeboten in CHF und EUR an. Direkt an der Versteigerung verkaufte Fahrzeuge weisen zudem einen Verkaufspreis (inkl. Aufpreis/Kommissionen, 15%) auf. Die Umrechnung erfolgte zum Tageskurs: 1 EUR = 1.11 CHF.  In der Spalte "% Est" werden die Höchstgebote mit dem mittleren Schätzpreis verglichen.
Alle Angaben ohne Gewähr.

Die Liste kann durch Klicken auf die Spaltenüberschriften nach Belieben sortiert werden.

Lot Fahrzeug Jahr CHF Est von CHF Est bis CHF HGebot € HGebot % Est CHF VPreis € VPreis
1 VW Käfer 1303 Cabriolet 1979 34000 38000 32000 28829 0.89    
2 Morgan 4-4 Sport 1936 40000 60000 38000 34234 0.76    
3 Mercedes-Benz 250 SE Coupé 1967 62000 82000 61000 54955 0.85    
4 Austin-Healey 100 Six (BN6) 1958 70000 90000 68000 61261 0.85    
5 Ferrari 308 GTS 1979 110000 130000 90000 81081 0.75    
6 Singer 1,5 Litre Sport Le Mans 1936 110000 130000 100000 90090 0.83    
7 Jaguar E-Type S1 3.8 Coupé 1962 185000 215000 170000 153153 0.85    
8 Maserati 3700 GT Mistral 1966 80000 120000 84000 75676 0.84 96600 87027
9 Austin-Healey 3000 Mk2 (BN7) 1962 98000 118000 95000 85586 0.88    
10 Alfa Romeo 6C 1750 GS Zagato 1930 a.A.   1200000 1081081      
11 Jaguar XK120 OTS 1952 90000 110000 90000 81081 0.9 103500 93243
12 Ferrari 365 GTC/4 Spider Conversion 1971 300000 340000 280000 252252 0.88    
13 Porsche 996 1997 22000 28000 26000 23423 1.04 29900 26937
14 Delahaye 122 Brookland Special 1933 210000 240000 190000 171171 0.84    
15 Mercedes-Benz 300S Roadster 1953 650000 850000 600000 540541 0.8    
16 Fiat 1600S OSCA Spider 1963 44000 48000 42000 37838 0.91    
17 AC Aceca 1955 165000 185000 150000 135135 0.86    
18 Bentley S2 Continental DHC Park Ward 1961 300000 350000 290000 261261 0.89    
19 Mercedes-Benz 220 Seb Cabriolet 1962 160000 180000 140000 126126 0.82    
20 Jensen 541L 1956 77000 87000 77000 69369 0.94 88550 79775
21 Bentley Derby 3,5 Litre DHC 1934 157000 187000 155000 139640 0.9    
22 Mercedes-Benz 280 SL 1968 80000 120000 80000 72072 0.8 92000 82883
23 Mercedes-Benz 190E 2.5 16V EVO I 1989 65000 85000 62000 55856 0.83    

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von sa******
31.05.2016 (15:33)
Antworten
Ich war als Zuschauer an der Versteigerung. Diese Versteigerung war emotionslos. Der Hammer viel jeweils viel zu schnell. Der Versteigerer konnte die Bieter nicht animieren zu bieten. Man merkte dass der Ganter kein Fachmann oder Enthusiast von Oldtimer ist. Herr Fischer sollte sich mal eine Gant auf einem Bauernhof ansehen. Die Hochglanzbroschüre wirkte eher kontraproduktiv. Es fehlten günstigere Angebote für das Fussvolk.
von Mu******
31.05.2016 (15:03)
Antworten
Diese Versteigerung zeigt doch deutlich, dass die Bieter nicht mehr bereit sind, jeden Preis zu akzeptieren. Es ist eine Tatsache, dass die Preise in den letzten Monaten stark am stagnieren sind oder sogar fallen. Echtes Garagengold ist rar geworden und bezieht sich wirklich nur noch auf ganz spezielle Fahrzeuge. Sogenannte 'normale Veteranen' können nicht mehr im ihrem Sog nachziehen. Es hat heute auf dem freien Markt eine sehr grosse Menge von sehr schönen und guten Fahrzeugen, die man teilweise zu ganz tollen Preisen erstehen kann. Da ist es nur verständlich, dass die Leute gerne auf 15 % Auktionskosten verzichten. Ich glaube, es muss generell eine Korrektur nach unten vorgenommen werden, denn die in den letzten Monaten erfolgten Preis-Explosionen machen ganz viele echte Fans einfach nicht mehr mit. Das schnelle Geld lässt sich mit normalen Oldtimern nicht mehr so leicht machen. Dies ist eigentlich für die Veteranenszene eine gute und gesunde Sache.
Antwort von co******
31.05.2016 (15:46)
Der Mann hat recht, die Ausrufpreise waren zu hoch. Vielleicht hatte es auch nicht die richtige Klientel, wer weiss. Fischer soll weitermachen, die Auktion war ein Anfang.
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