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Gedanken zur Sicherheit im historischen Motorsport

Erstellt am 21. Juni 2012
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
9
Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Rundstrecke mit Kiesbett als Sicherheitszone
Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Das Fahrzeug nach einem Unfall schnell aus der Gefahrenzone bringen
Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Historische Rennwagen sind oft fragil gebaut, Sicherheitszellen gab es damals noch keine
Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Ein übler Crash im historischen Rennsport hat oft schlimmere Folgen als im modernen Rennsport
Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Demonstrationsfahrten

An einem Frühlingsnachmittag unterhielt sich Daniel Reinhard mit Joe Wyss von Auto Sport Schweiz (ASS) über die Sicherheit im historischen Motorsport in der Schweiz. Dieser Text gibt die Äusserungen und Meinungen von Joe Wyss wieder.

Ein Unfall kann nie ausgeschlossen werden

Wir dürfen uns mittlerweile über zahlreiche historische Veranstaltungen in der Schweiz erfreuen. Meist sind sie als Berg-„Rennen“ oder „Fahrt“ ausgeschrieben und erfreuen sich eines regen Zuspruchs.

Wie sollte so eine Veranstaltung aufgebaut sein, um auch dem Sicherheitsaspekt zu genügen. Ein Unfall kann ja leider nie ausgeschlossen werden. „Wo sich etwas bewegt, kann etwas passieren“, ist ein oft gehörter Spruch.

Der Rennsport hat sowohl international als auch national in Sachen Sicherheit seit den Neunzigerjahren Riesenschritte vorwärts gemacht. So ist es heute auch möglich. Bewilligungen für die unterschiedlichsten Veranstaltungen zu bekommen. Klar, Rundstreckenrennen sind und bleiben vorerst noch verboten. Ich wage zu behaupten, dass unsere Generation kein Rennen mehr auf einer permanenten Schweizer Rennstrecke erleben wird. Also schützen wir doch das, was wir haben.

Für die einzelnen Veranstaltungen trägt jeder einzelne von uns, ob Teilnehmer, Funktionär oder auch Zuschauer, bewusst oder unbewusst eine grosse Mitverantwortung. Ein einziger Unfall mit Todesfolge könnte verheerende Folgen nach sich ziehen.

Rennen versus Fahrten

Es gibt zwei Arten, wie eine Veranstaltung durchgeführt werden kann. Als Bergrennen (so schnell wie nur möglich), oder aber als Bergfahrt (wo ein Schnitt von höchstens 49,9 km/h gefahren werden darf). Oft fahren beide Gruppen gleichzeitig. Nehmen wir das Beispiel  Arosa ClassicCar. Einmal im Jahr wird die Strecke zur offiziellen Rennstrecke umfunktioniert, das heisst, es werden alle Sicherheitsmassnahmen, welche heute gefordert werden, umgesetzt. Diese Absicherung kommt dabei nicht nur den lizenzierten schnellen Fahrern mit ihren reinrassigen Rennwagen zugute, nein, auch der auf Gleichmässigkeit fahrende Mitbewerber kann davon nur positiv profitieren. Im Vorkriegsrennwagen ist ein Schnitt von 49,9 schon richtig zügig und bei alten Autos, auch wenn sie noch so gut vorbereitet wurden, kann immer einmal eine plötzliche Materialermüdung auftreten. Wer wäre in einem solchem Moment nicht froh um eine professionell abgesicherte Strecke?

Sicherheit auf der nicht permanenten Rennstrecke

Wer ist verantwortlich für die Sicherheit einer „Rennstrecke“ und wie erreicht man einen möglichst hohen Sicherheitsstandard?
Wird ein Gesuch für eine Tempo-Veranstaltung eingeholt, so stellt der ASS (Auto Sport Schweiz) ein Komitee kompetenter und erfahrener Leute wie Fredy Amweg, Joe Wyss, Roland Piquert, Ueli Schneiter oder Peter Flückiger zur Verfügung, um mit dem Veranstalter erste Abklärungen zu treffen. Die Strecke wird dabei nach folgenden Kriterien unter die Lupe genommen: Was kann wo passieren und was ist die Minimalanforderung, die vom Veranstalter erfüllt werden MUSS! Es wird dabei ein Streckenprotokoll mit genauen Aufzeichnungen erstellt. In erster Priorität geht es dabei um die Sicherheit der Zuschauer, in zweiter Linie um die der Funktionäre und Fahrer. Kurz vor der Veranstaltung wird die Wettbewerbsfahrstrecke (die “Gasse”) vom örtlichen Sportkommissar bezüglich aller geforderten Massnahmen anhand des Streckenprotokolls kontrolliert und freigegeben. Der ASS sieht sich dabei als kompetenter Partner und nicht als Polizei. Aber schliesslich steht der ASS nach der Abnahme auch mit in der Verantwortung.

Der Gurnigel ist meiner Meinung nach eine der sichersten (Berg-) Rennstrecken der Schweiz. Aber auch am Gurnigel kann immer etwas passieren. Während die (Natur-) Strecken immer mehr oder weniger gleich bleiben, werden die Autos immer stärker, schneller und erreichen dank ausgefeilter Aerodynamik immer höhere Kurvengeschwindigkeiten.

Geringere Anforderungen bei Gleichmässigkeitsveranstaltungen

Gleichmässigkeitsveranstaltungen unterliegen nicht der Meldepflicht beim ASS und können so allein von der Gemeinde und dem Kanton bewilligt werden. Wird tatsächlich auf Gleichmässigkeit gefahren, so bereitet dies kein Problem und ist dem ASS auch kein Dorn im Auge.
Die einfachen historischen Veranstaltungen möchte der ASS keinesfalls gefährden. Nur die Kommunikation sollte teilweise besser, respektive klarer sein, indem man zum Beispiel die Veranstaltung nicht als „Rennen“ sondern als „Fahrt“ ausschreibt.

Oft genügen einfache Mittel, um die Geschwindigkeit zu drosseln. So wurde zum Beispiel der obere Streckenteil für das Klausen Memorial teilweise nach aussen künstlich verschmälert, um etwas mehr Abstand zum Abgrund zu gewinnen und gleichzeitig die Ideallinie einzuengen, um schlussendlich eine kostengünstige Variante von Sicherheit an exponierten Stellen zu gewährleisten.

Jeder Teilnehmer sollte aber auch immer genügend Selbstdisziplin mit an den Start bringen, um sich, sein Auto, sowie vor allem Dritte in keiner Weise zu gefährden. Während dies beim typischen Bergrennen im Einzelfahrmodus noch relativ einfach ist, wird der Gruppenzwang, sobald man im Pulk fährt, oft zu gross für den einen oder anderen. Denn dann entsteht ein gewisser Druck, mit vermeintlich leistungsschwächeren Fahrzeugen doch zumindest mithalten zu können. Oder man versucht, mit unterlegenem Material schneller zu sein, als es sinnvoll wäre. Fast jeder vergisst dabei, dass er sowieso nicht mehr Weltmeister werden kann und meistens gibt es nicht mal einen Blumentopf zu gewinnen.

Der Preis eines Unfalls aber könnte für alle teuer zu stehen kommen. Daher sind und bleiben leider Rundstreckenveranstaltungen in der Schweiz verboten, solange wir keine permanente Rennstrecke, die wesentlich höhere Sicherheitsanforderungen erfüllen kann als eine Passstrasse, zur Verfügung steht.

Klare Kommunikation und Verantwortung des Einzelnen

Noch ein letzter für mich extrem wichtiger Punkt für die Sicherheit ist die allgemeine öffentliche Kommunikation an die Zuschauer. Auf allen Rennstrecken der Welt gilt eine rote Flagge als offizielle Streckensperre und erst nach Freigabe durch die grüne Flagge, am Ende des Programms, darf die Strecke wieder betreten werden. So wird verhindert, dass plötzlich noch ausser Programm ein 800-PS-Monster zur Show daherkommt und bereits die Strecke überquerende Zuschauer gefährdet. Auch der Streckensprecher kann mit genauen Hinweisen seine Hilfe zur Sicherheit leisten. Schlussendlich aber ist der gesunde Menschenverstand eines jeden Einzelnen, ob Zuschauer, Streckenposten oder Fahrer, gefragt um weiterhin problemlos ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm, wie wir es in der Schweiz heute haben, geniessen zu dürfen.

Bilder zu diesem Artikel

Bild Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Rundstrecke mit Kiesbett als Sicherheitszone
Bild Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Der Fahrer kann froh sein, wenn er nach einem derartigen Einschlag selbständig aus dem Auto steigen kann
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Bild Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Demonstrationsfahrten
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Bild Thema Sicherheit im historischen Rennsport - Ohne Zeitennahme, im Sinne von Gleichmässigkeitsfahrten
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