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Eine sauber dokumentierte Geschichte wird bei Oldtimer-Klassikern immer wichtiger

Erstellt am 11. März 2014
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Archiv Prototyp Museum 
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Jürgen Mügge-Luttermann 
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Archiv Porsche AG 
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Geoffrey Goddard GPL Library 
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Wiegand 
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Archiv Marx-Henning Holst/AMVC 
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Steve Etherington / MERCEDES AMG PETRONAS - Courtesy Bonhams 
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Martin Schröder 
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Archiv 
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Mit steigenden Preisen wächst die Goldgräberstimmung bei den Oldtimer-Besitzern und -Händlern. Die mehr oder weniger kurzfristig zu erzielenden Gewinne und das viele Geld im Oldtimer-Handel ziehen aber auch Betrugsversuche und Fälschungen nach sich. Immer wieder tauchen zum Beispiel zwei Fahrzeuge mit identischen Fahrgestellnummern auf dem Markt auf, immer wieder sitzen Sammler Fälschungen und Nachbauten auf.

Um sich vor Betrug und ungerechtfertigt hohen Investitionen zu schützen, ist eine lückenlos und sauber dokumentierte Geschichte eines Fahrzeugs ein wertvoller Fingerzeig. Gerade das Beispiel des wiederentdeckten "Porsche P1" (mit den in der Presse kolportierten nachträglich eingestempelten P1-Insignien) zeigt die Wichtigkeit und Richtigkeit einer nachvollziehbaren Historie.

Paul Pietsch (1911-2012) anlässlich seines achtzigsten Geburtstags im ex-Hermann Lang Veritas Meteor 1991 beim Oldtimer GP auf dem Nürburgring. Martin Schröder, der dieses Fahrzeug dokumentiert hat, hält den Regenschirm
Copyright / Fotograf: Jürgen Mügge-Luttermann

Ein Meister dieses Fachs ist Martin Schröder, der seit Jahrzehnten den Historien rarer Oldtimer nachgeht. Zwischengas stand er Red’ und Antwort:

Zwischengas: In der letzten Zeit haben wiederholt Scheunenfunde und Restaurierungsobjekte hohe Preise erreicht, die teilweise den Wert vollständig hergerichteter Exemplare überstiegen, wie kann man das erklären?



Martin Schröder: Offenbar wächst die Zahl der Sammler und Investoren, die das Original zu schätzen wissen. Bei einem restaurierten Objekt ist der Grad der Originalität ja auf jeden Fall geringer, als bei einem unberührten Objekt.

Veritas RS im Zustand, wie er Anfang der 70er Jahre von einem Schrotthändler erworben wurde - Martin Schröder hat dieses Fahrzeug dokumentiert
Copyright / Fotograf: Martin Schröder

Wie wichtig ist die Authentizität eines Oldtimers heute?



Der Grad an Authentizität eines Sammlerwagens ist sowohl für den Historiker als auch für den Sammler mit einem Interesse an Automobilgeschichte sehr wichtig.

Veritas Nürburgring K3 Coupe von 1951 in unrestauriertem Zustand - Martin Schröder dokumentierte dieses Auto
Copyright / Fotograf: Wiegand

Wie kann man heute, oftmals viele Jahrzehnte nach dem Bau eines Autos, dessen Geschichte überhaupt noch nachverfolgen?



Das ist in der Tat ein steiniger und vielfach gewundener Weg, der dem Rechercheur viel abverlangt. Die Möglichkeiten sind Auslieferungspapiere, Dokumente von Vorbesitzern, zeitgenössische  Zeitungs- und Zeitschriftenarchive wie die von Zwischengas digitalisierten Automobil Revue, Motorwelt und andere, Archive der Hersteller natürlich, wobei diese auf Grund der Möglichkeit des Neubaus, vulgo Fälschung, inzwischen sehr zurückhaltend geworden sind.

Hans Herrmann auf Porsche 907 an der Targa Florio 1968 - Martin Schröder dokumentierte dieses Auto
Copyright / Fotograf: Geoffrey Goddard GPL Library

Eine wichtige Quelle sind natürlich Zeitzeugen, bei deren Erinnerungen man allerdings gründlich nachprüfen muss. Mir sind persönlich Beispiele bekannt, bei denen sich ein 80-jähriger an „seinen“ ehemaligen Wagen erinnerte, der bei näherer Untersuchung zwar so ähnlich aussah, aber doch ein anderer war. 



Was macht eigentlich (im Zweifelsfall) die Identität eines Fahrzeugs aus?

Chassis, Motor, Getriebe, Karosserie oder andere Teile?

Das Ideal ist natürlich ein Fahrzeug, das sich im Auslieferungszustand befindet, sprich bei dem alle Teile die originalen sind, was naturgemäß nur äußerst selten vorkommt. Das allgemein bekannte Beispiel für diese Kategorie ist der Mercedes SSK im Louwman Museum in Den Haag. (man beachte dazu auch den Artikel "Original und ..." ).

Der Motor eines Fahrzeugs kann im Lauf der Jahre gewechselt worden sein, akzeptabel ist hier der ursprüngliche Motortyp, Beispiel: Ein Porsche 356 A mit einem 1600er Motor und 60 PS, genannt die „Dame“, sollte auch heute noch einen solchen aufweisen.

Porsche 356 A Coupé (1956) - ohne Knickscheibe und mit schönen Rundungen
Copyright / Fotograf: Archiv Porsche AG

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass dies sehr selten der Fall ist. Letztlich ist der Rahmen, dass Chassis oder bei modernen Rennfahrzeugen das Monocoque identitätsstiftend.


Und was ist, wenn man bei Nachforschungen herausfindet, dass es zwei Fahrzeuge mit scheinbar derselben Identität gibt?



Dann ist der Historiker als Detektiv gefragt, denn mir ist sowohl der Fall bekannt, dass Rahmen und Karosserie eines BMW 328 getrennt wurden und beide Fahrzeuge heute mit identischer Chassis-Nummer existieren.

Mir ist ebenfalls der Fall bekannt, dass ein Rennwagen als Totalschaden an ein Werk gemeldet wurde, das Werk diese Chassis-Nummer wiederverwendet hat, der angebliche „Totalschaden“ am Ort des Unfalls instandgesetzt wurde und dann wieder aufgetaucht ist - vorzugweise aus Kuba, Venezuela oder Argentinien. 

Wie gehen Sie bei Ihren Gutachten vor?



Als Erstes teile ich einem Interessenten mit, ob ich für sein Fahrzeug kompetent bin. Als zweiten Schritt prüfe ich, ob und was ich an gesicherten Informationen zu einem Fahrzeuge kenne oder beschaffen kann. Daraus entsteht dann ein Festangebot für den Kunden. 


Adler Diplomat Geländesport 1935 - Martin Schröder dokumentierte dieses Fahrzeug
Copyright / Fotograf: Archiv Marx-Henning Holst/AMVC

Was erhält der Kunde als Ergebnis? 



Der Kunde bekommt eine umfangreiche Dokumentation entsprechend den Anforderungen ( separates Dokument ) inklusive einer Literaturliste in gedruckter und gebundener sowie in digitaler Form. 


Das Gutachten beinhaltet weiterhin das Nutzungsrecht der abgedruckten Fotos, sämtliche erworbenen Dokumente oder das Nutzungsrecht daran, Archivmaterial mit Herkunft, Filmmaterial in digitaler Form und sämtliche für das Gutachten angeschaffte Fachliteratur.

Otto Mathé (1907-1995) - „Fetzenflieger“, Einzelstück mit Carrera-Motor im Museum Prototyp - dieser Wagen wurde von Martin Schröder umfangreich dokumentiert
Copyright / Fotograf: Archiv Prototyp Museum

Mit welchen Kosten muss er kalkulieren?



Die Kosten bewegen sich erfahrungsgemäß in einem Rahmen zwischen 3.000 und 8.000 Euro.

Für wen lohnt sich dies?


Das lohnt sich ökonomisch selbstverständlich in der Hauptsache für Sammlerfahrzeuge der gehobenen Preisklasse. Gleichzeitig wirkt eine solche Dokumentation natürlich wertsteigernd. Ein gutes Beispiel dafür ist der im letzten von Bonham’s versteigerte Mercedes W 196. 


Mercedes-Benz W196 (1954) - beinahe unschlagbar Mitte der Fünfzigerjahre
Copyright / Fotograf: Steve Etherington / MERCEDES AMG PETRONAS - Courtesy Bonhams

Vom Zustand her ist der Wagen ja als „4“ zu bezeichnen und ob er ohne die dokumentierte Besitzer- und Renngeschichte den Rekordpreis von 23 Millionen Euro erzielt hätte, ist mehr als fraglich.

Wie sehen sie die Entwicklung im Klassikermarkt in den nächsten 10 bis 20 Jahren?



Die ökonomische Marktentwicklung als solche ist schwer vorhersehbar, bekanntlich gab es in der Vergangenheit große Schwankungen. Der Markt wird allerdings bleiben, da sich die Objekte mit einem hohen Grad an Originalität ja nicht vermehren. Und ein Sammlerwagen mit einer wasserdichten, sprich durch Dokumente nachgewiesenen Herkunft wird immer seinen Wert behalten.

Zitieren möchte ich am Schluss den britischen Sammler Neil Corner, der bereits 1985 in einem Interview in Classic & Sportscar gesagt hat:

„At the end of the day you’re just a custodian. You can’t take them with you, so you’re preserving things for people to enjoy in years to come.”

(Frei übersetzt: Am Ende des Tages bist Du nur ein Bewahrer. Du kannst sie nicht mit nehmen, also pflegst und bewahrst Du Dinge für Leute, die sich in Zukunft weiter daran erfreuen können.)

Wir danken Martin Schröder für das Interview. Seine Dienstleistungen sind hier im Detail erklärt.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
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