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Eine Zeitreise durch die Welt der Modellautos - Besuch im Minichamps Museum

Erstellt am 8. August 2021
, Leselänge 5min
Text:
Wolfram Hamann
Fotos:
Wolfram Hamann 
16
Minichamps 
5

Kann man an dieser Stelle über ein Modellautomuseum berichten? Doch, man kann. Bereits im sozialen Umfeld des Verfassers gibt es Schnittmengen von Liebhabern des rollenden Kulturguts und Sammlern von Modellautos. Und nicht zuletzt ist das eigene Fahrzeug – möglichst noch in der Originalfarbe – doch auch in klein attraktiv, oder? Man kann ja beides sammeln, mag auch der Maßstab unterschiedlich sein.

In Aachen gibt es ein Museum für Modellautos, welches derzeit coronabedingt noch geschlossen ist. Es ist kein Zufall, dass es in der alten Kaiserstadt residiert, denn hier ist auch der Firmensitz des Branchenführers Minichamps GmbH & Co KG, gegründet im Jahr 1990 als Paul´s Model Art GmbH. Wer Zahlenwerk mag, möge den Unternehmensumsatz, die Anzahl der bisher entwickelten Modelle und die genaue Millionenzahl der bislang produzierten Einheiten in den einschlägigen Quellen des Internets nachlesen – an dieser Stelle würde zuviel Zahlenmaterial eher ermüden.

Nur soviel: Die aktuelle Produktion von Minichamps enthält Modelle im Maßstab 1:2,  1:5, 1:6, 1:8, 1:12 und natürlich fehlen auch die populären Größen 1:18, 1:43 und 1:87  nicht.

Die thematische Bandbreite der Modelle reicht von Lenkrädern (im Maximaßstab 1:2) über Räder, Rennwagen, Motorräder und „road cars“ hin zu Spezialeditionen im Rennsportbereich. Hier liegt sicher ein Schwerpunkt des Herstellers. Die Modelle werden aus Druckguss (Die Cast), dem Kunststoff ABS oder aus Kunstharz (Resine) hergestellt.

Begrüssung im Maßstab 1:1

Das Museum ist schon von weitem an der schwarz/weiß-karierten Zielflagge erkennbar, die auf der Fassade aufgemalt ist. Innen wird der Besucher von einem ebenso lackierten Fiat Cinquecento aus dem Jahre 1965 (Maßstab 1:1) begrüßt. Der Kleinwagen erinnert an das erste Fahrzeug des Firmengründers und wurde zum Start des Museums am 25.10. 2007 als Modell in 1:43 aufgelegt. Wer genau hinschaut, entdeckt, dass der lebensgroße 500er von einem Ring eben dieser Miniaturen umgeben ist.

Der Fiat Cinquecento begrüßt die Besucher - Besuch im Minichamps Museum
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Das Museum bildet auf 600 qm in zahlreichen Vitrinen und über 3000 Exponaten die Modellautohistorie der Firma ab. In diesen Schaukästen gibt es natürlich weit mehr zu entdecken als an dieser Stelle ausgeführt werden kann. So wird zum Beispiel die Entstehungsgeschichte eines im Druckguss gefertigten Modellautos Schritt für Schritt verdeutlicht.

Formen zur Herstellung der Modellautos - Besuch im Minichamps Museum
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

In einer anderen Vitrine stehen 1:18-Modelle der "BMW Art Cars", die seinerzeit nur direkt über BMW-Händler erhältlich waren. Die von namhaften Künstlern gestalteten Originale waren BMW-Modelle, die auch im Rennsport eingesetzt wurden.

Blick zurück

Der Berichterstatter hatte das Glück, vom Firmenchef Paul G. Lang persönlich durch das Museum geführt zu werden. Daraus wurde auch eine Reise durch die Jahrzehnte des Modellautobaus. „Die Zeiten der Zuwächse sind vorbei“, meint dieser allerdings am Anfang. Er führt dies auf ein heutzutage breites Angebot an auch preiswerteren Freizeitbeschäftigungen zurück. Auch unterschieden sich die Interessen der heutigen Generation deutlich von denen vorheriger. Dies wird wohl jeder bestätigen, der sich z. B. mit einem anderen Hobby, dem Briefmarkensammeln, beschäftigt hat.

"Zudem hat sich in den 1990er Jahren der Hype um Michael Schumacher damals erheblich auf den Absatz von Rennwagenmodellen ausgewirkt; in gleichem Maße ist das heute nicht mehr festzustellen”, fährt Lang fort.

Was sich in den vergangenen Jahrzehnten aber vor allem geändert hat, ist - neben dem heutigen großen Angebot - die Qualität der Modellautos. Dieser Gesichtspunkt zieht sich wie ein roter Faden durch die Führung. Wer seine Kindheit in den 1950er oder 1960er Jahren verbracht hat, möge sich zunächst daran erinnern, wie es mit der Detailtreue der damaligen Spielzeugautos bestellt war. Zum Spielen reichte das sicher, perfekte Modellautos waren das aber nicht und sollten das wohl auch nicht immer sein.

Und noch in den 1970er Jahren fand man Modellautos meist in Spielwarengeschäften – neben Kinderwagen, Rollern und anderem Spielzeug. Der Verfasser erinnert sich noch gut daran, in dieser Zeit gelegentlich nach Aachen gefahren zu sein, um die Auslagen in einem Spielwarengeschäft namens Danhausen zu betrachten. Dieses hob sich damals in puncto Modellautos nämlich deutlich von anderen ab.

Und nun kommt Paul G. Lang aus der Familie des Inhabers jenes Geschäfts ins Spiel. Obwohl er eigentlich ganz andere berufliche Pläne hatte, nahm Lang sich der Modellautosparte des besagten Spielwarengeschäfts an und begann, diese weiter zu entwickeln.

Es begann alles mit Modellen aus Druckguss - Besuch im Minichamps Museum
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Zu jener Zeit  gab es überwiegend Metallmodelle oder Bausätze oft britischer Herkunft, die er aufkaufte und vertrieb. Selbstverständlich werden auch diese frühen Modelle im Minichamps-Museum gezeigt.

Mit der Zeit wuchsen jedoch die Ansprüche an die Qualität der Miniaturen. Auf einer Messe kam Lang in Kontakt mit Chinesen und so fasste er den Entschluss, seine Modelle in Fernost zu produzieren. Das tut er nun schon seit 32 Jahren. Allerdings hätte man anfangs die neuen Geschäftspartner erst noch an den beabsichtigten hohen Qualitätsstandard der Modellautos heranführen müssen, da sie vorher nur typisches Spielzeug produziert hätten.

Zunächst wurden die Modelle in Hongkong, kurze Zeit später dann ausschließlich in China hergestellt. Der Produktionsprozess wird in einem Film instruktiv verdeutlicht. Die Wahl von China als Produktionsstätte bedeutet einerseits, dass die Ware in Containern zu uns gelangt. Was wiederum dazu führt, dass die neuerdings stark steigenden Transportpreise sich auf die Verkaufspreise der Modellautos auswirken. Andererseits hat sich die Firma Minichamps zwischenzeitlich aber auch den Modellautomarkt in China erschlossen, wobei Modelle deutscher Autohersteller des sog. Premiumsegments – zu denen Lang gute Beziehungen unterhält – dort sehr populär sind.

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Immer höhere Detailtreue

Doch noch einmal zurück zur Qualität. Wer beispielsweise in den 1980er oder 1990er Jahren Modellautos erwarb, freute sich über deren Detailtreue. Doch der damalige Standard war bei weitem nicht der heutige, denn aus heutiger Sicht wirken die Details früherer Modelle mitunter doch grob ausgeführt. Meines Erachtens kann man das  z.B. daran ablesen, mit welcher Akribie heute Speichenräder ausgebildet sind. Auch sonst hat sich vieles getan.

Unglaubliche Detailtreue der Modellautos - Besuch im Minichamps Museum
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

Da die Produktion von Metallmodellen doch recht aufwändig ist, werden Modellautos heute oft aus Resine hergestellt. Auch die Methode des Fotoätzens ist mittlerweile Standard und es werden winzige Abziehbilder (decals) verwendet.

Natürlich muss sich die Produktion eines Modells auch kaufmännisch rechnen, was eine Startauflage von mindestens 3000 Exemplaren erforderlich macht. Auch die Modelle in großem Maßstab (z. B. 1:8) werden von den Kunden gut angenommen. Dies sind etwa die Eigentümer besonders teurer Fahrzeuge. Ihnen kann auch der Wunsch nach der Originalfarbe und -ausstattung  erfüllt werden. Für diese Klientel dürfte der Preis des Modellautos im unteren vierstelligen Bereich dann wohl kaum ins Gewicht fallen.

Hier der Firmenchef Paul G. Lang inmitten von Porschemodellen im Maßstab 1 zu 8 - Besuch im Minichamps Museum
Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

"Hoffen wir, dass bald wieder Messen und große Events stattfinden" meint der Museumschef zum Abschied. Dies ist nämlich auch für den Kontakt mit den Kunden von Bedeutung. Und sicher wird auch das Museum von Minichamps bald wieder für Besucher geöffnet sein.

Wer sich für einem Besuch im Minichamps-Museum interessiert, sollte vorher die Website konsultieren oder beim Betrieb anrufen.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ke******
10.08.2021 (12:33)
Antworten
Sehr schöner Bericht. Danke
von Cr******
13.08.2021 (15:36)
Antworten
Toller Bericht. Habe ich mir gleich abgespeichert und werde einen Besuch planen, sobald dies wieder geht. Das ist wirklich so, wie die technische Entwicklung umschrieben ist. Aber auch alte Dinky, Tekno, Solido, etc. lassen sich sehen. Was diese Modelle der 70er Jahre für Optionen hatten war super. da gab es Automodelle mit 4 zu öffnenden Türen/Motorhaube/Kofferraum. Somit mussten auch diese Innenräume gestaltet werden. Phantastisch! Leider mangelt es hier auch an Nachwuchs und so wird dieses Hobby aufgrund Ueberalterung der Sammler stark rückläufig werden. Ich freue mich aber wieder auf Sammlerbörsen wo gefeilscht + gehandelt sowie mit den Händlern diskutiert werden kann. ECHTE Menschen - keine virtuelle Welt.
von za******
13.08.2021 (18:13)
Antworten
Vielen Dank für diesen Beitrag. Das erweckt sehr schöne Erinnerungen an die Sammlerzeiten vor dem Internet.
Nicht zu vergessen: "danhausen's world modelcar book"; damals d e r Katalog (die "Bibel" ;) ) in Sachen Modellautos für Deutschland - mit kleinstgedruckter Preisliste, knapp 200 Seiten stark, DM 15 Schutzgebühr. Da habe auch ich schon so manche D-Mark in Bestellungen oder auch in Vor-Ort-Besuchen in der Kleinkölnstraße gelassen. Auch das, von Danhausen jährlich veranstaltete, "Internationale Tauschtreffen für Modellautofreunde" im Eurogress Aachen, gehörte viele Jahre zum Pflichtprogramm. Klasse!
P.S.: Foto 17 zeigt einen Tyrell P34 (nicht 38, wie untertitelt).
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
13.08.2021 (23:41)
Danke! Natürlich ist es P34, wir haben das korrigiert.
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