Artcurial Rétromobile Versteigerung 2020 – lieber etwas jünger und weniger sportlich?

Erstellt am 10. Februar 2020
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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_Daniel Reinhard 
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Artcurial 
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Bruno von Rotz 
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1975-1974-1976 
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Aufgeräumte Stimmung bei Hervé Poulain und seinen Mitstreitern - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Viel Gedränge im hinteren Teil des Raums - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Lotus F1 Kid-Car, daneben ein Alpine-Renault für Kinder - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Lotus F1 Kid-Car - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Zündapp KS 600 (1939) - als Lot 001 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020
BMW R12 Attelée (1939) - als Lot 002 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020

Jedes Jahr finden um die Rétromobile in Paris herum drei grosse Versteigerungen statt. Während Bonhams und RM/Sotheby’s ihren Hammer ausserhalb der Messehallen schwingen, darf Artcurial die grosse Auktion jeweils am Freitag Abend innerhalb der Rétromobile durchführen. Am 7. Februar 2020 war es zum zehnten Mal soweit.

Bild Aufgeräumte Stimmung bei Hervé Poulain und seinen Mitstreitern - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Aufgeräumte Stimmung bei Hervé Poulain und seinen Mitstreitern - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Grosses Markenspektrum

Fast 60 Marken waren mit insgesamt 161 Fahrzeugen vertreten, Mercedes-Benz steht auf 17 Autos, Ferrari ist wie üblich mit 17 Sport- und Rennwagen vorne dabei, gefolgt von Porsche (10, plus 1 Traktor). Alle übrigen Marken waren maximal einstellig vertreten, viele nur mit einem Auto, so etwa Alpine, Chevron, De Tomaso, Marcos oder Rolland-Pilain.

Viele Vorkriegsfahrzeuge

Überraschend gross war der Vorkriegsanteil, immerhin 26 Autos (und Motorräder) stammten aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg, vier weitere wurden in den Kriegsjahren gebaut.

Tatsächlich weisen auch der 10 am höchsten eingeschätzten Wagen ein Baujahr aus den Vorkriegsjahren auf.

Die Veteranen schlugen sich nicht schlecht, erzielten im Schnitt Höchstgebote bei 74 Prozent des mittleren Schätzwerts, was etwas tiefer war als die 81 Prozent, die das gesamte Angebot erreichte.

Bild Mercedes-Benz 710 SS 27/140/200 HP Sport Tourer (1929) - als Lot 045 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Mercedes-Benz 710 SS 27/140/200 HP Sport Tourer (1929) - als Lot 045 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Allerdings blieben gerade die teureren Vorkriegsfahrzeuge unberkauft, so der teuerste Wagen der Versteigerung. Für den Mercedes-Benz 710 SS 27/140/200 hp von 1929 wurden “nur” EUR 4,9 Millionen geboten, erwartet worden waren EUR 6 bis 8 Millionen.

Bild Alfa Romeo 6C 2300 B Lungo Worblaufen (1938) - als Lot 029 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Alfa Romeo 6C 2300 B Lungo Worblaufen (1938) - als Lot 029 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Ähnlich erging es den beiden Alfa Romeo 6C 2300 von 1938 mit Worblaufen-Cabriolet-Karosserie. Beide erreichten den Mindestpreis nicht.

Bild Delahaye 135S (1936) - als Lot 038 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Delahaye 135S (1936) - als Lot 038 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

So ging die Ehre, das teuerste Vorkriegsauto der Auktion zu sein, an den Delahaye 135 S von 1936. Als Verkaufspreis wurden EUR 893’200 (inkl. Kommission, ohne Mehrwertsteuer) notiert.

Angebote eines Zwischengas-Händlers
MG WA 1939 (1939)
MG WA 1939 (1939)
MG B (1969)
MG B (1969)
Allard K1 (1946)
Allard K1 (1946)
Rolls-Royce Phantom I Piccadilly Roadster (1928)
Rolls-Royce Phantom I Piccadilly Roadster (1928)
+41614664060
Muttenz, Schweiz

Rallye-Autos ohne Erfolg

Nur wenige Alpine A110 erhielten einen 16-Ventil-Motor. Chassis 20377 aus dem Jahr 1974, eingesetzt vom “Team Vialle” im Rallye-Cross, war einer von ihnen, auch wenn der Wagen das Werk ursprünglich mit einem Achtventiler verliess, aber immerhin schon die modernen A310-Aufhängungen hatte.

Bild Alpine A110 16 Soupapes Team Vialle (1974) - als Lot 103 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020
Alpine A110 16 Soupapes Team Vialle (1974) - als Lot 103 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020

Jetzt sollte der über 14 Jahre restaurierte Wagen EUR 160’000 bis 220’000 einbringen. Mehr als EUR 130’000 wolte aber niemand bieten, der Wagen blieb unverkauft.

Aus Werksbeständen stammte ein Ford Escort RS 1600 von 1973. Mit Timo Mäkinen am Steuer siegte er bei der 1000-Seen-Rallye und das war nicht sein einziger Erfolg. Geschätzt wurde der Wagen auf EUR 180’000 bis 220’000. Geboten wurden EUR 140’000, zuwenig für den Verkauf.

GT-Rennwagen im Aufwind

Nur wenige Ferrari 275 GTB wurden dem harten Rennsport ausgesetzt, der angebotene 275 GTB/6 von 1965 gehört allerdings dazu und er wurde immerhin GT-Klassen-Sieger bei den 1000 km von Monza.

Bild Ferrari 275 GTB/6 (1965) - angeboten von Artcurial - Rétromobile Paris 2020
Ferrari 275 GTB/6 (1965) - angeboten von Artcurial - Rétromobile Paris 2020

Das zog, denn die Berlinetta wurde für EUR 2,44 Millionen verkauft.

Bild Porsche Carrera 6 (906) (1966) - als Lot 083 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Porsche Carrera 6 (906) (1966) - als Lot 083 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Nicht auf der Rundstrecke, aber bei Bergrennen brillierte der Porsche Carrera 6 von 1966 mit der Fahrgestellnummer 906-115 mit italienischer Geschichte. EUR 1,4 bis 1,8 Millionen betrug der Estimate, bezahlt wurden schliesslich EUR 1’688'000.

Fast eine komplette Lamborghini-Auswahl

Mit neun Lamborghini war die italienische Sportwagenmarke sicherlich stark vertreten. Ausser den frühen Modellen und dem Miura war aber fast das ganze Typenspektrum der ersten dreissig Jahre im Angebot, so unter anderem zwei Countach, ein Espada, ein Jarama, zwei Diablo, ein Murcielago und ein LM002, nicht zu vergessen ein Traktor.

Bild Lamborghini Countach LP400 Periscopo (1977) - als Lot 134 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Lamborghini Countach LP400 Periscopo (1977) - als Lot 134 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Das Publikum schien aber nur mässig an den Lambos interessiert, nur gerade 44 Prozent der Wagen fanden neue Besitzer, obwohl die Gebote gar nicht so schlecht lagen.

Relativ junges Ferrari-Assortement

Die 17 Ferrari waren im Schnitt deutlich jünger als der Rest des Angebots. Mit 71 Prozent verkauften Autos schlugen sich die Wagen aus Maranello aber nicht schlecht, zumal die Höchstgebote im Schnitt überdurchschnittlich waren.

Neben dem bereits erwähnten Ferrari 275 GTB/6 fand auch ein F40 von 1991 für EUR 1’083’200 in einen neue Garage.

Bild Ferrari 126C3 (1983) - als Lot 098 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Ferrari 126C3 (1983) - als Lot 098 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Geschlagen wurde er noch durch einen Formel-1 vom Typ 126 C3 von 1983, der mit EUR 1’402'400 den Schätzwert deutlich überschritt.

Französische Spezialitäten

Gut vertreten waren natürlich in Paris die französischen Exoten, darunter Delahaye mit mehreren schönen Autos mit Spezialkarosserie und Talbot-Lago mit besonderen Fahrzeugen. Dazu gestellte sich ein DB HBR4 Coach surbaissé " Le monstre “ aus dem Jahr 1959, der mit EUR 168’200 einen guten Preis erzielte.

Bild Delahaye 235 Letourneur & Marchand (1953) - als Lot 020 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Delahaye 235 Letourneur & Marchand (1953) - als Lot 020 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Alle drei Delage wurden verkauft, wenn auch deutlich unter den Erwartungen. Von den sechs Delahaye fanden fünf auf ordentlichem Preisniveau zu einem neuen Besitzer.

Von den drei Bugatti konnte nur einer verkauft werden.

Relativ gut schlug sich ein Peugeot 403 Cabriolet Dalr’Mat von 1957, der für EUR 98’600 veräussert wurde.

Einige Restaurierungsobjekte

Nicht nur top-restaurierte und fahrbare Autos kamen am 7. Februar 2020 unter den Hammer, sondern auch einige Restaurierungsobjekte, so etwa ein BMW 503 Coupé von 1959. Geschätzt waren EUR 70’000 bis 100’000, bezahlt wurden schliesslich EUR 87’000.

Bild BMW 503 Coupé (1959) - als Lot 150 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020
BMW 503 Coupé (1959) - als Lot 150 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020

Dass sich Geschmäcker und Spendierfreudigkeit über die Jahre ändern, zeigten zwei Autos aus der Baillon-Sammlung, die noch vor fünf Jahren für viel Geld verkauft wurden.

Jetzt reihten EUR 17’400 zum Kauf eines Audi Front 225 Cabriolet von ca. 1936, während für den Packard gar kein verwertbares Gebot einging.

Überraschungen und Schnäppchen

Die grösste Überraschung des Tages war ein Toyota Land Cruiser BJ43 von 1981, der anstatt für EUR 45’000 bis 65’000 für EUR 111’360 verkauft wurde.

Bild Toyota Land Cruiser Bj 43 (1981) - als Lot 089 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020
Toyota Land Cruiser Bj 43 (1981) - als Lot 089 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020

Auch ein Mercedes-Benz 220 SE von 1963 erzielte mit EUR 13’920 einen Achtungserfolg.

Bild Citroën Ami 6 Berline (1963) - als Lot 055 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Citroën Ami 6 Berline (1963) - als Lot 055 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Richtig günstig dafür war ein Citroën Ami 6 von 1963, der für weniger als die Hälfte des Schätzwerts veräussert wurde.

Auch ein Rolls-Royce Corniche II von 1979 ging mit EUR 32’480 deutlich unter den Erwartungen.

Und auch ein Austin-Healey 100/4 BN” von 1956 enttäuschte mit EUR 55’680.

Bild Toj SC03 (1975) - als Lot 128 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Toj SC03 (1975) - als Lot 128 angeboten an der Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020

Dass zudem alle drei Toy Rennprototypen stehen blieben, war genauso eine Überraschung, wie das schlechte Abschneiden anderer Rennsportfahrzeuge.

Ganz zufrieden konnte Artcurial trotz des enormen Besucheraufkommens und einiger guter Ergebnisse also nicht sein, auch wenn die Resultate nicht schlechter als bei der Konkurrenz ausfielen.

Angebotene und verkaufte Fahrzeuge

Die folgende Tabelle listet alle angebotenen und verkauften Fahrzeuge mit Schätzpreisen, Höchstgeboten und Verkaufspreisen. Die Preis-Umrechnung erfolgte zum am Auktionstag gültigen Tageskurs. Alle Angaben ohne Gewähr.

Lot Fahrzeug Jahr EUR Est von EUR Est bis EUR HG EUR VP CHF VP % Est S
001 Zündapp KS 600 1939 15'000 20'000 10'000 11'600 12'412
-33.71%
V
002 BMW R12 Side-Car 1939 25'000 45'000 16'000 18'560 19'859
-46.97%
V
003 NSU 251 OS (Jg. Ca.) 1943 4000 8000 6500 7540 8067
+25.67%
V
004 DKW RT 125 (Jg. Ca.) 1945 1500 2500 1500 1740 1861
-13%
V
005 BMW R75 Side-Car 1943 50'000 70'000 35'000 40'600 43'442
-32.33%
V
006 DKW NZ350 1939 4000 6000 8500 9860 10'550
+97.2%
V
007 Moto Guzzi Nuovo Falcone 500 Militare 1970 2500 5000 3500 4060 4344
+8.27%
V

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Legende: Spalte S = Status (V = Verkauft, N = Nicht verkauft, Z = Zurückgezogen, U = Unter Vorbehalt)
Est = Estimate/Schätzwert, HG = Höchstgebot, VP = Verkaufspreis

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Viel Gedränge im hinteren Teil des Raums - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
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Lotus F1 Kid-Car - Artcurial-Versteigerung an der Rétromobile Paris 2020
Zündapp KS 600 (1939) - als Lot 001 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020
BMW R12 Attelée (1939) - als Lot 002 angeboten an der Versteigerung von Artcurial an der Rétromobile Paris am 7. Februar 2020
Quelle:
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von burglesumer
11.02.2020 (09:07)
Antworten
Der Audi aus der Baillion Sammlung wurde vor einigen Jahren noch für 48000 verkauft, jetzt für 17000.
Ich finde es gut, das die Preisblase langsam Luft ablässt.
https://www.autobild.de/klassik/bilder/sammlung-baillon-scheunenfunde-in-grellem-licht-5557861.html#bild25
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