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Zwischengas Blog
Der omnipräsente VW Käfer im europäischen Strassenbild
Bruno von Rotz - 31.01.2011 |
Wenn man Fotos mit Verkehrssituationen oder Strassen aus den 60er- und 70er-Jahren betrachtet, fällt sofort die Dominanz des VW Käfers auf.
Nie zuvor und nie mehr seither hat ein einziges Automobil in visuell derselben Ausführung das Strassenbild so stark geprägt, zumindest nicht in Europa. Das Ford-T-Modell wird wohl auf Amerika einen ähnlichen Einfluss gehabt haben.
Die Vormachtstellung des VW Käfers war sicher mit dem glänzenden Absatz zu erklären, es half aber sicher auch, dass ein Käfer einfach länger hielt als manches andere Auto. Und, gefragt nach den Autos, die der Vater (oder Grossvater) fuhr, kann fast jeder mindestens einen VW Käfer aufzählen, denn der Käfer durchdrang alle Gesellschaftsschichten und wurde als Berufs- und Freizeitmobil verwendet.
Heute ist der Käfer zunehmend eine Ausnahmeerscheinung, verschwunden aus der Alltagsmobilisierung und die Köpfe wenden sich, wenn das knuddlige Fahrzeug vorbeirauscht.
Die beiden Bilder enstanden übrigens lange nach dem Verkaufshöhepunkt des VW Käfers, das eine 1977, das andere 1982. Da gab es die modernen Konkurrenten wie den VW Golf schon eine ganze Weile. Das zweite Bild war ein Beitrag zur Verkehrserziehung/-aufklärung und zeigt die Nachteile dunkler Kleidung im Strassenverkehr.
Tags: Erinnerungen
Wunderbare Autoprospekte aus den 60er-Jahren - Aston Martin DB5, Simca 1200 S und Lamborghini 350 GT
Bruno von Rotz - 30.01.2011 |
Verkaufsprospekte sind und waren im Vertrieb von Automobilen immer wichtig. Gleichzeitig sind die Verkaufsunterlagen der Vergangenheit natürlich auch Zeitzeugnisse und eine wichtige Quelle von Informationen über vergangene Automobile. Daher ist es unser Anspruch, so viele dieser vielfach sehr seltenen Dokumente wieder zugänglich zu machen.
Drei Beispiele möchten wir heute nennen. Die Verkaufsprospekte von Aston Martin , Lamborghini und Simca zeigen das Spektrum, das in den 60er-Jahren vorhanden war. Während die Luxusmarken Lamborghini und Aston Martin es für 350 GT und DB5 mit einem vierseitigen einmal gefalteten Prospekt bewenden lassen, publiziert Simca für das Coupé 1200 S ganze 16 Seiten und zeigt viele Details des Fahrzeugs. Die Aufnahmen entstanden im Gegensatz zu Aston Martin und Lamborghini im Studio und zeigen das rote Auto auf rotem Hintergrund. Gewagt!
Bis ein alter Verkaufsprospekt publiziert ist, sind eine ganze Reihe von Arbeitsschritten und spezialisierte Einrichtungen nötig. Zwischengas scannt mit A3-Scannern, um Doppelseiten gleichzeitig digitalisieren zu können und zusammenzuhalten. Nach dem (manuellen) Scanning werden die Abbildungen restauriert, denn oftmals wurden die Unterlagen gelocht und/oder gefaltet oder haben durch Sonne und andere Einflüsse von ihrer ursprünglichen Brillianz verloren.
Bei der Restauration muss man vorsichtig vorgehen, will man doch den Charme der alten Dokumente nicht zerstören.
Als nächstes werden die Texte in den einzelnen Bilder interpretiert (technisch spricht man hier von OCR, was “optical character recognition” bedeutet) und die Bilder in das PDF-Format umgewandelt. Die einzelnen Dokumente werden danach mit Meta-Daten versehen, auf die Online-Plattform hochgeladen und in Kontext gebracht, um die Reihenfolge bei der Ansicht zu definieren. Es ist also viel (Hand-) Arbeit nötig, bis die Verkaufsprospekte wieder in ihrer ursprünglichen Form (oder besser) auf zwischengas.com erstrahlen, aber wir hoffen, dass das Ergebnis auch vielen zwischengas-Nutzern Freude macht.
An dieser Stelle möchten wir uns ausdrücklich auch bei allen zwischengas-Freunden bedanken, die uns Originalunterlagen zur Verfügung stellen! Und natürlich freuen wir uns über alle, die uns kontaktieren, und uns ihre seltenen Prospekte und Dokumente anbieten zur Publikation auf zwischengas.com.
Und hier noch die direkten Links zu den drei Prospekten:
Tags: Making Of, Originalunterlagen
Vor 50 Jahren, als Ferrari noch nicht so bekannt war ....
Bruno von Rotz - 29.01.2011 |
1960 gewannen Frère/Gendebien die 24 Stunden von Le Mans auf dem Ferrari 250 S (TR59/60).
Es war ein vollkommener Triumph, der durch den 2. Platz von Rodriguez/Pilette noch zusätzlich zementiert wurde. Für Ferrari war das Grund genug, ganzseitige Werbeinserate zu schalten, wie das Beispiel vom Juli 1960 (aus der Automobil-Revue) zeigt. Diese Inserate zeigen Olivier Genebien im Regen in Le Mans.
Geworben wird natürlich auch für das damals verfügbare Strassenfahrzeug, den Ferrari 250 Gran Turismo 2+2 (heute auch als Ferrari 250 GTE bekannt).
Wann haben wir zum letzten Mal ein derartiges Inserat von Ferrari gesehen? In einer Wochenzeitung? Schade eigentlich! Dabei waren Ferrari-Produkte damals wesentlich exklusiver als heute, der Produktionsausstoss vielleicht 10 oder 15% von heute und die Unterschiede vom Ferrari zum Normalauto wesentlich beeindruckender als heute.
Tags: Erinnerungen
Kaum jemand erinnert sich an den Alfa Romeo Dauphine
Bruno von Rotz - 28.01.2011 |
Wer kann sich noch daran erinnern? 1959 bis 1964 baute Alfa Romeo den Dauphine von Renault in Lizenz für den italienischen Markt.
Die Fahrzeuge waren technisch identisch mit den Dauphine von Renault, es wurden aber teilweise italienische Zubehörteile eingesetzt. Lizenzproduktionen waren nichts ungewöhnliches und sind es auch heute nicht, allerdings investierte man in den 60er-Jahren kaum etwas in Markenidentität und Wiedererkennung, sondern übernahm Fahrzeugdesign und -aufbau 1:1 vom Lizenzgeber.
Aus heutiger Sicht mag es erstaunen, dass die sportliche Marke Alfa Romeo auf den Heckmotorwagen von Renault zurückgriff, doch war die Dauphine ein durchaus sportliches Fahrzeug, das 1958 sogar die Rallye Monte Carlo gewann . Die Abbildung aus dem damaligen Verkaufsprospekt ist aber auf jeden Fall ein Bijou. Es stellt sich noch die Frage, wie die Italiener wohl den Namen "Dauphine" aussprachen, tönt er doch nicht im geringsten italienisch ...
Tags: Erinnerungen
Verbesserte Suche und neue Galerieansicht auf zwischengas.com
Bruno von Rotz - 27.01.2011 |
Von Zeit zu Zeit wurden wir von Nutzern darauf aufmerksam gemacht, dass es manchmal schwierig sei, in der schieren Masse auf zwischengas.com etwas bestimmtes zu finden.
Um dieser Thematik auf den Grund zu gehen, haben wir einige Tausend getätigte Suchanfragen analysiert und das Verhalten der zwischengas-Suche mit Google verglichen. Die bisherige Suche offerierte zwar dem Experten viele Möglichkeiten und liess gezielte Eingriffe in Suchprioritäten und -resultate zu, unterstützte aber die am häufigsten gestellten einfacheren Anfragen, wie z.B. “Porsche 911 S” oder “Lamborghini Miura”, zu wenig gut.
Wir haben daher den Suchalgorithmus angepasst!
Und so werden ab sofort die Suchergebnisse priorisiert:
- Ergebnisse, die exakt das enthalten, was Sie eingegeben haben (inkl. Reihenfolge ihrer Suchbegriffe, z.B. „Porsche 911 S“), werden am höchsten priorisiert.
- Dann folgen Ergebnisse, welche alle Begriffe enthalten, aber nicht zwingend in der Reihenfolge, wie Sie sie eingeben hatten (z.B. „911 S was für ein Porsche“).
- Resultate, die nur teilweise mit Ihrer Eingabe zusammenpassen (z.B. „Porsche 911 Carrera“) werden ebenfalls mehr berücksichtigt als vorher. Schliesslich werden auch jene Resultate angezeigt, die nur noch einen Begriff enthalten. Diese sind dann aber klar weniger wichtig als die vorigen Beispiele.
- Zudem hilft zwischengas.com auch dabei, die Auswirkungen unterschiedlicher Schreibweisen zu dämpfen. Gibt man z.B. in der neuen Suche “911 S” ein, sucht zwischengas.com auch nach “911S”.
- Ähnliche Resultate werden neuerdings ebenfalls höher priorisiert als vorher: Suchen Sie z.B. nach „Ferrari GT“, wird entsprechend der Ferrari 330 GT sehr hoch priorisiert. Ähnliche Resultate wie „Ferrari 330 GTC“ werden neu aber höher angezeigt als vorher.
Die Suche kann mit neuen Filtern (Checkboxen) besser gesteuert werden:
Ganz rechts bei den Filtern gibt es zwei neue Checkboxen, welche Sie ein- oder ausschalten können.
- „Mit Kleininseraten“: Mit dieser Option werden auch Resultate angezeigt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Kleininserate (Fahrzeuge zu verkaufen, zu kaufen gesucht, Stelleninserate) enthalten. Normalerweise ist diese Option ausgeschaltet.
- „Inkl. Archiv“: Mit dieser Option werden zusätzlich auch Resultate aus dem Archiv (d.h. Automobil-Revue-Zeitungen der Jahre 1906 bis 1980) angezeigt. Wenn diese Option aktiviert ist, werden nebst Artikeln auch Original-Scans des Archivs durchsucht.
Für Fortgeschrittene, die mit Such-Syntax umgehen können, gibt es weiter die Experten-Suche:
Weiterhin können auch komplexe Suchausdrücke eingegeben werden, die Suchoperatoren wie “AND” und “OR” beinhalten und mit Klammern und Hochkommas Teile zusammenfassen. In diesen Fällen arbeitet die Suche wie bisher.
Gleichzeitig haben wir auch die Foto Galerien überarbeitet.
Bisher mussten Galerien einzeln durchgeblättert werden, selbst wenn man nur an bestimmten Bildern interessiert war. Hier haben wir mehr Komfort eingebaut. Was nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, hat aber gerade bei den zahlreichen Artikeln mit vielen Fotos einen grossen Effekt.
Neuerdings könnten Bilder auf zwei Arten angeschaut werden:
- Wie bisher: (1) Wenn man bei einem Artikel das Foto oben links anklickt, wird einem die Grossansicht des Fotos gezeigt, in der man dann mittels Pfeiltasten auf Ihrer Tastatur (links/rechts) vorwärts- und rückwärtsblättern kann. Alternativ zu den Pfeiltasten kann auch die Maus benutzt werden, indem man in das links oder rechte Drittel des Fotos klickt.
- Neu: (2) Wenn man auf den Text-Link “Fotogalerie” direkt unterhalb des Fotos oben links klickt, erreicht man eine Seite, die alle Bilder der Galerie in einer Übersicht darstellt. Damit kann man schnell einen Überblick über die Fotos der Galerie gewinnen und bei dem Bild einsteigen, das spezielles Interesse weckt. Beim Klick auf eines der Fotos (3) in der Galerieübersicht erscheint wiederum die Grossansicht, in der man dann nach Belieben wieder vorwärts- oder rückwärtsblättern kann.
Tags: Making of, Benutzertips
Was ist eigentlich Zwischengas?
Bruno von Rotz - 26.01.2011 |
Unsere Online-Plattform heisst Zwischengas, ein Begriff, der Oldtimer-Enthusiasten sicher etwas sagt. In der Neuzeit ist die "Fähigkeit", mit Zwischengas zu fahren, ja etwas verloren gegangen, respektive wird von modernen Mobilen gar (künstlich) von der Motorelektronik übernommen.
In der Frühzeit des Automobils und im Rennsport war aber Zwischengas lange essentiell. Drum soll hier eine Leserfrage und die entsprechende Antwort vom 15. November 1929 zitiert werden:
"Frage. Schalten mit Zwischengas. Als Sohn eines Abonnenten erlaube ich mir, mich mit folgender Frage an Sie zu wenden, für deren Beantwortung in der «A.-R.» ich Ihnen im voraus bestens danke. Hat das doppelt Kuppeln beim Schalten einen Vorteil und welchen ? Ich fahre einen grossen deutschen Tourenwagen Modell 1920.
Antwort. Das Schalten mit doppeltem Kuppeln oder besser das Schalten mit Zwischengas erweist sich als sehr gute Methode, obwohl sie nicht von allen Fahrlehrern unterrichtet wird. Will man beispielsweise vom dritten Gang in den zweiten hinunter, so braucht man beim Schalten mit doppeltem Kuppeln nicht erst abzuwarten, bis der Wagen langsam genug läuft, man braucht auch nicht den Wagen abzubremsen, sondern man kann, wenn der Wagen bei der ungefähren Maximalgeschwindigkeit des untern Ganges angelangt ist, auskuppeln, den Schalthebel in die Leerstellung bringen, einkuppeln und Zwischengas geben, wiederum auskuppeln und den niedrigen Gang wählen, wobei derselbe ohne Geräusch einschaltet. Aber auch beim Aufwärtsschalten bietet das doppelte Kuppeln (hier ohne Zwischengas) Vorteile, speziell wenn man vom zweithöchsten in den höchsten oder direkten Gang kommt. Das Schalten mit doppeltem Kuppeln ist für den Anfänger nicht gerade leicht.
Wichtig ist vor allem, dass man, wenn man Zwischengas gegeben hat, den Motor von der Maximaltourenzahl hinunter auf eine Tourenzahl sinken lässt, die für ein leises Schalten notwendig ist. Entscheiden müssen hier Gehör und Fahrgefühl."
Dem ist wenig zuzufügen. Ausser, dass es neben der Schonung von Getriebe und Synchronringen natürlich insbesondere im Rennsport wichtig sein kann, das Schleppmoment des Motors (nach dem Einkuppeln ohne Gas bremst der Motor ja sozusagen die Antriebsachse), das in Kurven zur Gefahr wird, mit Zwischengas zu verringern. Und natürlich ist das Herunterschalten mit Zwischengas im Rennsport noch etwas komplizierter, da gleichzeitig zur Gasbetätigigung ja auch noch weiterhin gebremst werden muss, wenn man vor Kurven verlangsamt. Viele Rennfahrer liessen sich daher die Pedale entsprechend anpassen, um dies zu erleichtern.
Und noch eine Anmerkung: Der Begriff "Zwischengas" existiert in anderen Sprachen nicht als einzelnes Wort, die Engländer zum Beispiel sprechen von "double clutch", aber damit ist eigentlich erst die Hälfte gesagt, eine vollständige Übersetzung wäre dann wohl so etwas wie "double clutching with throttle response". Manchmal ist eben die deutsche Sprache doch kürzer und prägnanter.
Tags: Erinnerungen
Mercedes 300 SL für fast 1.4 Mio USD versteigert - wohin gehen die Klassikerpreise?
Bruno von Rotz - 25.01.2011 |
Letzte Woche fand die “RM Auctions”-Versteigerung in Arizona statt. 180 Fahrzeuge waren angeboten worden, immerhin 96% davon wurden verkauft, für immerhin über 30 Millionen USD, also rund 170'000 USD das Stück. Interessant dabei ist, dass einige Fahrzeuge deutlich über dem “Estimate” (also der vorgängigen Einschätzung), andere aber auch weit darunter verkauft wurden. Sogar Schnäppchen konnten (vermutlich) gemacht werden.
Der gross angekündigte Ferrari 166 MM Barchetta (unser Bericht stellte den Wagen ausführlich vor) fand für USD 1.870 Millionen einen neuen Besitzer. Der Preis kam damit leicht unter der Schätzung von 1.9 bis 2.4 Millionen zu stehen.
Eine grosse Überraschung war der hohe Preis, der für einen Mercedes-Benz 300 SL - restauriert für rund 300’000.- vor drei Jahren - erzielt wurde. Mit USD 1,375 Mio. dürfte dies einer der teuersten Flügeltürer überhaupt sein.
Einen hohen Preis erzielte auch der Ferrari 365 GTB/4 Daytona Spider eines Baseball-Stars, der mit USD 880’000.- leicht über dem unteren Estimate verkauft wurde.
Im Vergleich dazu schon fast als günstig darf der Dino 246 GT von 1970 bezeichnet werden, der für USD 115’500.- klar unter dem Schätzpreis von USD 125’000 bis 150’000 zugeschlagen wurde. Ob es an der weissen Farbe lag?
Auch andere Fahrzeuge verfehlten den Schätzpreis deutlich, so eine Jaguar D-Type Recreation von Tempero (USD 95’000 anstatt 150’000 bis 175’000) oder ein Aston Martin DB 4, der für USD 140’000 statt der geforderten 175’000 bis 225’000 keine neuen Besitzer fand.
Auch der wunderschöne Costin Jaguar von 1959 ging für vergleichsweise günstige USD 209’000.- (statt der geschätzten 350’000 bis 450’000) an einen neuen Besitzer.
Bereits für USD 79’750.- konnte man ein weisses Jaguar E-Type Serie-1-Cabrio kaufen (Schätzpreis 100’000 bis 120’000).
Und auch der Arnolt Bristol von 1956 fand für 99’000.- für vergleichsweise wenig Geld (Schätzpreis 110’000 bis 200’000) ein neues Zuhause.
Immerhin konnte der Devin-MGA Supercharged Roadster von 1962 mit USD 55’000 (statt 40’000 bis 60’000) gut verkauft werden.
Es scheint, dass die Amerikaner vor allem auf vergleichsweise gut nutzbare Sportwagen “abfuhren” und Extremfahrzeuge eher etwas vorsichtig bewerteten. Es lässt sich aber kein eindeutiger Trend ablesen. Obschon aber vielerorts die Schätzpreise nicht erreicht werden konnten, wurden fast alle Fahrzeuge verkauft. Dies lässt darauf schliessen, dass die Preise nicht mehr so “fest” sind wie auch schon.
Tags: Auktionen
Vor 60 Jahren - in der Automobil-Revue vom 24. Januar 1951
Bruno von Rotz - 24.01.2011 |
Nicht nur “die Gefahren der Angetrunkenheit bei Motorfahrzeugführern” sind ein Thema vor 60 Jahren, genauer gesagt in der
Automobil-Revue vom 24. Januar 1951
, sondern auch die Rallye Kapstadt-Algier, die mit einer Gesamtstrecke von über 15’000 km eine enorme Herausforderungen für Teilnehmer und Fahrzeuge darstellte.
Peugeot nutzte auf jeden Fall die erreichten Ergebnisse sofort für eine Werbung in eigener Sache, sprich zur Promotion des offensichtlich robusten Peugeot 203.
Wissenschaftlich fundiert und für Rallye-Fahrer ebenfalls interessant ist eine Abhandlung über “den Charakter der Schlussprüfung beim Monte Carlo Rallye”, der sich auf Seite 5 findet.
Ein interessanter Artikel findet sich auf Seite 9 unter dem Titel “Dornenvolles Parkierungsproblem in den USA”.
Die Symptomberschreibung liest sich dann wie folgt:
Eine überspitzte Formulierung des Parkierungsproblems stammt von einem amerikanischen Städtebauer, der vor einigen Jahren sagte: «Demnächst muss sich entscheiden, ob unsere Städte von Autos bewohnt werden sollen oder von Menschen.” Wenigstens zahlenmässig scheinen in manchen Gegenden und zu manchen Tageszeiten die Autos den Menschen überlegen; sie bilden eigentliche Wagenburgen, die in ungebrochener Front die Strassenseiten säumen und nur hier und da eine winzige Lücke lassen, durch die verängstigte Fussgänger zum Sprint quer über die Strasse ansetzen.
Die Beschwerden gehen aber nicht nur von Fussgängern aus —die meisten Fussgänger sind in den USA ja dann, wenn sie nicht Fussgänger sind, ebenfalls Autofahrer. Viel ernster sind die Vorwürfe von anderer Seite. Die Feuerwehr protestiert dagegen, dass die langen Ketten oft doppelt zweireihig parkierter Wagen ihr das Manöverieren der langen Feuerwehrwagen erschwere. Die Strassenreinigungsverwaltung verzichtet darauf, sich zu den Mülleimern durchzukämpfen oder womöglich unter und zwischen parkierten Wagen den Unrat fortzuschaffen. Am lautesten protestieren die Autofahrer selbst. Jeder, der seinen Wagen irgendwo parkiert, muss ihn ja vorher benutzt haben, und der Uebergang vom Fahren zum Parkieren schafft Probleme, die in keiner Fahrerprüfung vorkommen. Namentlich in den grösseren Städten ist die folgende Kopfrechnung an der Tagesordnung: «Um zur 23. Strasse zu kommen brauche ich eine halbe Stunde. Zum Parkieren brauche ich eine weitere halbe Stunde — wenn ich Glück habe.» Ergo benutzt man, wenn es geht, Autobus oder Strassen-, Untergrund-, bzw. Vorortbahn.
Und das war vor 60 Jahren, da passte der kleine Kaiser Henry J gut, denn der war ja vielleicht mit seiner verringerten Parkfläche in der Lage, die Situation ein wenig zu entschärfen.
Und da war noch das Inserat, mit dem ein unbekannter Verkäufer seinen Maserati Rennwagen (6 Zylinder, 1500. Kompressor, tiefgelegtes Rohrrahmenchassis. In tadellosem Zustand. Wunderbare Maschine. ....) für 10’000 Franken unter Chiffre 26186 anbot.
Lang ist es her!
Tags: Vor 60 Jahren
100 Jahre Rallye Monte Carlo - das grosse zwischengas-Spezial
Bruno von Rotz - 23.01.2011 |
Hundert Jahre ist es her, dass die erste Rallye Monte Carlo, damals noch eine reine Sternfahrt, gestartet wurde. Seither fand diese prominente Veranstaltung jedes Jahr, mit Ausnahme der Jahre 1913-1923, 1940-1948, 1957 und 1974, statt und wandelte sich dabei vom gesellschaftlichen Ereignis zur rennsportlichen Härteprüfung und zum motorsportlichen Marketing-Event und kann getrost als eine der wichtigsten Rennsport-Veranstaltungen der Geschichte bezeichnet werden.
Grund genug also, das erste zwischengas-Spezial aufzulegen! Den Anfang mach eine Einsicht in das zwischengas-Archiv. In einem Übersichts-Arikel sind Referenzen auf interessante Berichte der letzten 100 Jahre zusammengefasst und reichhaltig bebildet.
Zentrales Element des zwischengas “100 Jahre Rallye Monte Carlo” Spezials sind aber die Artikelserie von Bernhard Brägger. Der bekannte Motorjournalist hat die Essenz jeder einzelnen Durchführung zusammengefasst, persönliche Gedanken und interessante Anekdoten dazugepackt und wunderbare Berichte - exklusiv für zwischengas.com - geschaffen, die zeigen, wie sich die Rallye Monte Carlo immer wieder wandelte. Ergänzt werden diese Berichte durch weit über 200 Fotos, Streckenzeichnungen und historische Dokumente aus der Geschichte der Rallye Monte Carlo. Die Serie beginnt naheliegenderweise mit dem Jahre 1911 und jeder Artikel zeigt jeweils auf den vorhergehenden, respektive nachfolgenden. Eine
Übersicht über alle Artikel
liegt ebenfalls vor. Die Suche mit dem Schlüsselwort “RMCS100” zeigt eine Übersicht über alle Artikel.
Interessant sind aber natürlich auch die Teilnehmerfahrzeuge der Rallye Monte Carlo. Zwei von diesen werden portraitiert, der Aston Martin DB 2 4 , mit dem Ken Carter 1956 teilnahm, und der Mini Cooper S , den der Ire Hopkirk 1964 zum Sieg fuhr.
Egal als, ob sich jemand für die frühen Jahre oder die späten Gruppe-B-Zeiten mit PS-strotzenden Rennmonstern interessiert, es ist für alle etwas dabei und es ist garantiert, dass sich viel interessantes und teilweise auch unbekanntes in den Artikeln verbirgt.
Tags: Making Of, 100 Jahre Rallye Monte Carlo
Die Kunst des Bremsens und die helfende Technik
Bruno von Rotz - 22.01.2011 |
Bremsen sind in der aktuellen Fahrzeugliteratur kaum mehr ein Diskussionspunkt und auch in Fahrtrainings und Antischleuderkursen ist der einzige Schwachpunkt bei modernen Fahrzeugen der Fahrer, der aus irgendwelchen Gründen nicht genügend stark auf das Pedal drückt und damit Bremsleistung vergibt. Jeder moderne Autofahrer kann ein zeitgenössisches Auto in weniger als 40 Metern aus Geschwindigkeit 100 km/h zum Stehen bringen, wenn die Strasse trocken ist und Sommerreifen aufgezogen sind. Das Fahrzeug übernimmt den grössten Teil der Optimierung.
Das war früher anders. Eine ganze Reihe von Innovationen, Erfindungen und technischen Verfeinerungen haben uns zum brems-sicheren Fahrzeug gebracht. Zählen wir mal ein paar davon auf:
Das ABS, das Anti-Blockier-System, ist wohl eine der wichtigsten technischen Errungenschaften, die in den 80er-Jahren zögerlich in teure Fahrzeuge eingebaut wurde, heute aber zum Standard gehört. Das ABS verhindert ein Blockieren der Räder und stellt insbesondere die Lenkfähigkeit bei Vollbremsmanövern sicher. Während der Bremsweg bei tieferen Geschwindigkeiten auch mit blockierten Rädern kurz sein kann, verlängert er sich ab Startgeschwindigkeit 40 oder 60 km/h stark, wenn die Räder stillstehen. Daher hilft das ABS auch bei einem geradlinigen Bremsmanöver. Insbesondere verhindert es aber auch ein Schleudern des Fahrzeugs und macht damit natürlich die Bremsung viel sicherer.
Viel viel früher kam man aber schon auf die Idee, dass es eine gute Sache sein könnte, alle vier Räder zu bremsen. Am Anfang waren viele Fahrzeuge nämlich nur an einer Achse und zwar üblicherweise der Hinterachse gebremst. Dass auf diese Weise auf den damals schlechten Strassen keine optimal kurzen Anhaltestrecken möglich waren, versteht sich von selber. Dazu kommt noch, dass die Hinterachse beim Bremsen im Vergleich zur Vorderachse nur einen geringen Teil beitragen kann, dass weiss jeder der Velo oder Motorrad fährt und entsprechend selber entscheiden kann, wie er bremsen möchte. Vor dem Krieg war es auf jeden Fall erwähnenswert, wenn ein Auto Vierradbremse hatte.
Jaguar führte in den Fünfzigerjahren in Le Mans die Scheibenbremse ein und holte sich damit einen grossen Vorteil, der allerdings nicht nur in der reinen Bremsleistung lag, sondern auch in Bedienbarkeit und Haltbarkeit. Mancher Autobauer begann damit, die neuen Bremsen zuerst vorne, dann später erst auch hinten einzubauen.
Servounterstützung macht das Bremsen leichter, nicht unbedingt besser. Doch mancher Autofahrer wäre heute wohl kaum mehr in der Lage oder willens, einen so starken Tritt auf das Bremspedal zu setzen, wie für eine Vollbremsung ohne Servounterstützung nötig wäre. Moderne Autos gehen noch einen Schritt weiter, die Fahrzeugelektronik analysiert die Tätigkeit des Fahrers und leitet daraus ab, ob eine Vollbremsung nötig ist und verstärkt den Bremsdruck dann überproportional. Zudem stellen moderne Bremssysteme autonom sicher, dass auch bei Nässe ohne Verzögerung gebremst werden kann, indem der Wasserfilm durch leichtes Ansetzen der Bremsblöcke auf die Scheibe immer wieder beseitigt wird.
Ein wichtiger Fortschritt ist aber auch die Verbesserung der Fahrwerke. Wenn Autos vorne stark eintauchen, entlasten sie die Hinterräder und vergeben Bremsleistung. Anti-Dive-Einrichtungen und ähnliche Konzepte helfen, den Wagen stabil und bremsbarer zu machen.
Einen grossen Anteil an der Verkürzung der Bremswege haben aber vor allem die Reifen. Dank besserer Gummimischungen, grösseren Auflageflächen und optimierten Profilen tragen sie wohl neben ABS und Vierradbremse am meisten zum heute bis auf 30 m verkürzten Bremsweg von 100 km/h auf 0 bei.
Wenn man jetzt also all diese Innovationen und Entwicklungen wegdenkt, kann man sich vorstellen, was für ein Abenteuer es gewesen sein muss, in den 20er-Jahren einen damals bereits über 100 km/h schnellen Wagen schnell zum Stillstand zu bringen! Viel Kraft und Geschick war nötig, wollte man nicht die Strasse verlassen oder das eventuelle Hindernis rammen. Aber auch in den 60er-Jahren lagen zwischen dem Könner und dem Anfänger viele viele Meter Bremsstrecke, wenn ein hartes Anhalten gefordert war. Stotterbremse, intermittierendes Bremsen, ein gesundes Sensorium im Hintern und viel Voraussicht halfen, Unfälle zu vermeiden und schnelle Runden auf Rennstrecken zu fahren.
Übrigens, den heutigen 30-40 Meter für das Bremsmanöver von 100 km/h auf 0 km/h kann man bei einem Auto aus den 60er-Jahren 45-60 Meter gegenüberstellen, die sich bis zu 120 oder 150 Meter verlängern können, wenn man Autos aus den 20er- und 30-er-Jahren beizieht. Wenn das moderne Auto steht, kann ein gleichzeitig voll bremsendes altes Auto also noch mit 40 oder 60 km/h fahren und hat damit bei kurzem Abstand zum Vordermann keine Chance, den Crash zu vermeiden. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Oldtimer-Fahrer sehr vorausschauend und aufmerksam hinter dem Steuer sitzen.
Tags: Technik
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