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Die Bergflunder BMW 700 RS von 1961 - zweimalig und erfolgreich
Bruno von Rotz - 08.01.2011 |
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1940 hatten die BMW-Leute mit dem 328-er für Furore an der Mille Miglia gesorgt, dann war Pause bis 1960, bis man wieder begann, einen lupenreinen Rennwagen zu bauen. Der Zeit gehorchend basierte man die Neuentwicklung, die vor allem der Erprobung von Serienteilen und neuer Ideen diente, auf dem BMW 700, der Erfolgs-Kleinwagen der späten Fünfzigerjahre.
Rennwagentechnik vom Feinsten
Mit dem Serien-BMW 700 hatte der auf den Namen “700 RS” getaufte flache Sportwagen konzeptionell aber wenig gemein. Statt zuhinderst im Heck lag der Motor mittig vor der Hinterachse, dem Motor verpasste Konstrukteur Ludwig Apfelbeck eine Ventilsteuerung über Königswelle mit Kegelradantrieb zu den Enlassnockenwellen. Die Auslassnockenwelle wurde über eine Kette von der Einlassnockenwelle angetrieben.
Dell’Orto-Fallstromvergaser mit grossem Querschnitt sorgten für die Befüllung des 697 cm3 grossen Motors. Über 100 PS pro Liter betrug die Leistung bei atemberaubenden 8’000 U/Min. Das Vierganggetriebe ordnete man hinter der Hinterachse an.
Gitterrohrahmen und Kofferraum
Der neue Rennwagen wurde gemäss den damaligen FIA-Vorschriften entwickelt. Dies bedeutete unter anderem, dass Platz für einen Kofferraum von 60x40x20 cm vorgesehen werden musste, die Windschutzscheibe eine bestimmte Höhe haben musste und ein Zweikreisbremssystem verlangt wurde. Auch ein Reserverad musste mitgeführt werden.
Diese reglementarischen Rahmenbedingungen berücksichtigend konstruierte man einen überaus leichtgewichtigen Gitterrohrrahmen und zog eine Alluminiumhaut darüber. Der Wagen mass 3,465 Meter in der Länge, 1,46 Meter in der Breite und war 1,06 Meter hoch.
Den geforderten Kofferraum positionierte man hinten, den 58 Liter grossen Tank und das Reserverad vorne.
Fahrwerkstechnisch montierte man rundum Einzelradaufhängungen mit Teleskopstossdämpfern. Das Interieur war minimalistisch ausgelegt, immerhin zierte ein Nardi-Lenkrad das Cockpit.
Trotz konsequenter Ausrichtung auf den Rennsport konnten viele Serienteile des BMW 700 übernommen werden, darunter die Lenkung, die Vorderradaufhängung und viele weitere Technikkomponenten.
Tests auf gesperrten Bergstrassen
Nach Abschluss der Entwicklungsarbeit, die vor allem durch Alexander von Falkenhausen und Heinz Eppelein geleistet wurden, standen ausgiebige Testfahrten an. Erste Probefahrten wurden mit Altmeister Hans von Stuck am Wallberg beim Tegernsee durchgeführt, einen Grossteil der Testfahrten leistete Werner Schneider. Zu diesem Zweck wurde die gebührenpflichtige Bergstrasse “gemietet” und “volles Rohr” gegeben.
Am 15. Juni 1961 verkündete die BMW-Presseabteilung stolz: “Wenn am 18.6.1961 ein neuer BMW-Sportwagen, der BMW 700 RS am Start zum Rossfeld-Bergrennen steht, so handelt es sich dabei um einen Versuch der Techniker von BMW, die Grenzen der Fahreigenschaften des BMW 700 in höheren Geschwindigkeitsbereichen zu erkunden. Aus dem gleichen Grund entstand ja im vergangenen Jahr der 60 PS BMW 700 GT, der die grossen Reserven im normalen Fahrgestell des BMW 700 zeigte.”
Zu dieser Zeit munkelte man von 100 zu bauenden 700 RS und auch von Kundensport.
Erfolgreiche Renneinsätze
Beim ersten Renneinsatz am Rossfeld erlitt der neue 700 RS im Sommer 1961 einen Kupplungsschaden und fiel aus. Die Einscheiben-Trockenkupplung mit Torsions-Schwingungsdämpfer wurde daraufhin verstärkt.
Aber beim Bergrennen Freiburg-Schauinsland lief es dann rund: Herbert Linge und Werner Schneider traten im verbesserten BMW 700 RS an, diesmal gelang der erste Sieg. Schneider besiegte den Abarth-Fahrer Prinoth, während Linge in der Hundskurve von der Strasse kam, ohne grossen Schaden zu nehmen.
Am Gaisberg traten zwei BMW 700 RS in der Sportwagen-Subklasse bis 850 cm3 an. Hans von Stuck gab schon im Training eine Zeit von 5 Minuten 29 vor, was einen Schnitt von 94 km/h bedeutete. Beeindruckend. Im Rennen lief es noch besser. Diesmal hatte aber Schneider bei der Addition der beiden gewerteten Zeiten die Nase vorn, 10:17.0 gegen 10:17,9 für Hans von Stuck. Damit waren sie schneller als der siegreiche Ferrari 250 GT in der GT-Klasse und nur unwesentlich langsamer als die schnellsten Porsche Carrera.
Ende der Rennkarriere und Überleben beider Sportwagen
Es folgten weitere Renneinsätze, bis 1964 Schluss war. Beim Flugplatzrennen Neubiberg trat Alexander von Falkenhausen zum letzten Mal mit der BMW-Flunder an, dann wurden die beiden einzigen gebauten Wagen an BMW-Händler Willi Martini verkauft.
Martini veränderte den RS Nummer 2 im Überrollbügelbereich durch eine Verkleidung, wie man sie von Ferrari Rennwagen der damaligen Zeit kannte. Der Wagen wurde rot umlackiert, aber nur einmal in einem Rennen eingesetzt. Heute befindet sich der Wagen wieder im Besitz von BMW während sich der RS Nummer 1 in einem neuwertigen Zustand bei einem Sammler in den USA befindet.
Weitere Informationen
- AR-Zeitung Nr. 28/1961 vom 22. Juni 1961: Dreifacher Schweizersieg am Rossfeld
- AR-Zeitung Nr. 34 / 1961 vom 3. August 1961, Seite 9: Erster Sieg des BMW 700 RS am Bergrennen Freiburg-Schauinsland
- AR-Zeitung Nr. 40/1961 vom 14. September 1961: Sepp Greger siegt am Gaisberg
- hobby 8/1961: 180 km/h mit dem neuen BMW 700 RS
- Oldtimer Markt Heft 9/2009, Seite 36: Mit dem BMW 700 RS am Mont Ventoux













