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Bild (1/18): Ford Speedster an der Ländle Classic 'Schneegestöber' 2012 (© Daniel Reinhard, 2012)
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    Potz Schneesturm und Kettenbruch - Ländle Classic Schneegestöber 2012

    23. Januar 2012
    Text:
    Daniel Reinhard
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (48)
     
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    Eine weitere Rallye wird seinem Namen gerecht. Die Rallye Monte Carlo endet in Monte Carlo, die Carrera Panamericana findet auf der berühmten gleichnamigen Strasse statt, die Mille Miglia erstreckt sich ziemlich genau über 1600 km (und damit 1000 Meilen) und beim Schneegestöber der Ländle Classic wurde doch tatsächlich morgens um halb elf in Braz im Schneetreiben gestartet, die Mittagspause fand infolge des Schneegestöbers noch knapp vor dem Ziel im offenen Wald statt und das Tagesziel wurde mit rund zwei Stunden Verspätung im dichten Schneetreiben erreicht. Und warum? Weil der ganze Tag von dichtem Schneefall begleitet wurde.

    Schneefluten im Ländle

    Schnee in rauhen Mengen verwandelte die eh schon schwer zu befahrenen Strassen in fast unüberwindbare Hindernisse. Autos mit „normaler“ Bodenfreiheit verloren schon bald ihre Traktion, weil das Auto mit der Bodenplatte auf dem Schnee aufsass. Es musste geschaufelt und geschoben werden. Blieb einer hängen musste der Rest warten, respektive bei den Kollegen selber Hand anlegen, nur um später selber, natürlich meist ebenfalls unter fremder Hilfe, dem Ziel näher zu kommen. Kaum ein Teilnehmer konnte sich dabei der wunderschönen Märchenlandschaft erfreuen.

    Alle waren beschäftigt und dabei kam doch auch schon mal die Frage auf: „Wieso tut man sich das an - freiwillig und man bezahlt noch dafür?“
    “Weil es eine der letzten wirklichen Herausforderung ist”, meint Markus Tanner, dieses Jahr im neu aufgebauten Kompressor-MG A (siehe auch die Fahrzeugvorstellung auf Zwischengas) unterwegs. Er gewann im Vorjahr mit dem Triumph Dolomite Sprint die “Trophy der kettenlosen Fahrt”. Eine Wiederholung mit dem MG klappte um knappe 100 Meter nicht.

    Ketten unverzichtbar

    Eines ist sicher, alle 30 Teilnehmer könnten heute bei der Fernsehsendung „Wetten dass?“, Ketten in jeder noch so erbärmlichen Lage montieren. Lang hielten diese der enormen Belastung auch nicht stand. So klagte Georg Dönni schon bald über den Verlust von zwei Ketten. Kein Problem, denn die örtlichen Garagen hatten genug im Angebot, zum Schnäppchenpreis von € 160.

    Kampf dem Schnee, wo immer man gerade war. Mit den unterschiedlichsten Arten von Autos versuchten die tapferen Rallye-Besatzungen ihr Glück. Ob ein Vorkriegs-Ford Speedster, eine Alfa Romeo Giulia SS, ein Lancia Delta Integrale oder auch ein Pinzgauer, die gesamte Palette war am Start - mit Vorderrad-, Hinterrad-, Allrad- oder Allradantrieb und Untersetzung, sowie allen erdenklichen Geländehilfen.

    Schlussendlich musste aber doch noch kurzfristig der Bauer mit seinem überdimensionalen Traktor organisiert werden um einen Mini, einen Porsche 911, sowie einen BMW 2002 vor dem Warten auf den kommenden Frühling zu retten.

    Kameradschaft statt Egoismus

    Eine eigens für diese Rallye entwickelte Wertung ist sicher nicht über alle Zweifel erhaben und würde eigentlich die Egoisten begünstigen, aber im harten Einsatz von Mensch und Maschine dachte kein Teilnehmer mehr an eine Wertung. Alle jubelten und freuten sich, wenn es der Kollege dann doch endlich geschafft hatte. Sogar die wertungswichtigen Stempel wurden von dem einen oder anderen Beifahrer für alle Hängengebliebenen, in einem teils längeren Fussmarsch, abgeholt.

    Stempel statt Schläuche

    Da man unter diesen Bedingungen niemals einen Schnitt von 50 km/h einhalten konnte und Schläuche sich im tiefen Schnee verlieren würden, waren die Stempel gefragt. Die schnellste Zeit vom Start zum Etappenziel ergab die Richtlinie für alle. Mit einem Plus von 10% als Abweichung ging man straffrei aus. Eine Stunde länger ergab 100 Strafpunkte, die aber mit zwei zusätzlichen Stempeln bereits wieder egalisiert waren.

    Erst eine zweistündige Verspätung ergab richtig viele Strafpunkte. Nicht jeder Teilnehmer schaffte es, alle Stempel einzuholen. Oft wurde der Abbruch einer Spezialprüfung dem Stempel vorgezogen.

    In drei verschiedenen Kategorien wurden die rund 30 teilnehmenden Fahrzeuge schlussendlich gewertet: Fahrzeuge bis 1960, Fahrzeuge von 1961 bis 1985, die Fahrzeuge mit Allradantrieb bis 1985 (4 Fahrzeuge). Infolge der zu befahrenden Strassen ist ein Mehr an Teilnehmern absolut unmöglich.

    Noch mehr Schnee und sogar Lawinengefahr am zweiten Tag

    Auch am zweiten Tag blieb die Rallye ihrem Namen treu. Es kam sogar noch besser, so musste der Verlauf der Rallye infolge des zunehmenden Schnees improvisiert werden. Die Mittagspause endete im Bergrestaurant Grabs auf rund 1’500m Höhe. Bereits auf der Anfahrt zur  Bergstrasse wurden die Teilnehmer von der Ortspolizei gezwungen, Ketten zu montieren. Da halfen alle Debatten um einen Versuch ohne die Winterhilfen nichts. 

    Nach der Mittagspause ging es weiter nach Klösterle. Hier hätte noch eine Bergfahrt stattfinden sollen, diese wurde aber infolge drohender Lawinengefahr kurzfristig annulliert. Zum Glück, denn ziemlich genau um 14:30 Uhr schob sich der weisse Tod über den Parkplatz. Die drei Meter hohe Schneedecke hätte vermutlich den gesamten Rallye-Tross unter sich begraben.

    Zufriedenheit bei Veranstalter und Teilnehmern

    Die Rückfahrt nach Braz gestaltete sich für die Benutzer der Hauptstrasse als angenehm, während jene auf der Schnellstrasse in einem Stau viel Zeit verloren.

    Markus Tanners MG A kassierte, infolge eines defekten Kondensators, unnötige 100 Strafpunkte. Das Bagatellteil war noch keine 300 km alt, als es die Zündung verrückt spielen liess und ausgetauscht werden musste. Trotzdem erreichte der Engländer noch den guten dritten Platz in seiner Klasse.

    Nur ein Teilnehmer musste vorzeitig aufgeben. Infolge drei gebrochenen Radbolzen (von insgesamt fünf) musste Beda Hämmerli seinen Ford Speedster am zweiten Tag stehen lassen.

    Schlussendlich zeigte sich Veranstalter Dieter Schwarz sehr zufrieden und diese Zufriedenheit wurde durch die begeisterten Teilnehmern noch gesteigert.

    Wo sonst ausser im Ländle kann man inzwischen auf 90-prozentige Schneesicherheit stolz sein? Bei den bisher elf Winterrallyes fanden deren zehn tatsächlich auch auf Schnee statt.

    Sorgfältige Materialwahl wird empfohlen

    Eines jedoch muss noch gesagt sein: Nicht jedes Auto eignet sich für das Schneegestöber. Man sollte es sich wirklich zweimal überlegen, welches Fahrzeug man für eine derartige Rallye melden möchte! Auch diejenigen, die nicht um den Sieg kämpfen können oder wollen, drohen zum Hindernis für alle anderen zu werden. Auch bei defensiver Fahrweise können Schäden am Auto entstehen, und sei es nur schon wegen  Abschleppens unter erschwerten Bedingungen.

    Auch 2013 wieder ein Schneegestöber

    2013 findet die 12. Ländle-Classic "Schneegestöber“ vom 18. bis 20. Januar statt. Die Allradklasse ist jedoch bereits ausgebucht. Somit gilt die Baujahrgrenze 1985. Je älter das Auto, desto grösser ist die Chance für eine Teilnahme.

    Die Ergebnisse der verschiedenen Klassen

    Schlussklassement der Klasse bis Baujahr 1960

    1) Georg Dönni, Hansruedi Eberli und Robin, Jaguar MK1, 1959
    2) David und Romy Peterhans, Landrover S1, 1960
    3) Markus Tanner und Matthäus Scherrer, MG A, 1959

    Schlussklassement der Klasse bis Baujahr 1985

    1) Küde Ammann und Chrigi Tobler, Triumph Dolomite Sprint, 1980
    2) Stephan und Karin Furter, Triumph TR7, 1978
    3) René Grüter und Hansruedi Zimmermann, Austin 1300 GT, 1973

    Schlussklassement der Allradklasse

    1) Jürgen und Johanna und Justus Knoll, Range Rover, 1980
    2) Christoph Schneider und Christian Huber, Audi 90 Quattro, 1985
    3) Klaus Presterl und Dagmar Kajtna, Golf Safari, 1991

    Gesamtklassement Schneegestöber Ländle Classic 2012

    1) Küde Ammann und Chrigi Tobler, Triumph Dolomite Sprint, 1980
    2) Georg Dönni, Hansruedi Eberli und Robin, Jaguar MK1, 1959
    2) Jürgen, Johanna und Justus Knoll, Range Rover, 1980

    Zu den drei Wertungskategorien hat Zwischengas je eine ausführliche Fotogalerie mit insgesamt rund 200 Abbildungen zusammengestellt.

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