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Porsche 924 Carrera GT - Evolutionsmodell in 406 Exemplaren
Bruno von Rotz - 01.09.2010 |
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Der Porsche 924 litt durch seine ganze Bauzeit an Image-Problemen, zu übermächtig war der grosse Bruder 911. Um dies zu ändern, besann sich Porsche einer alten Strategie und produzierte eine Rennsportversion, die in Le Mans 1980 mit Platz 6 hervorragend abschnitt. Auf dieser Basis entstand dann ein Evolutionsmodell, der Porsche 924 Carrera GT, der in 406 Exemplaren gebaut wurde und für DM 60'000.- oder 58'000 Schweizer Franken unter die Leute gebracht wurde. Viele prominente Erstbesitzer bestätigten die hohe Klasse dieses Fahrzeugs, rennsporttechnisch erfüllten sich aber nicht alle Hoffnungen des Porsche-Werks, trotz starkem Beginn.
Erfolg in Le Mans
Am 14. Juni 1980 horchte die Welt auf! Drei Porsche 924 liefen beim 24 Stunden Rennen von Le Mans auf den Plätzen 6, 12 und 13 ein. Gute Voraussetzungen für hohe Fahrleistungen und wettbewerbsfähige Strassenlage hatte der Porsche 924 schon von Anfang an gehabt, dank Transaxle-Bauweise (Getriebe hinten beim Differential) und daher ausgeglichener Gewichtsverteilung. Und spätestens mit der Vorstellung des Porsche 924 Turbo waren auch Beschleunigungs-Junkies auf ihre Rechnung gekommen. Der Porsche 924 litt aber sehr unter dem Image, ein eigentlich für den VW-Konzern entwickelter günstiger Sportwagen zu sein. Porsche versuchte viel, um von diesem Image wegzukommen. Komponenten wurden verbessert und Porsche-like gemacht, das ganze Fahrzeug in typischer Porsche-manier kontinuierlich verfeinert. All dies halt aber nichts, der Porsche 924 konnte sein "weiches" Image nicht ablegen, mancher 911-Fahrer belächelte das Auto.
Mit dem Le Mans Erfolg war eine gute Basis gelegt für ein rennsportliches Evolutionsmodell, der Porsche 924 Carrera GT. Er wurde in der zweiten Hälfte 1980 in 406 Exemplaren gebaut, allesamt in rot, silber und schwarz gespitzt. Die Änderungen gegenüber dem "normalen" Porsche 924 Turbo waren substantiell: Andere Kolben, ein grösserer Turbo, höhere Verdichtung und ein Ladeluftkühler erhöhten die Leistung von 170 PS auf 210 PS. Ein tiefergelegtes Fahrwerk und breitere Räder unter dicken Kotflügelverbreiterungen aus GFK verbesserten die Strassenlage. Dass alle diese Veränderung ohne Verschlechterung des CW-Wertes gelangen, ist unter anderem der eingeklebten Frontscheibe zu verdanken, aber auch der Feinarbeit, die Porsche dem Zögling angedeihen liess.
Wie fährt sich der Porsche 924 Carrera GT?
Das meiste an einem Carrera GT erinnert an den normalen 924 Turbo. Erfahrene 924-Piloten finden sich sofort zurecht. Für 924-Neulinge wird die Handbremse links vom Fahrersitz erstaunen, für 911-Fahrer sitzt das Zündschluss auf der falschen - nämlich der rechten - Seite vom Lenkrad. Auch nach dem Starten des Motors gibt es keine Überraschungen. Dieser tönt ähnlich wie bei den übrigen 924, etwas langweilig halt. Wer Motoren-Symphonien wie bei einem Alfa-Romeo oder 911 sucht, ist hier falsch, obschon die Geräusche zwischen 2'000 und 3'000 Umdrehungen durchaus nach etwas tönen, vergleichbar in etwa mit dem Grollen einer Alpine A110 1600 S. Darüber wird's einfach nur laut.
Was aber, speziell aus heutiger Sicht, süchtig-machend daherkommt, ist das Pfeifen des Turboladers. Höhrbar bereits bei 2'000 Umdrehungen, wird das Pfeifen ab 3'000 immer hochtouriger, um dann auch als typischer Turbo-Boost zu überlegenen Fahrleistungen zu verhelfen. Auch heute noch ist der Porsche 924 Carrera GT ein schnelles Auto, nie kommt man sich untermotorisiert vor. Allerdings braucht es hohe Drehzalen, um in jedem Gang gute Anschlüsse mit Turbo-Effekt zu haben.
Das Fahrwerk ist, vorausgesetzt der Wagen ist gut gewartet und die Reifen keine 10 Jahre alt, den Fahrleistungen problemlos gewachsen. Auch heute noch ist man beeindruckt von den hohen Kurvengeschwindigkeiten, die das Fahrzeug erreicht. Doch Achtung, kein ESP oder ABS helfen, wenn einem das Talent oder die Strasse auszugehen droht. Aber auch weniger geübten Fahrern werden mit dem 924 bessere Rundenzeiten gelingen, als mit einem damaligen 911. Und auch im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Ferrari 308 GTB/GTS sieht der 924 Carrera GT nicht schlecht aus. Dank tieferem Gewicht und hervorragendem Fahrwerk dürfte ein herzhaft bewegter 924 dem 308 auf der Rennstrecke durchaus davonfahren können. Dass das Fahrzeug auch auf langen Autobahnetappen angenehm zu fahren ist und sogar einen gewissen Federungskomfort an den Tag legt, macht den 924 Carrera GT schon fast alltagstauglich. Aus heutiger Sicht fällt allerdings das Fehlen einer Klimaanlage (Gewicht) oder elektrischer Fensterheber (Gewicht) auf. Dass sich manches am 924 sehr nach VW (z.B. Blinkerhebel) anfühlt, mag als Nachteil gesehen werden, die gute Zuverlässigkeit und Haltbarkeit dieser Teile versöhnt auf der anderen Seite aber wieder.
Wieviel ist ein Porsche 924 Carrera GT heute wert?
Guterhaltene Porsche 924 Carrera GT haben sich heute in etwa beim damaligen Neupreis wieder eingependelt, also bei rund 45'000 Schweizer Franken oder 30'000 Euro, was den damaligen DM 60'000 entspricht. Es empfiehlt sich, gut gewartete und dokumentierte Fahrzeuge zu wählen, da Reparaturen trotz der breit eingesetzten Audi/VW-Technik tüchtig ins Geld gehen können. Insbesondere im Interieur-Bereich sind viele Teile nur noch schwer verfügbar. Verglichen mit anderen Sportwagen aus den früheren 80er-Jahren kann man den CGT, wie ihn die Fans nennen, vor allem in Anbetracht der geringen Stückzahl als Schnäppchen sehen. Der Porsche 911 Carrera RS, von dem über 3x mehr Fahrzeuge gebaut wurden, erreicht heute den x-fachen Neupreis und auch ein damals ähnlich teurer Ferrari 308 GTB/GTS wird in gutem Zustand teurer gehandelt.











