Bild (1/1): Lamborghini Marzal 1967 - Seitenansicht auf geöffnete Elemente (© Tom Wood (RM Auctions), 2011)
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Lamborghini Marzal - Bertones innovativer Entwurf eines viersitzigen Sportwagens

Bruno von Rotz - 16.05.2011

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Am Genfer Autosalon von 1967 war der Lamborghini Marzal (P200), der in Zusammenarbeit von Lamborghini und Bertone entstanden war, eine Sensation. So viele neue Ideen und Komponenten hatten noch selten Eingang in ein Fahrzeug gefunden.

Atemberaubendes Design von Marcello Gandini

Der Lamborghini Marzal sah aus, wie kein Fahrzeug vorher. Grosse Glasflächen auf der Seite (und oben/vorne, insgesamt 4,5 Quadratmeter), lange  Flügeltüren, eine Bienenwabenverkleidung hinten und eine superflache Front prägten die futuristische Gesamterscheinung.

Innen fanden sich vier zierliche Einzelsitze und ein Armaturenbrett, das das Bienenwabenmuster wiederholte. Ferruccio Lamborghini soll von den langen Flügeltüren mit den Fensterflächen oben und unten nicht begeistert gewesen sein, da dadurch die Beine einer Dame ständig und für alle im Blickfeld gewesen wären. Die wegen des grossen Sicherheitsglasanteils rund 33 kg schweren Türen hatten aber auch noch andere Nachteile, mussten sie doch durch einen aufwändigen Türmechanismus mit Spiralfedern und Stahlseilen am Zufallen gehindert werden. Etienne Cornil schrieb dazu in AR 14/1967, dass der Mechanismus an die Ideen eines Leonardo da Vinci erinnerten.

Neuer Zweiliter-Reihensechszylinder

Der Motor des Marzals war eine Neukonstruktion. Quer eingebaut lieferte der Reihensechszylinder mit drei Horizontal-Webervergasern 175 DIN-PS und war im Gegensatz zum Miura eher hinter als vor der Hinterachse montiert. Damit handelte es sich eigentlich beim Marzal um ein Heckmotor-Fahrzeug. Mit 1'310 kg Gewicht (mit 75 Liter Benzin im Tank vorne) hätte die Leistung für ordentliche Fahrleistungen ausgereicht. Die Gewichtsverteilung war dank der Einbauweise mit 2 bis 4 Personen an Bord fast ausgeglichen.

Der Miura als Organspender

Die ursprüngliche Idee bei der Entwicklung des Marzals war es gewesen, den Wagen mechanisch gleich auszurüsten wie den Miura und dazu einfach den Radstand etwas zu verlängern, so dass vier Leute statt zwei Platz gehabt hätten. Dieser Ansatz war aber so nicht umsetzbar. Der Motor wurde daher “halbiert” und zusätzlich nach vorne geneigt, um die Gewichtsbalance zu optimieren. Beim Chassis übernahm man die kastenartigen Konstruktionselemente des Miura, verlängerte den Radstand aber von 2,5 auf 2,62 Meter. Die Karosserie bestand vorwiegend aus Stahlblech, die Motorhaube war aus Aluminium. Die Magnesium-Räder von Campagnolo erinnerten wiederum an die Miura-Felgen.

Fahrbar, aber auch nutzbar?

Gegenüber anderen “Idea Cars” setzte sich der Marzal dadurch ab, dass er ein weitgehend funktionsfähiges Fahrzeug war. Zumindest war es Prinz Rainier von Monaco und seiner Gemahlin Grace Kelly möglich, anlässlich des GP Monaco am 7. Mai 1967 Demonstrationsrunden zu drehen.

Etienne Cornil lobte in einem Artikel in der AR vom 11. Januar 1968 die sorgfältig durchdachte Kühlung des Fahrzeuges mittels Klimaanlage und acht im Innenraum verteilte und einstellbare Düsen. Auch die “Stossstangen” zeigten einen konstruktiv interessanten Lösungsansatz, wurden doch massive Gummiprallkissen verbaut, die Stösse dämpfen sollten.

Vorgänger des Lamborghini Espada

Lamborghini nahm die Idee des viersitzigen Sportwagens mit dem Espada ein Jahr später wieder auf. Während erste Prototypen noch Flügeltüren analog zum Marzal hatten, flossen  diese zugunsten eines konservativeren Ansatzes nicht in die Serienproduktion ein, genausowenig wie der Heck-/Mittelmotor. Der Espada, der immerhin einige Designelemente des Marzals erben durfte, blieb bis 1978 Teil des Lamborghini-Programmes

Einmalig und zu kaufen

Der einzige Prototyp Lamborghini Marzal wird an der RM Auction anlässlich des Concorso d’Eleganza Villa d’Este am 21. Mai 2011 versteigert und soll dort hoffentlich mindestens den Schätzpreis von € 1’000’000 bis 1’800’000 einbringen.

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