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Bild (1/1): Dr. Emil Enzmann, Landarzt und Konstrukteur des Enzmann 506, geboren 1921 (© Daniel Reinhard, 2011)
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    Gewicht macht krank - Interview mit Dr. Emil Enzmann

    16. November 2011
    Text:
    Bernhard Brägger
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (1)
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    (6)
    Archiv 
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    Am 26. November 2011 wird Dr. med. Emil Enzmann - der Konstrukteur des Enzmann 506 - 90 Jahre alt. In einem ungewöhnlichen Gespräch, erinnert sich Emil Enzmann an die Zeit, als er im entlebuchischen Schüpfheim zusammen mit seinem Vater und seinen fünf Brüdern die Idee vom modernen Strassen-Sportwagen realisierte. Der Landarzt ist nicht nur ein Pionier im Design, im Leichtbau, sein Enzmann 506 barg auch jede Menge Ideen zur passiven Unfallverhütung.

    Anmerkung: Um das Gespräch wortwörtlich wiederzugeben, wird die in der Schweizerischen Mundart gebräuchliche Vergangenheitsform -  das Perfekt -  verwendet.  Die Schweizerische Mundart kennt das Präteritum (das Vorhergegangene) nicht. Dialektausdrücke wurden durch Hochkommas gekennzeichnet.

    Ganz federleicht

    Ich habe in Langnau eine Arzt-Praxis gehabt, bin aber immer im Kontakt mit meinem Elternhaus in Schüpfheim geblieben (Anmerkung der Redaktion: Distanz rund 25 km). Damals bin ich einen Porsche gefahren. Und da hab ich mal unten in der väterlichen Garage ein altes VW-Chassis gefunden. Da hat es mich “wundergenommen”, wie das Fahrverhalten so wäre, ohne das Gewicht der Karosserie. Damit bin ich herumgefahren und bin ganz erstaunt gewesen, wie der schön läuft, nur mit Motor, dem Sitz, der Kühlung, den Achsen, den Rädern. Das alles habe ich provisorisch montiert.  Einfach so - ohne Karosserie. Auch im Gelände ist der Karren ganz wunderbar gelaufen mit dem Motor hinten. Und vorne mit wenig Gewicht. Ganz federleicht. Den hast du mit zwei Fingern lenken können, ohne Kraft. Das ist fantastisch gewesen.

    Aluminium gegen Polyester

    Ich habe immer ein Flair für Figuren gehabt. Ja, die Form des Enzmann ist meine Idee gewesen. Ich konnte nicht mit Zahlen arbeiten – ich musste praxisbezogen vorgehen. Also habe ich ein Holzmodell im Massstab 1:1 gebaut. Ich musste doch hineinhocken, ich musste genau wissen, wie hoch es sein muss, damit ich geschützt bin. Den hochgezogenen Nackenschutz mit einbezogenem Überrollbügel als tragendes Element für den Wagen wollte ich fühlen, es ertasten. Dies ist aerodynamisch und statisch wichtig gewesen.

    Vater ist der Chef der Adler Garage gewesen. Er hat viel organisiert: Auch die Ausstellung des Enzmann am Comptoir Suisse in Lausanne 1956 um zu zeigen, dass wir auch etwas ausstellen können, was Hand und Fuss hat. Alle, die bei uns vorbeigekommen sind, haben gegen die Karosserie geklopft, gedrückt und sind erstaunt gewesen, keine Dellen zu verursachen. Ganz im Gegenteil zur Ausstellung 1957 im Deutschen draussen, an der IAA in Frankfurt. Da sind wir neben Denzel gestanden. Die stellten einen Porsche aus Aluminium aus. Die Besucher sind bei unserem Enzmann stehen geblieben, haben geschaut und sind nachher bei Denzel klopfen gegangen. Da hat es Dellen gegeben. Die Denzel-Leute haben die grösste Angst gehabt, dass ihre Karosserie kaputt gehe!

    Die Karosserie ist ja fast wie ein Rohr gewesen – fast geschlossen oben. An einem Vortrag habe ich einmal ein Papier genommen und den Wagen aufgezeichnet. Und dann hab ich nochmals ein Papierröllchen genommen, zwei Türen aufgemalt und ausgeschnitten. Und da ist natürlich der Teil mit den Türen nach unten gehangen, während beim andern Röllchen alles stabil blieb.  Damit konnte ich zeigen, welche Festigkeit ein Rohr hat - und Torsion. Das ist ja fantastisch – im Flugzeugbau kennt man das ja überall und setzt möglichst Rohrformen bei der Konstruktion ein. Glatte Flächen, die nicht bombiert sind, tragen nicht, die flattern.

    Damals ist gerade der Kunststoffbau in Mode gekommen. Auch im Automobilbau. Die Autos haben aber alle Türen gehabt. Der Lotus aus England zum Beispiel. Im "Bernbiet" habe ich einen Unfall erlebt mit einem Lotus, da sind die „Türli“ alle am Bode gelegen, überall ist irgendwas herum gelegen. Den Wagen hat es regelrecht “verspritzt”. Das ist ein Argument gewesen: Keine Türen!

    Schon 50 kg weniger zu bremsen – das spürst du!

    Der Enzmann  - der ist interessant zu fahren gewesen – für alle, die mit ihm umgehen konnten. Wir haben einen Fotografen gekannt, den Seifert “im Deutschen” draussen. Der ist immer nach Schüpfheim gekommen mit seinem offenen Mercedes und er ist dann für die Fahrt nach Sörenberg hinauf - wo er ein Haus gekauft hat - auf den Enzmann umgestiegen. Und der Seifert hat den Plausch mit ihm in den Kurven gehabt, weil er so “ring” (Anmerkung: mit geringem Kraftaufwand) zu fahren gewesen ist. Nicht nur die Beschleunigung hat ihm gefallen - auch die Bremsen.  Schon 50 kg weniger zu bremsen, das spürst du! 

    Und am Pass? Ich habe damals die Wette abgeschlossen, den Wagen mit einem einzigen  Finger über die Teufelsbrücke und dann über den Gotthard zu lenken. Und das auf der Naturstrasse. Die haben mir das nicht geglaubt. Und da ist noch das Abwärtsfahren gewesen. Dort, wo im Gefälle die grossen Wagen im zweiten Gang fahren und bremsen mussten, bin ich im dritten gekommen. Die Fussbremse hat den Wagen angehalten, ohne dass ich Kraft gebraucht hätte. Kein Gewicht! Das ist so eine „Kleinigkeit“. Alle die ihn gefahren sind, haben gestaunt, wie angenehm er zu fahren ist. Eine reine Gewichtsfrage.

    Das Märchen mit den Chassis aus Deutschland

    Die Sache mit den VW-Chassis aus Deutschland und dem Lieferungsstopp ist ein Märchen. Wir haben gar nie ein Chassis von VW bekommen. Der Importeur - die AMAG - hat gar kein Interesse gehabt am Enzmann. VW wollte ja selber einen solchen Kunststoffwagen, einen Sportwagen herstellen. Und den haben sie auch gemacht, den Karman. Doch der Karmann  ist nicht reizvoll gewesen. Er ist ein ganz anderes Auto gewesen. Gewichtsmässig uninteressant und dementsprechend auch zum Fahren langweilig.

    Die Chassis, die wir brauchten, sind solche gewesen, die wir aus dem Handel zurückbekommen haben.  Da haben wir die Karosserien weggenommen. Zum Teil haben wir auch neue Wagen verwendet und die abmontierten Karosserien den Versicherungen verkauft. Es haben aber auch Kunden beschädigte VW gebracht und haben dann auf das VW-Chassis eine Enzmannkarosserie montieren lassen.  VW hat uns gar nie ein Chassis geliefert. Die haben uns nie unterstützt. Es wäre alles viel einfacher gegangen. Keine Zusammenarbeit! Grund ist der Neid gewesen. Wenn du mit etwas kommst, das grundlegend anders ist und in die Zukunft weist, versucht die Konkurrenz dich hinauszudrücken.

    Passive Sicherheit

    Meinen Wagen, den ich normalerweise gefahren habe, hat man eines Tages Studenten gegeben. Die sind damit an irgendein Treffen ins Deutsche gefahren. Und prompt haben sie  einen Unfall gehabt. Bei einer Kreuzung sei scheinbar ein Franzose bei rot gekommen und habe das Auto erwischt - bei meinem Wagen vorne links hinein. Er hat den Kotflügel weggedrückt. Und  ganz interessant: Das Reserverad, vorne drin ist verbeult gewesen – und der Tank auch. Er hat nicht geronnen.

    Sie sind ausgestiegen – unverletzt. Das sind unsere Erfahrungen mit diesem Crash gewesen. Und einen aus Amerika. Der Besitzer hat sich bedankt. Er hat einen Frontalen gehabt und überlebt. Und seine Frau auch. Das sind so „Kleinigkeiten“ gewesen. Fantastisch! Die Idee Enzmann 506 ist gut gewesen.

    Ich habe alles gemacht auch Beckengurte. Ich habe sogar Netze im Kofferraum eingebaut. Die Koffer oder ein Velo hat man hineingeschoben, mit einem Netz zugedeckt und mit Haken an den Seiten befestigt, ganz einfach, damit die Ware stabilisiert ist. Als Arzt habe ich die gossen Unfallbücher gehabt mit Aufnahmen von  Bootsrennen mit zwanzig Toten! Die sind vom Werkzeug und Feuerlöschern getötet worden. Das Zeug ist beim Zusammenstoss herumgeflogen. Bei meinem Wagen konnte alles fixiert werden.

    Der Enzmann ist voll solcher Kleinigkeiten gewesen. Auch der „Buggel“ (Buckel) im Armaturenbrett zum Schutze des Beifahrers bei einem Aufprall. Da hab ich Fotoaufnahmen gemacht von sämtlichen Sportwagen, die Rallies gefahren sind. Es ist nicht ein einziges Armaturenbrett dabeigewesen, das dem Beifahrer Schutz geboten hätte. Nichts rein gar nichts. Viel später sind dann die Airbags gemacht worden. In meinen Augen ist der Airbag heute ein Witz. Das gibt doch so einen Schlag, dass z.B. Brillengläser die Augen schwer verletzen. Man kann doch einen derartigen „Buggel“ machen, der fest ist, aber trotzdem elastisch nachgibt, nicht verletzt. Das ist doch viel besser als so ein Airbag, der dir an den “Grind” (Kopf) springt.

    Da haben wir einen gehabt, der hat einen roten Enzmann gekauft. Ein Spinner! Wenn er fertig gearbeitet hat – er ist “Beck” (Bäcker) gewesen - ist er noch rasch ins Auto gehockt. Sogar beim Kegeln ist er plötzlich aufgestanden, um einen “Kehr” (Ausfahrt) zu machen und so den Plausch zu haben. Da hat er einmal auf der Kantonsstrasse den Wagen gewendet und einen entgegenkommenden Roller übersehen. Da sind zwei auf der Hochzeitsreise drauf gewesen. Die beiden sind voll seitwärts in den Wagen hinein. Die beiden sind über das Auto hinweg geflogen, es hat ihnen nichts gemacht und der Beck konnte auch unverletzt aussteigen. Zum Glück haben wir eine ursprünglich vorgesehene Aluminiumstütze nicht eingebaut. Ohne sie konnte dieser Aufprall gemildert werden. Das ist doch fantastisch.

    Und da kommt noch etwas anderes. Der Sitz ist nicht zum Ein- und Aussteigen seitwärts gemacht. Das hätte ja Türen verlangt. Er ist in die Karosserie integriert gewesen und Trittluken haben den Einstieg von oben her erleichtert. Die Schale selber ist ein Abguss von mir persönlich gewesen. Da bin ich hinein gehockt – man hat noch die “Füdlibacken” (Abdruck des Hintern) gesehen – so habe ich mich da hin- und herbewegt. Und auf diese Weise habe ich meine Rückseite anatomisch richtig abgedrückt!

    Mein Bruder Hans hat den Wagen nach England mitgenommen. Er hat das “Bébéli” in einem “Körbli” mitgenommen. Das konnte er hinten hineinlegen, mit dem Netz festmachen und so ist es gesichert gewesen. So ist er in ganz England herumgefahren.
    Und mit mir ist einmal folgendes passiert, als wir “ins Deutsche” hinaus gefahren sind. Die drei Kinder sind bei uns im Wagen gewesen – hinten im Kofferraum - gesichert. Am Zoll hat plötzlich eines den Kopf nach vorne gestreckt und der Zöllner hat verblüfft gefragt: „ Haben sie noch mehr Kinder hinten drin?“ So ist es gewesen – geschützt im Enzmann 506 – damals in den Fünfzigerjahren!

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